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»Was für ein Spektakel«

Kasabian Live in Köln

Kasabian präsentieren sich als Feierbiester, die sich der Euphorie des Publikums stets sicher sein können. Die oft nur durchschnittlichen Songs stören da gar nicht weiter. 
Geschrieben am
07.11.2017, Köln, E-Werk

Wer Kasabian sagt, muss auch Oasis sagen – und umgekehrt. Mitte der Nullerjahre wuchsen die von den Gallagher-Brüdern protegierten Frontmänner (Tom Meighan und Sergio Pizzorno) zu echten Rockstars heran. Musikalisch fraglos offener als Oasis, besaß die Band jene Rotznasen und Großspurattitüde, die auch Kern des effektiven Entertainment-Konzepts von Oasis waren. In England sind es die großen Hallen, in Deutschland reicht es immerhin für mittelgroße Venues. Das ist bei dem Bandsterben im Zuge der letzten großen Indie-Rock-Welle um 2005 herum doch einigermaßen bemerkenswert. Schon zu Oasis-Zeiten warteten die Briten mit einem willkommenen Ersatzprogramm auf, wenn die Gallaghers gerade nicht in der Stadt waren. Nun gibt es die chronisch zerstrittenen Brüder nur noch Solo, Kasabian aber immer noch als Band. Zieht die hedonistische Arroganz also noch? Zumindest stelle ich mir die Frage, wie sich die Platten (die sich eher stilistisch als qualitativ unterscheiden, da ist es meist gesundes Mittelmaß) live anhören.

Auf ihrem letzten Album wollen die selbstbewussten Herren offenkundig eine Popband sein, das ist mal cheesy, dann wieder catchy und in der Summe zumindest unterhaltsam. Vom Biedermeierstil alter Britpop-Helden in jedem Fall meilenweit entfernt. Also, wie stellt sich die Gruppe im Jahre 2017 im Live-Kontext dar?

Erkenntnis Nummer Eins: Kasabian haben erkannt, das mit reiner Gitarrenmusik kein Verbleib im Rock-Kosmos möglich scheint. So sind die Songs, ob Neue oder Alte, alle in ein dominierendes Pop-Korsett eingebettet. Unterstützend wirkt da sicher auch die Bandgarderobe des heutigen Abends, welche die Mitglieder ausschließlich in Weiß zeigt. Auch passt es, dass sie im Fade Out von »Eez-Eh« Daft Punk mit »All Around The World« einbauen. Erkenntnis Nummer Zwei: Der Vergleich mit Oasis hinkt zumindest live deutlich. Zwei präsente Frontmänner haben (beziehungsweise hatten) beide Bands, doch während nachlassende Publikumseuphorie bei den Gallaghers mit einem kaltschnäuzigen Schulterzucken goutiert würde, lassen Kasabian Stille gar nicht erst aufkommen.

Lead-Sänger Tom Meighan und sein hibbeliger Sidekick Sergio Pizzorno animieren das Publikum wo es nur geht, speziell Meighan stampft immer wieder an Freddy Mercury erinnernd über die Bühne.  So weit, so gut, aber zieht man die Euphorie des Augenblicks ab, dann fällt auf, dass dieser Auftritt hier eher Event als Konzertcharakter besitzt. Denn ganz ehrlich: Den einen richtig großen Song haben Kasabian nie geschrieben, doch wenn alles auf Spektakel ausgerichtet ist, dann fällt es nicht weiter auf.
»Cologne, COLOGNE!!!« geht es weiter, die Hütte brennt, die vielen Engländer um mich herum schmeißen ihr leeren und halbleeren Bierbecher in die Luft. Ein hedonistisches Spektakel offenbar, unterhaltsam, aber in seiner Immergleichen Animationsmanie auch maximal erwartbar. 

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