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3D-Videospiele

3D Spezial Teil 2

Früher Gimmick, später Hype, heute handfeste Realität: Im zweiten Teil unseres 3D-Spezials wagt Gregor Wildermann einen Blick auf dreidimensionale Videospiele und Endgeräte wie neue 3D-Fernseher und -Konsolen.
Geschrieben am

Schwert, Pfeil und Bogen. Das ist alles, was Wanda im Kampf gegen 16 übergroße Kolosse unterschiedlichster Gestalten aufbieten kann. Ein kleiner Junge gegen Wesen wie den Bullen Quadratus, das Pferd Phaedra oder den laufenden Riesen Barba. Alle so groß wie Hochhäuser und doch an einer Stelle besiegbar. Der reine Größenunterschied der Figuren machte vor fünf Jahren »Shadow Of The Colossus« zu einem Konsolenspiel, das man nicht so leicht vergessen konnte. Aber wer sehnte sich damals nach der dritten Dimension, wenn Herz und Gehirn zu diesem leicht unscharfen grautönigen PlayStation2-Spiel einen ganz eigenen Film abspulten? Genau: niemand.
2011 sind es Firmen wie Panasonic, Samsung, LG oder Philips und eben Sony, die 3D-Fernseher und -Player an die vorderste Front ihrer Produktpalette gestellt haben. Selbst das millionste scharfe Pixel im brandneuen High-Definition-Fernseher verblasst gegen das plakative Versprechen, beim Blick auf die Mattscheide in eine dritte Dimension eintauchen zu können. In der Preiskategorie mögen sie zwar um mindestens ein Drittel höher liegen als ihre 2D-Brüder - deren Bild die 3D-Fernseher natürlich auch anzeigen können.

Dennoch bekommt man für seinen Berg von Euros auch einen wirklichen Mehrwert, denn während gute 3D-Filme momentan im Händlerregal immer noch den Seltenheitswert einer Blauen Mauritius genießen, könnte die Auswahl unter den darauf spielbaren 3D-Videogames bald schon bedeutend größer sein. Und bei Gamern gerät, spätestens seit das HD-3D-Reissue von »Shadow Of The Colossus« für die PlayStation3 angekündigt wurde, das Blut bekanntlich schnell in Wallung. Ähnlich verheißungsvoll wirkt das 3D-Versprechen für »Uncharted 3 - Drakes Deception« - gerade das Genre der Action-Adventures sollte aus den neuen visuellen Möglichkeiten auch spielerische Ideen abzweigen können.

Aber gerade weil jeder technologische Wandel eine technisch holprige Übergangsphase mit sich bringt, lohnt ein genauer Blick auf die aktuellen Möglichkeiten, denn bei der breiten Spanne an Spielgenres wirkt 3D keinesfalls wie ein Allheilmittel. Wer einen Shooter wie »Call Of Duty: Black Ops« auf einem 3D-fähigen Fernseher spielt, bekommt eine ähnliche Lektion wie zuvor bereits mancher 3D-Kinogänger - schnelle Kamerafahrten und Blickwinkelwechsel führen schlichtweg zu Sehnerv-Überforderung. Bei einem Autorennspiel wie »Gran Turismo 5« pendelt der 3D-Effekt hingegen zwischen angenehmer Nebenerscheinung und faszinierendem Rundflug in der Cockpitperspektive.

Das gerade veröffentlichte »Tron: Evolution« wird hingegen zwar als 3D-Spiel deklariert, jedoch ändert die dreidimensionale Sichtweise leider gar nichts am Gameplay, und die animierten Cut-Scenes wurden bei der 3D-Umsetzung sogar ganz ausgelassen. Eine der besten Überraschungen der GamesCom-Messe im letzten August war Segas »Virtua Tennis 4« (wird noch für 2011 erwartet), welches in seiner 3D-Fassung den Sportspielen auf einer Konsole in Kombination mit einer Bewegungssteuerung neuen Sinn verleiht. Ein echter Satz, Aufschlag und Sieg für Sport in 3D.

Ganz ohne Nebenkosten geht für viele Spiele der Eintritt in die neue dreidimensionale Gamerwelt leider nicht vonstatten: Da bestehende Konsolen mit der gegebenen Leistung nun zwei Bilder gleichzeitig zaubern müssen, werden die Bildqualität und Framerate für den 3D-Modus reduziert. Auch optische Details und Effekte wie die beeindruckenden Wasserspritzer beim Rennspiel "Motorstorm: Rift" fallen da deutlich spärlicher aus. Bei den Plasmabildschirmen bleibt problematisch, dass sich ständige Anzeigen im eingeblendeten Spielmenü in den Bildschirm einbrennen können. Und dies sind nur einige der möglichen Stolpersteine neuer 3D-Welten.

Während ein Spielfilm nach durchschnittlich zwei Stunden seinen Abspann rollen lässt, dürften die Uhrzeiger manches durchzockten Abends deutlich mehr Umdrehungen hinter sich gebracht haben. Das Problem: 3D-Brillen von Panasonic oder Sony, die in Tests momentan am besten abschneiden, sind mit einem Gewicht von bis zu 76 Gramm über längere Tragezeit äußerst gewöhnungsbedürftig. Samsung stellte auf der CES-Messe in Las Vegas gerade mit dem Hersteller Silhouette eine Brille mit 28 Gramm vor, die man jedoch zum Fernseher dazu kaufen müsste.

Auf derselben Messe zeigte Toshiba den ersten Laptop, der 3D-Filme und -Grafiken parallel zur konventionellen Ansicht aufzeigen kann. Ganz ohne Brille und dank einer smarten Kameraverfolgung der Augen. Ein verheißungsvoller Weg, den auch die für März angekündigte Nintendo-Handheld-Konsole 3DS gehen wird. Auch hier wird stereoskopisches Spielen ohne zusätzliche Brille möglich sein - ein Quantensprung. Wer »Metal Gear Solid: Snake Eater« auf dem Gerät angespielt hat, ahnt schnell, wohin die Reise geht und in Zukunft gehen wird. Mehr Tiefe und Raum - bald hoffentlich auch zu akzeptablen Preisen und Nutzungsbedingungen. Erwartbar ist das irgendwann zwischen jetzt und der Mitte des angebrochenen Jahrzehnts.

Aussicht: Top 7 der 3D-Games für 2011

01 Shadow Of The Colossus
02 Metal Gear Solid: Snake Eater
03 Virtua Tennis 4
04 Gran Turismo 5 (bereits veröffentlicht)
05 Mario Kart 3D
06 Killzone 3
07 Motorstorm: Rift