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Arthouse Collection

Tribute: Charlie Chaplin

Mit Melone, Stöckchen, Schnäuzerchen, zu großen Hosen und Schuhen watschelt der Tramp Charles Chaplin auch heute noch in die Herzen jedes Zuschauers.
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Mit Melone, Stöckchen, Schnäuzerchen, zu großen Hosen und Schuhen watschelt der Tramp Charles Chaplin auch heute noch in die Herzen jedes Zuschauers.

In neuem Glanz erstrahlen etliche seiner zeitlosen Werke in der soeben erschienenen Arthouse-Reihe bei Kinowelt.
Wie der aus ärmsten Verhältnissen stammende, in London geborene Sohn einer Künstlerfamilie in „Goldrausch“ seinen berühmten Brötchentanz aufführt und sich aus Schnürsenkeln als Spaghetti und Schuhsohle als Schnitzel-Ersatz ein Festessen zubereitet!
Wie der Frauenheld und elffache Familienvater mit seinen schwarzen Augen unerreichbare Mädchen anschmachtet und dabei wie in „Der Zirkus“ in einer wilden Affenhorde statt in den Armen der Tochter des Direktors landet!
Wie der ewige Außenseiter, der in der McCarthy-Ära wegen seiner „kommunistischen“ Einstellung des Landes verwiesen wurde, in „Moderne Zeiten“ in ein überdimensionales Räderwerk gerät und in „Monsieur Verdoux“ die Massenmorde des Zweiten Weltkriegs anprangert!
Wie der Skeptiker des Tonfilms in seinem ersten Film, in dem auch gesprochen wird, Hitler alias Adenoid Hynkel als „Der große Diktator“ nur Kauderwelsch und Wörter wie Wiener Schnitzel und Sauerkraut von sich geben lässt, bleibt zum Brüllen komisch: Wie lächerlich doch zu allen Zeiten ein erwachsener Mensch erscheint, der sich selbst zu ernst nimmt!
Chaplin ist und bleibt ein Meister des Augenblicks, kaum ein anderer Filmemacher verfügt über seine entlarvende Beobachtungsgabe, deshalb braucht die von ihm geschaffene Figur des Tramps eigentlich auch keine Worte: Man sieht jeden seiner noch so winzigen Gedanken.
In den 70er-Jahren erhielt der Meister des Augenblicks übrigens noch einen Ehren-Oscar, 1975 wurde er von der Queen zum Sir erhoben. Der Mann, der keine Angst vor Auseinandersetzungen hatte, da „sogar Sterne manchmal aufeinanderknallen“ und dadurch „neue Welten“ entstehen, wie er an seinem 70. Geburtstag schrieb, starb 1977 im Alter von 88 Jahren.