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Bluttransfusionen auf Leinwand

23. Fantasy Filmfest 2009

Das Fantasy Filmfest bietet seit Jahr und Tag ein abwechslungsreiches Programm - und ein breites Spektrum an Genre-Perlen für Liebhaber...
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Das Fantasy Filmfest bietet seit Jahr und Tag ein abwechslungsreiches Programm - und ein breites Spektrum an Genre-Perlen für Liebhaber und an potenziellen Box-Office-Hits. Die 23. Auflage bietet in sieben Städten ein Programm, das vor Vampiren nur so strotzt.

1987 fand das Fantasy Filmfest zum ersten Mal statt - in Hamburg. Seitdem ist es stetig gewachsen. Dieses Jahr sind Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt am Main, Nürnberg, Stuttgart und München die Orte des Geschehens. Im Frühjahr dieses Jahres fanden bereits die Fantasy Filmfest Nights statt, die eigentlich mal als Appetizer und Wartezeitüberbrückung ins Leben gerufen wurden, inzwischen aber zu einem eigenen kleinen Filmfest-Wochenende avanciert sind. Dank der Macher von Rosebud Entertainment, die auch das queere Filmfest Entzaubert veranstalten, und deren gekonnter Kuratiererei finden kaum dumpfprollige Schocker den Weg ins Programm.

Nicht wenige der gezeigten Filme sind später prämierte Klassiker geworden, wie z. B. "Pulp Fiction", "Blair Witch Project" und "Das Schweigen der Lämmer". Noch länger ist jedoch die Liste der Filme, die zwar beim FFF gezeigt wurden, aber aus diversen Gründen nie den Weg in die Lichtspielhäuser fanden, sondern höchstens auf DVD erschienen. Zweifelsfrei einer der Hauptreize des Festivals.

Das Herzstück des diesjährigen Fantasy Filmfest ist der französische Film "Largo Winch". Der Millionenerbe und Abenteurer Largo war der Held einiger Pulp-Comics von Jean van Hamme. Die französische Thrillerverfilmung ist dezent comichaft, hat optisch und dynamisch bei den Verfolgungsjagden der besten amerikanischen Vorabendserien der 80er gelernt, bietet nachvollziehbare Anti-James-Bond-Action, ist eine verstrickte Kain-und-Abel-Geschichte und wird leider niemals in die deutschen Kinos kommen. Die einzige Chance, den Film hierzulande auf einer Kinoleinwand zu sehen, wird auf dem Fantasy Filmfest geboten. "Largo Winch" dehnt den Fantasy-Begriff im Sinne des Filmfests aus: Wenn man eine Begebenheit oder Geschichte glaubhaft erzählen kann, dann ist sie auch wahr. Umgekehrt ist es eben Fantasy, wenn man eine Geschichte erzählen kann.



In diesem Sinne ist auch der magische Realismus des leisen Independentfilms "Blood Brothers" (siehe Foto) aus den Niederlanden zu verstehen, der unprätentiös und ohne große Effekthascherei daherkommt. Er beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt die Geschichte dreier Jungs am Beginn ihrer Pubertät, die gemeinsam zu Mördern werden. Doch auch wenn das Fantasy Filmfest thematisch keine Grenzen zu kennen scheint, bleibt es im Grunde ein Gore-Fest. Lang erwartete Horrorfilme werden gezeigt, und man kann von einer 3-D-Version des Teenage-Slashers "Final Destination" über "Cabin Fever 2" von Ti West bis hin zu Michael Doughertys "Trick 'r Treat" mit Anna Paquin quer durch die Bank ausgezeichnete Genrefilme schauen.

Auch der Altmeister der Blut- und Gruselinszenierung Dario Argento wird mit seinem neuesten Film "Giallo" vertreten sein. Das Fantasy Filmfest hat sich auf die Fahnen geschrieben, dem deutschen Publikum die besten Genrefilme aus aller Welt zu zeigen. Der "Fokus Asia" sticht als Schwerpunkt schon länger heraus - daneben finden sich amerikanischer Science-Fiction, skandinavischer Bodyhorror, britische Gangsterkomödien und französische Zombiefilme.

Nach und nach hat Frankreich Korea als Horror-Hot-Stuff-Lieferanten Nr. 1 abgelöst. Gerade David Morlets Regiedebüt "Mutants" verspricht klassisch-blutige Splatter-Elemente, eingebettet in ein beklemmendes Endzeitszenario. Apokalyptisch geht es auch in dem pandemischen Roadmovie "Carriers" mit Chris Pine zu, das das Fest in Berlin eröffnet und dort seine Weltpremiere feiert.




Das Fantasy Filmfest bietet seit Jahr und Tag ein abwechslungsreiches Programm - und ein breites Spektrum an Genre-Perlen für Liebhaber und an potenziellen Box-Office-Hits. Die 23. Auflage bietet in sieben Städten ein Programm, das vor Vampiren nur so strotzt. Von Nina Scholz.

Besonderes Augenmerk scheint dieses Jahr auf Vampirfilmen zu liegen. Glücklicherweise dürfen Vampire darin aber mehr sein als schmachtende Blickewerfer, die durch keusche Tagebuchträume wandeln oder romantische Platzhalter für Marketingschund sind. Im ungarischen Film "Bathory" wird etwas langatmig, bemüht mythologisch und verworren die Geschichte der Gräfin Erzebet Bathory erzählt - das weibliche Pendant zum transsilvanischen Grafen Dracula. Trotzdem ist der Film eine gute Wahl, steht er doch Julie Delpys ätherischer "Gräfin" als Antipode gegenüber. Jener Film kommt ebenfalls diesen Spätsommer in die Kinos und versucht die Geschichte glücklos aus einer esoterisch-feministischen Perspektive zu erzählen.

Südkoreas Park Chan-Wook probiert sich nach seiner "Rache"-Trilogie und dem Ausflug ins Cyborg-Thema ("I'm A Cyborg But That's OK") mit "Thirst" ebenfalls an Vampiren, hat aber schon angekündigt, dass sein afrikanischer Blutsauger um die Menschlichkeit kämpfen wird. Da es Park Chan-Wook schon immer gelungen ist, literarische Thematiken in drastische Bilder zu verwandeln, ist "Thirst" auf jeden Fall eines der vielversprechenden Werke des Filmfests.



Spätestens seit "So finster die Nacht" hat sich auch Schweden seinen Platz auf der Vampir-Weltkarte erkämpft: "Vampyrer" von Peter Pontiki ist ein Independentfilm über zwei junge Blutsauger-Schwestern und deren Probleme in der Welt. Blut wird hier sicher weniger fließen.

Das erwartet man dann von Chris Nahon, der den Vampirmythen von "Blade" und "Underworld" eine schnell inszenierte Geschichte hinzufügen wollte. Der Regisseur von "Das Imperium der Wölfe" und "Kiss Of The Dragon" bringt das Anime "Blood: The Last Vampire" auf die Leinwand, in dem sich die letzte verbleibende Vampirin durch das Tokio der 70er-Jahre beißt, mit Dämonen herumschlägt und ihren Vater rächen will. Einen eher trivialen Ton schlägt "Lesbian Vampire Killers" an, ein Film, der alles hat, was britischer Vampirspaß braucht: skurrilen schwarzen Humor, Pfähle und Tonnen an Körperflüssigkeiten.

Die Festivaltermine und -städte 2009

Mehr Infos zu den Programmen unter www.fantasyfilmfest.com

Mehr zu den Filmen und unser Voting findet ihr hier.