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»Jetzt rede ich«

Benjamin Clementine live in Köln

Benjamin Clementine besitzt die Aura eines gefallenen Engels und berührt mit einem ebenso eindrucksvollen wie eigenwilligen Konzert. 
Geschrieben am
20.11.2017, Köln, Philharmonie

Als sich Benjamin Clementine das erste Mal ans Klavier setzt, hat er bereits alleine am Bühnenrand gestanden und ein a-Capella-Stück gesungen. Ganz allein. Barfuß im blauen Ganzkörpercape steht er dort, die Stimme trifft auch die ganz hohen Töne. Es ist diese Präsenz, die sich nicht kaufen lässt. Zweifelsohne erinnert der Brite, vor allem stimmlich, an Nina Simone. Die Eigenwilligkeit hat er mit ihr gemein.

Zum zweiten Stück »Welcome To The Jungle« gesellen sich zwei Musiker dazu. An Bass und Schlagzeug fungieren sie eher als Ergänzungsmänner, halten aber gerade bei den besonders vertrackten Stücken des neuen Albums »I tell a fly« den Kern der Performance zusammen.

Auch die Bühnendeko ist zumindest auffällig. So stehen weiße, ausdruckslose Figuren im Halbkreis um das Klavier des Briten herum. »Sie symbolisieren die Gleichgültigkeit der Menschen, als ich obdachlos war«, erklärt er. Tatsächlich lebte der Musiker einige Zeit auf der Straße. »Sie liefen an mir vorbei, schauten mich nicht an, durch mich hindurch«. Schon zu Beginn zeigt sich recht schnell, dass hier kein Künstler auf der Bühne steht, der auf Gedeih und Verderb gefallen will. Als er bemerkt, dass er von einer Person im Publikum gefilmt wird, bittet er zunächst höflich dies zu unterbinden, um dann nachzuschießen: »Please leave, bastard!«.

Tatsächlich braucht es Zeit, bis sowohl Publikum als auch Clementine in den Abend finden. Clementine wirkt zunächst nicht locker, beschwert sich darüber, dass die geplanten Lichtinstellationen in der Philharmonie nicht umsetzbar sind. Zudem spielen er und seine zwei Mitstreiter zunächst keine Crowdpleaser, sondern das neue Album nahezu komplett und das funktioniert mal mehr mal weniger. 
Nach einiger Zeit ist das Publikum jedoch gefangen in der Performance des ausdruckstarken Briten. Diese Stimme! Diese Aura! Immer wieder schwebt er nahezu über die Bühne, fixiert das Auditorium mit Blicken. Es kommt bisweilen das Gefühl auf, das ein reines Konzerterlebnis nicht Sinn des Ganzen sein soll, es bekommt theaterhafte Züge, wenn Clementine über den Unterschied zwischen den Bayern und den »anderen Deutschen« referiert und einzelne Leute im Publikum direkt anspricht. »Kommt nach vorne, wenn ihr mich liebt. Hier sind noch genug Plätze frei. I don’t like empty chairs«.

Gesagt, getan. Tatsächlich kommen einige, der auf den Stehplätzen innerhalb der Philharmonie untergebrachten Zuhörer, nach vorne. Man mag den Angstschweiß der Platzanweiser erahnen, so passt diese Bitte so gar nicht in das mitunter streng reglementierte und formelle Konzept des Kölner Kulturhauses.

Im letzten Drittel des Auftritts spielt der Brite seine bis dato besten Stücke. »London«, »Nemesis«, »Cornerstone«. Es sind seine emotionalsten Lieder, da sie von den Entbehrungen seiner Vergangenheit berichten. »When my ways are not happening i won't underestimate who i am capable of becoming«. Diese Zeilen sollen die Besucher mit ihm gemeinsam singen. »This is a 2 out of 10. Even the russians sang better than you«. Nach zahlreichen Versuchen klappt es und der Künstler verkündet, wie mehrmals am Abend mit einem heiseren Lachen: »That’s beautiful«. Am Ende gibt es Blumen und einen verhuschten letzten Blick ins Publikum.

Benjamin Clementine

I Tell A Fly

Release: 15.09.2017

℗ 2017 Behind, Under Exclusive Licence To Barclay, a division of Universal Music France

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