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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Planet MySpace

Web 2.0 und so...

Für manche Menschen war früher AOL das Internet. Für Musiker ist es heute MySpace. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Bands und Solokünstler demnächst nicht nur Promotion in eigener Sache machen, sondern vielleicht sogar alsbald die eigene Musik verkaufen. Nur das mit dem Webdesign, das üben wird noch...
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Für manche Menschen war früher AOL das Internet. Für Musiker ist es heute MySpace. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass Bands und Solokünstler demnächst nicht nur Promotion in eigener Sache machen, sondern vielleicht sogar alsbald die eigene Musik verkaufen. Nur das mit dem Webdesign, das üben wird noch...

Wer ein Faible für Cover-Artwork, Design und Layout pflegt, für den ist MySpace die Pest – für alle anderen eigentlich auch. Dachte jeder Web-Geek, wir hätten das Mittelalter des Internets mit bösen Tabellen-Layouts überwunden, dem grinst MySpace frech ins Gesicht: "Pech gehabt!". Barrierefreie sonnendurchflutete Websites nach Webstandards besucht man woanders. Statt benutzerfreundlichen Webseiten den Vortritt zu lassen, dreht das MySpace-Monster sinnvolle Standards genüsslich durch den Reisswolf und spuckt uns ein designtechnisches Horrorszenario vor die Füße.

Zum Glück denkt man, tummeln sich zahllose Websites im Netz, die wie Parasiten vom MySpace-Hype profitieren wollen. Diese bieten 1-Klick-Designs an, die schnell den eigenen Account verschönern, meist jedoch nur augenfeindlich verschlimmbessern. Augenkrebs ahoi!

Mit Spannung und Amüsement schaut man sich die Suchergebnisse an, wenn man nach solchen Websites mit den Worten "MySpace Layout" forscht. Ein Ergebnis sind solche suchmaschinenoptimiertverpesteten und fett gemarkerten Listen nicht. Spätestens wer sich anschließend durch die Ergebnisse klickt, landet spätestens einen Klick später woanders. Denn dann hat man versehentlich einen geschickt eingebauten Google-Adsense-Werbeblock erwischt. Und für nichts anderes wurden diese Seiten angelegt.

Neben diesem ganzen 1-2-Pimp-Dein-MySpace-Gedöns gibt es aber wenigstens ein ganz korrektes Werkzeug. Das ist sauber programmiert, eigentlich akzeptabel und wohnt unter www.layoutgeneratormyspace.com.

Viel spannender ist dahingegen die Zukunft von MySpace selbst. Gerade kloppen sich nämlich Ebay und Google darum, ihr eigenes Bezahlsystem auf MySpace integrieren zu dürfen. Da heißt es dann Paypal gegen Google Checkout. Mit seinem derzeitigen Werbe-Deal über 900 Millionen scheint da unsere Datenkrake Google die bessere Position zu besitzen.

Malt man sich aus, was aus einem integrierten Micro-Payment-Verfahren resultieren könnte, so staunt man nicht schlecht. Solch ein Bezahlsystem könnte Indie-Musiker dazu befähigen unkompliziert ihre Musik über das MySpace-Netzwerk anzubieten und Musik ohne Label und Vertrieb an "Freunde" zu verkaufen. Dadurch könnte MySpace zum größten MP3-Online-Shop mutieren und eventuell sogar Steve Jobs DRM-iTunes-Dingens Konkurrenz machen. Und spätestens dann klatscht Rupert Murdoch in seine Hände, weil er auf seinem eigenen Planeten handeln und arbeiten lässt. Die Kohle wandert dabei brav in die eigene Tasche – Monopol sein Dank. Wir sagen Wow, mal sehen, wie es weiter geht und bis demnächst an dieser Stelle.


Moritz "mo." Sauer ist Musikliebhaber und Internet-Addict mit Herz und Seele. Als freier Journalist und Buchautor betreut der Kölner sein eigenes Netzkultur-MP3-Magazin Phlow. Für Intro berichtet mo. regelmäßig über neue Web-Trends.