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Kraft Der Träume

Alice im Wunderland

„Alice im Wunderland“ zählt zur Sorte moderner Klassiker, die nie alt werden. Aber nicht wegen der „Kraft der Träume“, aufgrund des „inneren Kindes“ oder sonstigem hirntoten Glückskeks-Scheiß.
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„Alice im Wunderland“ zählt zur Sorte moderner Klassiker, die nie alt werden. Aber nicht wegen der „Kraft der Träume“, aufgrund des „inneren Kindes“ oder sonstigem hirntoten Glückskeks-Scheiß, sondern weil die Story eigentlich als ziemlich verstörende Coming-of-age-Fantasie mit ambivalenter sexueller Symbolik zu lesen ist.

Und auch wenn die Lewis-Carroll/Tim-Burton-Connection von 2010 an den unterschiedlichsten Stelle bereits als Traum-Kombination gehandelt wurde, gibt es noch mindestens drei andere Kandidaten für die definitive Alice:
 
Walt Disney’s Alice In Wonderland (1951)
Ab und zu hatte Westentaschen-Diktator Walt Disney kleine Blackouts, in denen üblicherweise seine besten Filme entstanden. Wie zum Beispiel der hier. Die klassische Zeichentrick-Version traf die bunte Balance zwischen üppiger Fantasie und unheimlicher Atmosphäre derart gut, dass der Film in den Sechzigerjahren weggeschlossen werden musste, um amerikanische Hippies vom Drogenkonsum im Kino abzuhalten. Der überschwängliche Soundtrack von Tutti Camarata mag dabei auch eine Rolle gespielt haben.
 
Alice In Wonderland: A Musical Porno (1976)
Während in Deutschland die „Liebesgrüße aus der Lederhose“ Hochkonjunktur hatten, verging sich der Amerikaner Bud Townsend lieber gleich an Weltliteratur. Der Erfolg in einschlägigen Lichtspielhäusern stellte sich praktisch sofort ein, auch wenn es statt dumpfer Kopulation hauptsächlich völlig überqualifizierte Musical-Nummern gab. Gerade aus heutiger Perspektive ist der Film dabei so unschuldig, witzig und charmant, dass er glatt als abendfüllendes Kimya-Dawson-Video durchgehen könnte.
 
Phantasmagoria: The Visions Of Lewis Carroll (2014?)
Wenn irgendeiner nicht vor den sinistren Seiten eines Sujets zurückschreckt, dann Mäusebaron Marilyn Manson, der schon seit 2004 in seiner Freizeit an diesem Leib- und Magenprojekt arbeitet. Der Film versteht sich offenbar als halluzinogene Meditation über die seelischen Abgründe von Lewis Carroll, dessen pädophile Tendenzen inzwischen Forschungsgegenstand sind. Der Trailer sieht dann auch aus wie Nine Inch Nails’ Wurstkeller und macht irgendwie trotzdem Lust auf mehr. Angeblich mit an Bord: Tilda Swinton.
 
Alice im Wunderland (USA 2010; R: Tim Burton; D: Johnny Depp, Mia Wasikowska; Disney Home)