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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

1. Staffel

Ausgerechnet Alaska

D: Rob Morrow, Barry Corbin, Janine Turner; Universal Es gab ja schon vor zehn Jahren, bevor TV real wurde, wirklich so einigen Schrott im Fernsehen. Bei einem Großteil der altersschwachen Serien, die ab und an zur Unzeit noch mal über den Bildschirm gehetzt werden, durchfährt einen höchstens
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D: Rob Morrow, Barry Corbin, Janine Turner; Universal

Es gab ja schon vor zehn Jahren, bevor TV real wurde, wirklich so einigen Schrott im Fernsehen. Bei einem Großteil der altersschwachen Serien, die ab und an zur Unzeit noch mal über den Bildschirm gehetzt werden, durchfährt einen höchstens ein wohlig-schaudernder »Iih!«-Reflex angesichts der nach ca. 10 bis 15 Jahren besonders schrill empfundenen Style-Anachronismen (wenn nämlich der Retrofaktor noch nicht eingesetzt hat). Oder milde Nostalgie die Älteren, die sich freudig melancholisch an ihr jüngeres Selbst erinnert fühlen. ›Northern Exposure‹, zu deutsch ›Ausgerechnet Alaska‹, ist allerdings einer der (zum Glück doch nicht so seltenen) Serien-Darlings, bei dem eine nachgeschobene Veröffentlichung auf DVD Sinn und Freude macht. Abgedreht in der ersten Hälfte der 90er, verströmt diese amerikanische Serie, in der ein jüdischer Jungarzt aus New York zwecks Abstotterung seines Studienstipendiums zum Doktor-Dienst in die tiefste alaskanische Provinz abkommandiert wird, mit riesigen Strickjacken und weit hochgezogenen Jeansbünden ein dezidiertes 80s-Feeling. Doch Style ist so ziemlich das Letzte, was auf der To-do-Liste der Hand voll BewohnerInnen des verschlafenen Kaffs Cicely an der »Alaskan Riviera« steht. Stattdessen schlagen sich die schrulligen Charaktere mit den Basics eines Lebens in der Wildnis herum, das erfolglose Bärenjagd genauso wie Körperhygiene im eiskalten See bedeuten kann. Der Ostküsten-Neurotiker Dr. Fleischman macht sich immer wieder mit seiner Bagel-versessenen Großstädter-Arroganz unbeliebt und ficht sexy Fights mit seiner burschikosen Vermieterin O’Donnell aus, die aus Versehen schon zwei ihrer Verlobten ins Grab gebracht hat. Der Ex-Astronaut und milliardenschwere Regional-Tycoon Maurice plant eine größenwahnsinnige touristische Aufbereitung der Gegend, der grungige Halbindianer Ed träumt von einer Karriere à la Spielberg, der Radio-DJ und Ex-Sträfling Christ rezitiert Walt Whitman on the air, und die indianische Sprechstundenhilfe Marilyn unterminiert mit putziger Beharrlichkeit alle dummen Anweisungen von Fleischman. Obwohl die Serie auf einem ganz offensichtlichen Gag – dem größtmöglichen Culture-Clash innerhalb eines Landes – aufgebaut ist, wird das humoristische Potenzial dieses krassen Gegensatzes nie platt und über Gebühr ausgebeutet. Auch das Spiel mit kulturellen Zuschreibungen und Stereotypen, vor dem man sich aus heutiger Sicht fürchtet – das Klischee vom weisen Indianer o. ä. immer ängstlich im Hinterkopf -, läuft auf witzige, facettenreiche und vor allem immer wieder ironisch gebrochene Weise ab, sodass man erleichtert losprusten kann. Die Stärke der Serie, die wie die meisten guten amerikanischen Produkte ganz selbstverständlich mit witzigen Dialog-Schlagabtäuschen glänzt, liegt in dem Raum, der der Exzentrik jedes einzelnen Charakters gelassen wird. Denn die wirkt nie gewollt, sondern einfach überzeugend komisch.