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Musik ohne Ton

A Silent Rockumentary

Eine Musikdoku als Stummfilm. Ein Stummfilm als Update der deutschen Indie-Szene. Ist das Experiment gelungen?
Geschrieben am

Jonas Grosch, Bruder und WG-Kumpan der Schauspielerin Katharina Wackernagel, die bei »A Silent Rockumentary« auch als Ko-Produzentin fungiert, dokumentiert die Aufnahmesession zum zehnten Mardi-Gras.bb-Album »Crime Story Tapes«. Ursprünglich hatte dieser Film mit Tonspur und in zeitgemäßen Bildern entstehen sollen, entwickelte sich jedoch im Verlauf zu dem, was er jetzt ist. Und so ignoriert Grosch konsequent, dass der Stummfilm ein Medium mit eigenen Regeln ist.

Zu oft beschränkt sich die Darstellung auf Sepia-Filter und den verstärkten Einsatz von Texttafeln, sodass der gut gemeinte Ansatz leider zum leeren Effekt verkommt. Dennoch, trotz seiner formellen Schwächen ist der Film ein erhellender Beitrag zum Stand der deutschen Independent-Szene im Jahr 2013. Es drängen sich Fragen auf, wenn etwa Uli Krug, der das sonderbare Sousafon bedient, mit leichter Verstimmung angibt: »Von unserem ersten Album haben wir 30.000 Exemplare verkauft, vom letzten waren es noch ca. 4.000.« Es darf indes bezweifelt werden, ob dies einzig mit der Entkörperlichung der Musik durch MP3s und die damit einhergehenden illegalen Downloads zu erklären ist, wie es Bandleader Jochen Wenz streckenweise versucht. Vor allem in den Konzertaufnahmen der Doku zeigt sich: Eine Band wie Mardi Gras.bb muss man live sehen, um ihre Klasse zu erkennen. Man kann daher nur hoffen, dass steigende Gagen die ausbleibenden CD-Verkäufe kompensieren.

 


 

 

»A Silent Rockumentary« (D 2012; R: Jonas Grosch; Lighthouse Home Entertainment)