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Mehr Schurke als Superheld?

»Ant-Man Megaband 1: Einfach unverbesserlich«

Robert Kirkman hat mit dem »unverbesserlichen« Ant-Man seine ganz eigene Version des untypischen Marvel-Helden geschaffen. Der »Ant-Man Megaband« versammelt diese Geschichten und liefert eine interessante Alternative zum aktuellen Kinoblockbuster.
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»Ant-Man« ist derzeit in aller Munde. Am 23. Juli startet die Marvel-Verfilmung in den deutschen Kinos und darf sich berechtigte Hoffnungen auf einen Kassen- sowie Kritiker-Erfolg machen. Passend dazu erscheinen bei Panini Comics einige Sammelbände zum untypischen Helden. Der »Ant-Man Megaband« ist die spannendste dieser Veröffentlichungen und präsentiert Robert Kirkmans Interpretation der Figur. Im Dezember 2006 startete der Schöpfer von »The Walking Dead« und »Outcast« zusammen mit Zeichner Phil Hester »The Irredeemable Ant-Man«. Während sich der Kinofilm mit dem zweiten Ant-Man, dem Dieb Scott Lang beschäftigt, lassen Kirkman und Hester eine dritte Person in das vom Wissenschaftler Dr. Henry Pym konstruierte, rot-schwarze Kostüm schlüpfen.  

Eric O’Gradys Alltag besteht zu einem Großteil aus dem Anstarren eines Monitors. Der SHIELD-Agent fristet ein eher mäßig spannendes Dasein in der Überwachungsabteilung und vertreibt sich seine Freizeit daher mit Pokerabenden und der Eroberung junger Frauen. Vielleicht nicht unbedingt der schlimmste Mensch der Welt also, aber auch weit entfernt von jenen Tugenden, die man gemeinhin einem Superhelden zuschreibt. Und ein Held möchte der junge Mann auch überhaupt nicht sein, nachdem er auf Umwegen an den Prototypen des Ant-Man-Anzugs von Dr. Pym gelangt ist. Da nutzt er seine neu gewonnenen Flug- und Schrumpf-Fähigkeiten lieber, um fremde Frauen unbemerkt beim Duschen zu beobachten. 

Robert Kirkman mag keine moralisch zu eindeutigen Figuren, das beweist er mit »The Walking Dead« seit über zehn Jahren. So ist auch sein Ant-Man ein Charakter mit dem die Identifikation nicht gerade leicht fällt. Zwar entwickelt sich Eric O’Grady im Laufe der Handlung und zeigt, dass er tatsächlich zu heldenhaften Taten fähig ist. Dabei bleibt er jedoch einigen Charakterzügen treu, die man normalerweise eher von Schurken oder windigen Mitläufern kennt.

Leider stellte der Verlag die Serie bereits nach zwölf Ausgaben wieder ein. Zudem fiel die Premiere von Ant-Man in einen Zeitraum, da Marvel seine große »Civil War«-Storyline im Avengers-Universum erzählte. Robert Kirkman fehlte so der Raum, um seinen Protagonisten völlig frei zu entwerfen und weiter auszufeilen. Ein Umstand, den man über die rund 290 Seiten immer wieder spürt. Wird man in einigen Panels von der Stimmung völlig eingezogen, wirken manche Momente schlichtweg zu simpel gestrickt. Was bleibt ist ein interessante, etwas oberflächliche Neuinterpretation, die nun in vollständiger, stellenweise leicht holpriger deutscher Übersetzung vorliegt. Als Lektüre für die Busfahrt zum Kino aber allemal zu empfehlen.

Robert Kirkman

Ant-Man: Megaband 1: Einfach unverbesserlich

Release: 20.07.2015