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MuVi wird 10

54. Oberhausener Kurzfilmtage

Die 54. Oberhausener Kurzfilmtage feiern ein Jubiläum: Zum zehnten Mal wird der MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo verliehen
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Die 54. Oberhausener Kurzfilmtage feiern ein Jubiläum: Zum zehnten Mal wird der MuVi-Preis für das beste deutsche Musikvideo verliehen. Seit Anfang an dabei im Organisationsteam ist Festivalleiter Lars Henrik Gass. Mit ihm sprach Oliver Minck.

Der Musik-Clip hat sich in den letzten zehn Jahren vom Leitmedium des Pop zum Randprodukt entwickelt. Wie macht sich das bei euch bemerkbar?
Diese Entwicklung stellt ja in gewisser Weise in Frage, was wir da tun. Der Musicclip wurde vom Musikfernsehen erfunden, nun hat sich diese Gattung komplett davon emanzipiert. Fast keiner der Clips, die wir dieses Jahr zeigen, ist im Fernsehen gelaufen. Trotzdem ist die Gattung nicht totzukriegen. Interessant ist, dass das Musikfernsehen ja gewisse Konventionen mit sich brachte, die jetzt weitgehend entfallen. Dadurch entstehen neue schöpferische Impulse. Aber auch sehr gewalttätige, sehr sexualisierte Musikvideos.



Sind denn klare künstlerische und ästhetische Tendenzen und Entwicklungen auszumachen?
Abseits des richtig kommerziellen Segments gibt es in Deutschland überhaupt keine Budgets mehr. Dadurch entstehen neue ästhetische Strategien: Material aus anderen Filmen wird entwendet und wiederverwertet. Animationen werden wichtiger und Arbeitsweisen, die von Einzelnen am Computer bewerkstelligt werden können.

Wie wichtig sind die Kunsthochschulen für den MuVi-Preis?
Es gab einen Zeitpunkt, da dachte man, das Musikvideo sei nur noch ein Übungsfeld für Filmstudenten. Natürlich haben wir immer wieder und auch in diesem Jahr Videos dabei, die ganz klar zu solchen Zwecken entstanden sind. Dennoch hat das Musikvideo eine solche Selbstständigkeit entwickelt, dass es zu einer eigenen Kunstform geworden ist. Die meisten bei uns gezeigten Videos kommen dementsprechend auch nicht von den Hochschulen.

Was waren deine persönlichen Highlights in zehn Jahren MuVi-Preis? Sind auch absurde Dinge passiert?

Als wir anfingen, war ja gerade die Hochzeit von Regisseuren wie Chris Cunningham und Michel Gondry, deren Arbeiten wir natürlich gezeigt haben. Auch in Deutschland wurden damals sensationelle Clips gedreht, z. B. von Deborah Schamoni für die Goldenen Zitronen oder von Michael Klöfkorn und Oliver Husain für Sensorama. Die absurdeste Geschichte: Chris Cunningham war 1999 zu Besuch auf dem Festival. Er checkte ins Hotel ein, verließ es nicht mehr, ward nicht mehr gesehen und flog dann unverrichteter Dinge wieder zurück.

Nach welchen Kriterien stellt ihr die Jury zusammen?
Wir bemühen uns, immer jeweils eine Person aus den Bereichen Musik, Regie und Popkultur zu bekommen. Gerne auch international besetzt, denn in Deutschland ist die Szene sehr klein, und man kennt sich untereinander zu gut.

Welche Qualitäten muss ein Clip erfüllen, damit er bei euch gute Chancen hat? Und was geht nicht?
Es gibt keine vordefinierten Kriterien, aber eine Arbeit muss überraschen und aus der Masse herausragen. Es gibt durchaus gute Videos, die einfach nur die Konventionen erfüllen. Die sind bei uns fehl am Platz. Unser Preis hat die Aufgabe, Innovation zu stärken. Wir haben die Clips von Anfang an auf der Leinwand in groß gezeigt, wie man sie im Fernsehen niemals zu sehen bekommt. Durch die Projektion erhält das Bild ja gewissermaßen den gleichen Status wie der Ton, der automatisch weiter in den Raum eindringt. Man kann und soll die Musik aber auch nicht ausblenden. Und eine sehr konventionelle Musik beeinflusst natürlich auch die generelle Beurteilung des Musikvideos negativ.

Zehn Jahre MuVi-Preis: Wie wird gefeiert?
Am Festival-Samstag machen wir eine Party im K14, dem Oberhausener Festivalcafé, mit Console und Jan Jelinek. Beide waren mit ihrer Musik wiederholt beim MuVi-Preis vertreten. Und The Notwist haben ja auch in diesem Jahr einen Clip in der Endauswahl.

MuVi Preis 2008

Erdmöbel "Aus meinem Kopf"
R: Sandeep Mehta

Luigi Archetti & Bo Wiget "Bestes deutsches Musikvideo"
R: Luigi Archetti & Bo Wiget

Michael Fakesch "Blackbird"
R: Giraffentoast

Sigur Rós "Der Jäger und der Bär"
R: Joachim Brandenburg

Michael Fakesch "Dot"
R: Jörg Petri

Stereo Total "Ich bin der Stricherjunge"
Simone Gilges

Bonnie "Prince" Billy "Love Comes To Me"
R: Oliver Pietsch

Kutti MC feat. Endo Anaconda "Mon Bébé"
R: Kaya Inan

Kaspar Astrup Schroeder
"Real Snow"
R: Lisa Rave

Rechenzentrum "Terra Incognita"
R: Lillevän

Food For Animals "Tween My Lips"
R: Martin Sulzer

The Notwist "Where In This World"
R: Markus Wambsganss



Intro empfiehlt:
54. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 01.-06. Mai
www.kurzfilmtage.de
Am Samstag, 03. Mai, steigt nach der Preisverleihung die Jubiläumsparty im K14, Eintritt: EUR 5.

Alles zum MoVi-Award findet ihr unter www.intro.de/spezial/movie.