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Comic: Die Ga! Die Ga-Ga!

»Asterix bei den Pikten«

»Asterix bei den Pikten« droht von monolithischer Erwartungshaltung erschlagen zu werden: Er markiert die Post-Uderzo-Zeit und damit die Chance zum Neuanfang.
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»Asterix bei den...« - wie lange haben wir das nicht mehr gehört? 1979 kam als letzter Band ähnlichen Titels »Asterix bei den Belgiern«. Es war gleichzeitig der letzte Band mit René Goscinny als Texter, der allerdings bereits Ende 1977 gestorben war. Danach, da sind sich die Asterix-Fans noch so einigermaßen einig, schlug sich Zeichner Albert Uderzo noch ein paar Bände ganz wacker, spätestens in den 90er Jahren hört der Spaß dann aber auf und wird zur blanken Nachlassverwaltung. Asterix hatte den Witz der 60er und 70er Jahre eingebüßt und wurde von den meisten nur noch der Vollständigkeit halber gekauft (wenn überhaupt).

Genau hier setzt das neue Team aus Texter Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad (beide 54 Jahre) an. Der Zeichenstil hat also glücklicherweise nichts mehr von »Gallien in Gefahr«, sondern mutet angenehm rootsy an. Das war möglicherweise jedoch die leichteste Übung, denn die Fans vermissten in den letzten 34 Jahren schließlich hauptsächlich den Texter, womit wir auch ratzfatz bei der Kehrseite der Medaille wären.

 

Die Story von »Asterix bei den Pikten« ist schnell erzählt: Ein gefrorener Pikte (keltischer Ureinwohner Schottlands und damit den ebenfalls keltisch-stämmigen Galliern »verwandt«) wird in Aremorica angeschwemmt und braucht ganz offensichtlich Hilfe. Asterix und Obelix begleiten ihn nach Hause, verhauen Verschwörer und Römer und erhalten den Pikten nicht ohne gewisse Routine die Freiheit. Alles wie immer keine Ausreißer im Storytelling, sehr basic und bausatzhaft, keine wirkliche Leistung.

 

Der Sprachwitz des Bandes müht sich redlich und klappert die berühmten Namensverhohnepipelungen ab, wobei Zenturio Habdenblus sicher noch eins der gelungensten Beispiele darstellt, dabei aber auch keine Verbindung zum Charakter herstellen kann. Richtig platt sind dagegen die andauernden Gags, weil irgendwer weiter hinten den weiter vorn nicht richtig versteht. Ähnlich ermüdend das Popsong-Tourrette der piktischen Hauptfigur Mac Aphon, die eine wahrscheinlich nicht rein zufällige Ähnlichkeit zu Umpah-Pah aufweist (indianische Hauptfigur einer parallel zu Asterix laufenden Reihe von Goscinny/ Uderzo). Mag man darüber auch hinwegsehen können, fehle am Ende dennoch die subtileren Noten und Zwischentöne, von denen die Asterix-Bände speziell der 70er Jahre gelebt haben.

 

Sehr defensiv äußerte sich das Team Ferri/ Conrad im Vorfeld gegenüber der absehbaren Strenge der Asterix-Fans, zu denen sie sich mit Sicherheit ebenso zählen. Sie wollten zumindest den Dank dafür, dass sie es versucht hätten. Das ist leider schon im Ansatz zu wenig, um das ganz große Rad zu drehen. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie sich beim nächsten Band mehr zutrauen.

 

»Asterix bei den Pikten« erscheint bei Egmont Ehapa.