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Pizzolattos neues Album

5 Fakten über die zweite »True Detective«– Staffel

»True Detective« war der Serien-Hit des vergangenen Jahres. Ab dem 21. Juni läuft endlich die zweite Staffel. Darin ist alles neu: Figuren, Story, Ort. Oder wie Serienschöpfer Nic Pizzolatto sagt: »Das Einzige, was geblieben ist, bin ich.« Hier sind fünf Spoiler-freie Fakten über die neue Staffel.
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1. Wo ist Rust Cohle?
»Ich schreibe am besten über Figuren, deren Existenz ins Wanken geraten ist.« An dieses Motto hat sich Serienschöpfer Nic Pizzolatto auch in der zweiten Staffel gehalten. Jede der Figuren trägt schwer an der Last ihrer Vergangenheit: Detective Ray Velcoro (Colin Farrell) an der Vergewaltigung seiner Frau, die ihn auf schicksalhafte Weise mit dem Gangsterboss Frank Frank Semyon (Vince Vaughn) verbindet, Sheriff Ani Bezzerides (Rachel McAdams) an ihrer Kindheit in einer Hippie-Kommune, Motorrad-Polizist Paul Woodrugh (Taylor Kitsch) an seinem Söldner-Einsatz für die US-Army und Gangsterboss Frank Semyon (Vince Vaughn) an einem Kindheitstrauma. Der große Rust Cohle-Moment bleibt in den ersten Folgen allerdings aus. Auch wenn sich Ray mit Sätzen wie »Wir bekommen die Welt, die wir verdienen.« wirklich alle Mühe gibt.


2. Ein Album für Kalifornien
Jedes Album ein anderer Bundesstaat. Das war einmal das Projekt von Sufjan Stevens. Nic Pizzolatto spricht von der neuen Staffel auch gerne als Album. Nach Louisiana ist bei ihm jetzt Kalifornien dran. Für die Serie bedeutet das Hippie-Kommunen statt Wanderkirchen, Gangster mit Grillz statt Rednecks und David Lynch statt Robert W. Chambers. Atmosphärisch kann der Mulholland Drive aber nur schwer mit Louisianas Sümpfen mithalten. Eine Ausnahme sind die Luftaufnahmen von dicht befahrenen Highways, die den Verkehr wie pulsierende Adern durch die trockene Gebirgslandschaft pumpen.
3. Whodunit
Auch in dieser Staffel gilt es eine Mordserie aufzudecken. Doch diesmal hat sich Nic Pizzolatto direkt für die klassische Whodunit-Erzählweise entschieden. Abgesehen von einer Rückblende, die keinerlei Funktion erfüllt, außer dass sie zeigt, warum sich Colin Farrell besser nicht rasiert. Bald stecken die Polizisten mitten in einer Korruptionsaffäre die sie mit Anrufprotokollen und White Board aufzuklären versuchen. Das erinnert an »The Wire«. Auch weil diesmal die Gangster-Perspektive mit erzählt wird. Aber es hätte gut getan, wenn die Serie in den ersten Folgen mehr Interesse am Fall als an den Abgründen ihrer Figuren gezeigt hätte. Vielleicht meinte Nic Pizzolatto das mit dem Satz: »Die Ermittler suchen und suchen, aber die Schuldigen sind sie selber.«


4. »Harte Frauen«
Nach der ersten Staffel musste Nic Pizzolatto einige Kritik für die Reduzierung der Frauenfiguren auf Sex und äh, … Sex einstecken. Bald darauf kündigte er für die neue Staffel »harte Frauen« an. Dabei denkt man nicht unbedingt an Rom-Com-Darling Rachel McAdams. Aber nach drei Folgen ist sie als Einzelgängerin mit Messer-Fetisch zweifellos der Matthew McConaughey der zweiten Staffel: »Der große Unterschied zwischen den Geschlechtern ist, dass eines das andere mit seinen bloßen Händen umbringen kann. Wenn ein Mann versucht, mich anzufassen, verblutet er in weniger als einer Minute.« Einen Feminismus-Preis wird »True Detective« aber auch diesmal nicht bekommen. »Ich unterstütze Feminismus...«, erwidert Ray die Erklärung seiner Kollegin. »vorwiegend, indem ich body image issues habe.« 
5. »The war was lost«
Nach der ersten Staffel wurde Nic Pizzolatto als Star-Autor gefeiert. Dabei war Cary Fukunaga als Regisseur der kompletten ersten Staffel nicht ganz unbeteiligt an deren Erfolg. (Wer das bezweifelt, sollte sich noch einmal die ungeschnittene sechsminütige Action-Szene aus Folge vier anschauen.) Wie hoch sein Anteil tatsächlich war, zeigt sich jetzt, wo er nicht mehr dabei ist. In der neuen Staffel ist nicht nur die Story konventioneller, sondern auch die Inszenierung, und durch den Wechsel von 35mm auf digital unterscheidet sich der Look kaum von einer herkömmlichen Krimi-Serie. Nur der Vorspann kann den Vergleich mit der ersten Staffel aufnehmen. Aber das liegt auch an Leonard Cohens Titelsong »Nevermind«.

- »True Detective – Zweite Staffel« (USA 2015, S: Nic Pizzolatto; D: Colin Farrell, Vince Vaughn, Rachel McAdams, Taylor Kitsch; ab 21. Juni 2015 auf Sky)

True Detective - Staffel 1 [Blu-ray]

Release: 04.09.2014