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Das Shooting kurz vorm Tod

Anton Corbijn über seinen Film »Life«

Das Bild »James Dean haunted Times Square« von 1955 ist eines der meist reproduzierten Fotos des 20. Jahrhunderts: James Dean mit Zigarette im Mundwinkel. Die Schultern gegen die Kälte hochgezogen. Im Hintergrund der verregnete Times Square. In seinem neuen Film »Life« erzählt der Regisseur und Fotograf Anton Corbijn (»Control«) die Geschichte dieses Fotos. Dane DeHaan (»The Place Beyond The Pines«) spielt James Dean, Robert Pattinson den Life-Fotografen Dennis Stock. Simone Schlosser hat Anton Corbijn getroffen.
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Es gibt in »Life« Parallelen zu deiner eigenen Geschichte. Deine Fotos von Bands wie Joy Division sind weltberühmt. Inwiefern ist der Film autobiografisch? 
Mich hat die Beziehung zwischen den beiden interessiert. Es gibt diese Szene, in der Robert Pattinson als Fotograf zu James Dean sagt, dass er ihm einen Gefallen tut, wenn er ihn fotografiert. Aber James Dean sieht das genau umgekehrt. Zu Beginn meiner Karriere hatte ich eine ähnliche Begegnung mit dem holländischen Musiker Herman Brood. Als ich angefangen habe, ihn zu fotografieren, war er Musiker in einer Rock’n’Roll-Band, dann kam sein Erfolg als Solo-Künstler. Plötzlich wollte ihn jeder fotografieren. Und ich dachte: »Aber ich war doch sein Fotograf!« Damals wusste ich noch nicht, wie die Beziehung Fotograf/Künstler funktioniert.

Fast jeder kennt das Foto von James Dean am Times Square. Im Film habt ihr dieses spontane Foto-Shooting nachgestellt. Woher rührt der Hype um das Bild? 
Der Ikonen-Charakter ist interessant, denn an sich ist das Bild total chaotisch. Es wirkt nicht wie ein inszeniertes Foto. Aber ich denke, viel hat damit zu tun, dass James Dean kurz darauf gestorben ist. Außerdem strahlt die Aufnahme das Lebensgefühl von damals aus. Es wirkt wie eine Jazz-Fotografie. James Dean war ein Teil dieser Generation, die sich die Kultur zu eigen machen wollte – und sie besitzen wollte als Teil ihrer Generation und nicht der ihrer Eltern. Das hat im Jazz und Rock’n’Roll seinen Ausdruck gefunden. All das steckt darin.

Heute macht jeder ständig Fotos. Wie hat sich der Wert der Fotografie verändert? 
Einerseits werden für die berühmten Fotos höhere Preise bezahlt als je zuvor. Andererseits können immer weniger Fotografen von ihrer Arbeit leben. Das ist der große Wandel: Zeitungen wollen nicht mehr für Fotos bezahlen, weil sie nur die Masse sehen, aber nicht den Wert des einzelnen Fotos.
Dane DeHaan und Robert Pattinson sind ein bemerkenswertes Duo. Wie ist der Cast zustande gekommen? 
Dane ist ein besonderer Schauspieler. Nicht nur wegen seines Looks. Auch, weil er sich in Figuren hineinversetzt. Er schafft es, dass man als Zuschauer von Beginn an denkt: ›Das ist James Dean.‹ Rob als Dennis Stock war ebenfalls eine interessante Wahl. Viele nehmen Robert Pattinson wegen »Twilight« als Schauspieler nicht ernst. Deshalb muss er sich ständig beweisen – eine interessante Parallele zu seiner Rolle im Film. Außerdem mochte ich die Idee, dass er einen Fotografen spielt, weil er ja selber ständig von Fotografen verfolgt wird.

Du hast »Control« gemacht über Ian Curtis. Jetzt diesen Film. Ist es für dich eine besondere Herausforderung, wenn du einen Film über reale Menschen drehst? 
»Control« war ein sehr emotionaler Film für mich. Da ging es viel um mein eigenes Leben in jener Zeit. »Life« ist weniger emotional. Trotzdem fühle ich mich einigen Situationen verbunden. Wenn man einen Film über reale Menschen macht, dann sind diese Menschen die Basis. Für mich sind solche Filme glaubwürdiger.

»Life« hat einen melancholischen Unterton. Als hätte James Dean gewusst, was passieren würde ... 
Gegen Ende haben wir das ein bisschen zugespitzt. Aber er ist tatsächlich nach diesem Fotoshooting nie mehr nach Hause zurückgekehrt. Der Film ist wie das Times-Square-Bild: Man kann ihn nicht anschauen, ohne an seinen Tod zu denken.

Wie unterscheidet sich deine Arbeit an einem Film von der als Fotograf? 
Es gibt keine logische Verbindung. Als Fotograf arbeite ich normalerweise alleine. Man trifft jemanden und macht ein paar Fotos. Ein Film ist ein Jahr deines Lebens mit 150 Menschen. Auch finanziell ist das ein großer Unterschied. Film ist eine Industrie, Fotografie ein Hobby.

»Life« (USA 2015; R: Anton Corbijn; D: Dane DeHaan, Robert Pattinson; Kinostart: 24.09.15)

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