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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Sich eine blutige Nase zu holen ist keine schlechte Lebenserfahrung«

Andreas Dorau im Gespräch

Andreas Dorau war 15 Jahre alt, als er in Rahmen eines Schulprojekts den Hit »Fred Vom Jupiter« schrieb. Seitdem ist viel passiert. Er hat einen Hinkelstein von Rammstein aus dem Fenster geworfen, eine Bierflasche auf dem Zaun von Dieter Bohlen stehen lassen und sich betrunken auf Goldene-Schallplatten-Verleihungen blamiert. Erlebnisse wie diese hat er nun mit Hilfe von Sven Regener in einem Buch zusammengefasst. Autobiografie will er das dennoch nicht nennen, erzählt er Juliane Streich.
Geschrieben am
All die Geschichten in »Ärger mit der Unsterblichkeit« klingen so, also wären sie genauso passiert.
Das ist alles genau so passiert.

Gabs da schon Reaktionen von Personen, die im Buch vorkommen oder die jetzt zum Beispiel erfahren, dass Sie Ihre gut bezahlte Filmmusik gar nicht selbst aufgenommen, sondern von Mittelaltermusikplatten zusammengesampelt haben?
Bis jetzt nicht. Ich hoffe, dass wir keinen Ärger kriegen.

Was hat Sie dazu bewegt, die Geschichten überhaupt aufzuschreiben?
2012 kamen mehrere Verlage auf mich zu und meinten, dass viele Männer in meinem Alter, die Songtexte schreiben, auch gerade recht erfolgreich Bücher schreiben würden. Und fragten mich dann, ob ich nicht Kurzgeschichten schreiben wolle. Ich probierte das, scheiterte aber. Weil die Geschichten nichts mit mir zu tun hatten. Als ich Sven Regener davon erzählte, sagte er zu mir: »Lass uns das zusammen machen! Aber vergiss die Kurzgeschichten; wir nehmen deine Geschichten.« Das war mir erst zu heikel, weil es so nach Autobiografie klang und Autobiografien immer etwas Geschwätziges haben. Wir beschlossen dann einfach, all den Ballast wegzulassen, also die 50 Seiten Kindheit und die glücklichen Jahre bei Tante Irmchen, durch die man sich immer quälen muss, um zu den interessanten Teilen zu kommen.

Und dann haben Sie erzählt und Sven Regener hat aufgeschrieben?
Da wir uns seit 1982 kennen, musste ich ihm nicht viel erklären. Wir haben uns immer morgens um zehn getroffen und um 17 Uhr Feierabend gemacht. Zuerst saß ich da und erzählte, aber meistens hielten mich meine Geschichten nicht mehr auf dem Stuhl und ich bin rauchend und schwadronierend durch den Raum gelaufen, während Sven getippt hat. Man muss dazusagen, dass Sven extrem schnell tippen kann.


Sie erzählen dann zum Beispiel, dass Sie beim betrunken Taxifahren auch schon mal Türen zerstört haben. Wie geht das?
In München sind die Straßen sehr eng. Im angetrunkenen Zustand habe ich mal eine Tür zu früh geöffnet, dann kam von hinten ein Auto und hat die Tür des Taxis abgefahren.

Viele ihrer Geschichten handeln vom Scheitern, ohne dass Sie dabei frustriert klingen. Wie geht man damit um, dass einem ständig so was wie Geldprobleme passiert?
Nicht den Kopf einziehen und mit dem darüber reden, dem man das Geld schuldet. Generell rate ich: Sich eine blutige Nase zu holen ist keine schlechte Lebenserfahrung, wenn man dabei nicht stirbt.