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Made In Japan

Akira Kuroda

JBook / Maas, 152 S., EUR 16Akira Kurodas Debütroman "Made In Japan" handelt von Gewalt. Von jener Form, die, gedacht als absolute Macht, den Willen des anderen getrost ignorieren kann, weil es völlig unwichtig ist, ob er dem zustimmt, was mit seinem Leib angestellt wird: Er ist in der Hand des Mäch
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JBook / Maas, 152 S., EUR 16

Akira Kurodas Debütroman "Made In Japan" handelt von Gewalt. Von jener Form, die, gedacht als absolute Macht, den Willen des anderen getrost ignorieren kann, weil es völlig unwichtig ist, ob er dem zustimmt, was mit seinem Leib angestellt wird: Er ist in der Hand des Mächtigen, ganz und gar. Er ist vollkommen ohnmächtig und kann daher in aller Ruhe oder mit Leidenschaft bis in den Tod gequält werden. Im Zentrum des Buches stehen in anderen Worten zwei Figuren, die sich an den jeweils äußersten Enden ein- und derselben Beziehungsachse befinden.

Das Drumherum ist rasch erzählt. Es ist die Geschichte vier jugendlicher Freunde in einer japanischen Großstadt, die mit sich, ihrer Zeit, ihren Gefühlen nicht viel anzufangen wissen. Sie sind wohlhabend, von ihrem jungen Leben ziemlich angeödet und suchen nach Kicks. Wie viel von der geläufigen, auch von der Autorin bemühten Erklärungsformel "übersättigte Leere erzeugt Gewalt" eigentlich zu halten ist, wäre vielleicht einmal zu fragen. Ferner - was ihre Geschichte eigentlich mit Japan zu tun hat. Aber um Erklärungen geht es Kuroda ohnehin nur am Rande. Unweigerlich läuft alles zu auf die schrecklichen Stunden, in denen einer der vier Freunde - der finstere Takashi - inspiriert von Snuff-Kinder-Pornos den emotional-fragilen Shin nach den halboffenen Regeln des Gewaltexzesses foltert, die Beine zertrümmert, Gliedmaßen abhackt, um schließlich in seinem Blut zu baden.

Der bösartige Clou des Buches besteht in einer Wendung: Denn der lebensmüde Shin ist ja einverstanden mit seiner Hinrichtung. Nur werden die Schmerzen schnell unerträglich. Was fatal ist, da Shins jäh zurückkehrender Wunsch, dies hier zu überleben, die brutale Gier seines Gegenübers ins Unermessliche steigert. Insofern erzählt "Made In Japan" von der unheilvollen Eigendynamik, die bestimmten Formen gewaltvollen Handelns auch in der Realität innewohnt: Ist die Grenze erst überschritten, erzeugen die Schreie der Opfer gerade kein Erbarmen, sie steigern den Durst nach Blut.