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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Michel Gondry, Spike Jonze und Co.: Kino meets Musikvideo

Top 7

Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit.
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Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit.

Michel Gondry
Vermutlich wird Michel Gondry nie etwas anderes drehen können als aufgekratzt-charmante Clips. Das tut er auch immer noch (u. a. für Björk, Beck, KanYe West), doch selbst den 101 Minuten seiner Spielfilme sieht man in jeder einzelnen Einstellung an, dass der Mann einfach nicht weiß wohin mit seinem überbordenden Ideenreichtum. Wer etwa "Be Kind Rewind" (2008) kennt, hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie Musikfernsehen zu jenen Zeiten aussah, als tatsächlich noch Videoclips gezeigt wurden: Ein Einfall jagt den nächsten. Hauptsache, Bühnenbild, Blickachsen und Fantasie kommen nie zur Ruhe.


Auf der nächsten Seite: Floria Sigismondi (Interpol - "Ostacle 1")

Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit

Floria Sigismondi
Von der Fotografie her kommend, steht Floria Sigismondi seit jeher für eine Gruselästhetik, die man sich zum YouTube-Frühstück eher selten reinzieht. Die Kanadierin italienischer Abstammung ist für ihre Schnittrasanz genauso berüchtigt wie für ihre Albtraum-Szenarien. Ihr Zirkuszelt der Seltsamkeiten spannte sie von Incubus bis zu Interpol auf, nicht zu vergessen Marilyn Manson mit "The Beautiful People" und David Bowie, den sie in seiner Drum'n'Bass-Phase Augäpfel aus der Kaffeetasse fischen ließ. Damit lässt sich ungefähr ausmalen, was von ihrem 2010 anlaufenden ersten Langfilm zu erwarten ist, einem Biopic und Drogendrama über die Teenie-Girl-Band The Runaways rund um Joan Jett.


Auf der nächsten Seite: Jonas Åkerlund (The Smashing Pumpkins - "Try, Try, Try")

Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit.

Jonas Åkerlund
Los ging's mit Schwedenpop: mit Roxette, einer platinblondierten und messerscharf frisierten Charts-Sensation rund um das Jahr 1990. Und in dieser Liga ging's für Jonas Åkerlund weiter, wenn auch nicht unbedingt im selben Stil (viel Motorradleder in Schwarz-Weiß-Kontrasten). Auf Åkerlunds Gehaltszettel stehen heute U2 oder Lady Gaga, und er darf sich Haus- und Hoffilmer für Madonna nennen, für die er neben Clips auch Dokus und Konzertfilme drehte. Auf der großen Leinwand sah sein Retorten-Glamour dann aber richtig schön kaputt aus. In "Spun" (2002) schickte er die Crystal-Junkies Brittany Murphy und Jason Schwartzman für ein Promidinner zum Amphetaminkoch Mickey Rourke nach Hause. Seine "Horsemen"-Serienkiller treiben gerade im Multiplex um die Ecke ihr Unwesen.


Auf der nächsten Seite: Sofia Coppola (The White Stripes - "I Just Don't Know What To Do With Myself")

Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit

Sofia Coppola
Ein klarer Fall von Fingerübungen und familiärer Vorbelastung. Neben dem strahlenden Erfolg der Kinofilme "The Virgin Suicides" und "Marie Antoinette" sowie einem Drehbuch-Oscar für "Lost In Translation" ist Sofia Coppolas schmales Frühwerk an Videos (etwa für die Flaming Lips) beinahe verblasst. Dabei lässt sich die Tochter von Francis Ford Coppola durchaus noch zu kurzen Ausflügen ins Clip-Studio überreden, sofern der Soundtrack gut genug ist und der Cast stimmt. Siehe: "I Just Don't Know What To Do With Myself" von The White Stripes mit einer trotz Unterwäschegymnastik eher gelangweilten Kate Moss in der Hauptrolle.


Auf der nächsten Seite: Spike Jonze (Beastie Boys - "Sabotage")

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Spike Jonze
Sofia Coppolas Ex-Ehemann ist das beste Beispiel dafür, wie die große in der kleinen Form aufgehen kann. Legendär ist sein NYPD-Epos "Sabotage" (1994), das Spike Jonze die Beastie Boys mit vielen Stunts und noch mehr aufgeklebter Gesichts- und Kopfbehaarung in nur 3:45 Minuten erzählen ließ. Dass auch umgekehrt viele kleine Malkovichs in einem großen Film Platz haben, bewies Jonze später mit der von Michael Stipe koproduzierten Klon-Fantasie "Being John Malkovich". Noch diesen Herbst steht eine Verfilmung des amerikanischen Kinderbuchklassikers "Where The Wild Things Are" ("Wo die wilden Kerle wohnen") an. Man darf auf wilde Monster-Stunts gefasst sein.


Auf der nächsten Seite: Jonathan Glazer (Jamiroquai - "Virtual Insanity")

Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit.

Jonathan Glazer

Er mag es nass und spritzig und braucht dafür nicht mehr als eine sprudelnde Idee. Etwa die von der Seelenwanderungswiedergeburt in seinem Spielfilm "Birth" (2004): Eine nackte Nicole Kidman sitzt gemeinsam mit ihrem ebenfalls nackten, allerdings erst zehnjährigen bzw. längst verstorbenen Ehemann in der Badewanne. Klingt verworren - ist es auch. Dass eine einzige Idee über Kürzestformate am besten trägt, spiegelt sich in Jonathan Glazers Werkliste wider: Ganze zwei Spielfilme stehen einer Armada an Werbeclips gegenüber. Dazwischen gab es die ewig lange Kamerageisterfahrt für Radioheads "Karma Police" oder Jamiroquai, der sich beim Sofarücken von Glazers Fließband helfen ließ.


Auf der nächsten Seite: Jonathan Demme (New Order "Perfect Kiss")


Viele Regisseure die heute Kinofilme drehen, haben ihre Karriere mit Musikvideos begonnen. Wir präsentieren die Top 7 der Regisseure mit Clip-Vergangenheit.

Jonathan Demme
Gillian macht den Sequencer an, trippelt einen Schritt zurück und starrt verschüchtert Löcher in den Boden. Bernard schluckt nervös und feuchtet sich die Lippen an. Stephen sieht im Frankenstein-Look sowieso mehr tot als lebendig aus. Nur Peter macht einen auf cool: unfrisiert und mit einem Plektrum im Mundwinkel. Diese seltsam mechanisch wirkenden Charakterstudien von Jonathan Demme wurden 1985 zu einem großen Moment der Clip-Geschichte: zu New Orders "Perfect Kiss". Demme ist ein gutes Beispiel dafür, wie überraschend und einfühlsam ein Hollywood-Handwerker im Experimentierfeld "Musikvideo" plötzlich mit seiner Kamera umgehen kann. Fünf Jahre später drehte er "Das Schweigen der Lämmer".