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Liebevolles Wörtlichnehmen

»5 Zimmer Küche Sarg«

Wer behauptet, über Vampire sei schon alles gesagt? Taika Waititi und Jemaine Clement rammen dem Alles-schon-mal-da-gewesen-Gespenst einen Pflock ins Herz und präsentieren die erste Blutsauger-Doku.
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Man kann keine Pommes mehr essen, der beste Freund ist zum Reinbeißen, und für die coolen Clubs braucht man buchstäblich eine Einladung: Es ist nicht leicht, Vampir zu sein. Neuseelands geheimer Lieblingsregisseur Taika Waititi (»BOY«, »Eagle Vs. Shark«) hat sich erneut mit Flight-Of-The-Conchords-Folkie Jemaine Clement zusammengetan und eine Doku gedreht. Die Vorlage dazu entstand schon 2005 als Kurzfilm, jetzt gibt es volle 85 Minuten in bester »The Real Life«-Manier. Die Mockumentary »5 Zimmer Küche Sarg« wirft einen liebevollen Blick auf die täglichen, Verzeihung: nächtlichen Hindernisse des Blutsaugerdaseins im Kiwi-Exil. In einer Vorstadt-WG Wellingtons leben vier Untote: Der 8000 Jahre alte Petyr – Vorlage für Nosferatu mit elegantester Zahnprothese der Filmgeschichte – wohnt im Keller und geht nicht mehr so gerne raus. Viago, der österreichische Dandy, kümmert sich liebevoll um das Wohlergehen seiner Mitbewohner. Deacon ist der Rebell, und Vlad, der »Stecher«, das wahrhaft hypnotische Sexsymbol. So folgt das »Doku-Kamerateam« vom »New Zealand Documentary Board« den sympathischen Blutsaugern und deckt Probleme wie Outfitsuche ohne Spiegelbild, missachtete Putzpläne und Blutspritzer auf teuren Möbeln auf. Bestes Mittel zur Streitschlichtung: der Fledermauskampf.

Die Dinge nehmen aber erst richtig ihren Lauf, als der eingerostete Petyr sein Dinner Nick in einen unbändigen Jungvampir verwandelt und dieser seinen besten und lebendigen Freund Stu anschleppt. Systemadministrator Stu bringt die Jungs technologisch ins 21. Jahrhundert und wird dank Beißverbots zum WG-Buddy. Doch dann trifft die Truppe auf den Werwolf-Pöbel Wellingtons, angeführt von Comedian und Flight-Of-The-Conchords-Manager Rhys Darby. Nach der Transformation sehen die Werwölfe allerdings eher aus wie der Yeti. Es gibt kaum ein Motiv der Vampirfilm-Geschichte, das hier nicht liebevoll wörtlich genommen wird. Slapstick-Schwebeeffekte treffen auf Splatter-Hommagen à la »Braindead« auf rührende Coming-of-age-Dramen. Alles in typisch neuseeländischem Understatement erzählt und eher albern als gezwungen geistreich.

»5 Zimmer Küche Sarg« (NZ 2014; R: Taika Waititi, Jemaine Clement; D: Taika Waititi, Jemaine Clement, Jonathan Brugh, Rhys Darby; Kinostart: 30.10.14)