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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Durch die Nacht mit

»Axolotl Overkill«

Helene Hegemann gibt ihr Regie-Debüt mit der Verfilmung ihres Debütromans. In der Geschichte tanzen frühreife und altkluge Menschen schön am Abgrund.
Geschrieben am
Die 16-jährige Mifti ist das typische Opfer des verwöhnten Mittelklasse-Scheidungshaushalts: früh verstorbene Mutter, abwesender Vater, Lust auf Party als Lebensinhalt. Ihre ersten individuellen Gehversuche in Berlin führen sie zu Drogen, Sex und Technoclubs, wo sie interessante Personen kennenlernt, die ebenfalls pittoresk am Abgrund tanzen. Eine davon ist die wesentlich ältere Fotografin Alice, die in ihrem chaotischen Dasein eine gewisse Contenance etabliert hat und als rätselhafte Erwachsene eine widerwillige Vorbildfunktion einnimmt. Mit »Axolotl Roadkill« gelang der jungen Schriftstellerin Helene Hegemann 2010 ein literarischer Überraschungserfolg, der den unstet zuckenden Nerv einer urbanen After-Hour-Generation traf.

Der streckenweise krampfhaft lockere Hedonismus der alternden 68er fungiert darin als Ground Zero einer richtungslosen, altklugen und frühreifen Jugend, die ihre chronische Affektinkontinenz als Lifestyle lebt – und damit tatsächlich mindestens 50 Prozent besser aussieht als das Werbefernsehen und Christiane F. zusammen. Jasna Fritzi Bauer stellt den richtungslosen Egoismus ihrer Protagonistin in einen ebenso kämpferischen wie verletzlichen Kontext. Hegemann schrieb das Drehbuch und führte selbst Regie. Dadurch wird ein Film, der in anderen Händen als touristisches Spektakel verkommen wäre, in einer mitreißenden und teilweise bestürzenden Ehrlichkeit geerdet.

Helene Hegemann

Axolotl Overkill [Blu-ray]

Release: 07.12.2017