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Old School

Veronique Branquinho.

Die Antwerpener Modedesignerin Veronique Branquinho ist ein nostalgisches Mädchen. Obwohl zwei bedeutsame Indikatoren des neuen Jahrtausends ihren Schreibtisch bevölkern, iMac nebst iPod, liegen ihre Vorlieben doch in der Zeit vor der digitalen Revolution. Das spiegelt sich auch in ihren Kollektione
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Die Antwerpener Modedesignerin Veronique Branquinho ist ein nostalgisches Mädchen. Obwohl zwei bedeutsame Indikatoren des neuen Jahrtausends ihren Schreibtisch bevölkern, iMac nebst iPod, liegen ihre Vorlieben doch in der Zeit vor der digitalen Revolution. Das spiegelt sich auch in ihren Kollektionen wider, die weder hip noch überladen wirken, eher zeitlos, raffiniert und intelligent.

Während die aktuelle Sommerkollektion sich noch durch gekonnte Farbkombinationen und ausgeklügelte Schnitte und Details definiert, markiert die Winterkollektion 05/06 einen Bruch, eine Rückbesinnung auf die Essenz: "Es war sehr schwierig, diese Kollektion zu machen, weil ich nach einer neuen Richtung gesucht habe, in die ich gehen kann. Ich habe mich sehr auf die Form und die Konstruktion meiner Entwürfe konzentriert, deshalb ist auch alles Schwarz, ich wollte und konnte mir nicht zusätzlich noch über Farben Gedanken machen. Im Prinzip ist es ein Gegenentwurf zur Sommerkollektion geworden." Zur Präsentation ihrer Sommermode ließ sich Veronique Branquinho von einer der plakativsten Szenen aus "Emanuelle" inspirieren - gemeint ist jene, in der die Hauptdarstellerin (Laura Gemser) in einem überdimensionalen Korbsessel sitzt. Gleich 20 dieser Pfauen-Sessel, allesamt Originale aus den 70ern, ergatterte die Belgierin mit Hilfe von Freunden auf Flohmärkten oder übers Internet, um das Abschlussbild der Schau zu inszenieren und den Eindruck zu potenzieren, der ihr am Herzen lag: "Ich mag den Charakter Emanuelle sehr, sie ist absolut unabhängig und frei." Nicht jede Frau soll Branquinhos Kleider kaufen, nur solche, die sich mit der dahinter stehenden Haltung identifizieren können: "Meine Mode steht für starke Frauen, die trotzdem eng mit ihren inneren Empfindungen und Emotionen verbunden sind, also auch etwas Weiches, Weibliches haben. Diesen Zwiespalt finde ich sehr faszinierend." Seit 2002 beschäftigt sich Veronique Branquinho aber auch mit dem anderen Geschlecht und launcht zwei Kollektionen für Männer im Jahr. Dabei ist ihre Herangehensweise eine völlig andere: Während die Arbeit für Frauen stets Ausdruck ihres eigenen Inneren ist, und meistens harte Arbeit, kommt ihr das Entwerfen für Männer, zu überlegen, was an ihnen sexy aussehen könnte, geradezu wie ein interessantes Spiel vor. "Nur leider sind die Männer, die ich toll finde, in der Regel nicht besonders modeaffin, das macht's mitunter ein bisschen kompliziert", sagt sie und lacht dabei so, wie Frauen lachen, wenn sie an Männer denken, die sie mögen.

Neben ihrem Faible für Mode und Männer hat Veronique Branquinho auch eine Schwäche für Musik. In ihren Schauen spielt der Sound stets eine bedeutende Rolle und trägt nicht selten autobiografische Züge. Mal überzeugte sie Tom Barman von dEUS, den Durchmarsch der Models mit einer live gespielten Akustik-Version von Peter Sarstedts "Where Do You Go To (My Lovely)" zu begleiten ("Ich liebe die Lyrics"), dann schockte sie das fröhlich gestimmte Publikum mit den Sisters Of Mercy, und zuletzt war es ihre All-Time-Fave-Sängerin Kate Bush, die die Melodien für den Catwalk lieferte. "Ich habe eben nach einer neuen Essenz gesucht, deshalb war es logisch, Kate Bush zu wählen. Sie war immer da in meinem Leben, es war wie ein Wiedersehen mit einer alten Bekannten."

Branquinhos Bewusstsein für Traditionen und ihr Bedürfnis nach innerem Rückzug machen es ihr manchmal schwer, Schritt zu halten mit den Anforderungen der Modebranche: "Kaum ist eine Kollektion fertig, musst du dir schon die nächste einfallen lassen. Und manchmal bin ich irgendwie noch nicht so weit. Darum bin ich eifersüchtig auf Maler oder Musiker, die können mit ihrem Kram rauskommen, wenn er fertig ist. Aber letztlich ist meine Arbeit ein pausenloser Prozess, eine Kollektion mündet in die nächste und repräsentiert meinen derzeitigen Status quo. Wenn der unfertig wirkt, dann ist das eben so." Trotzdem, der Druck bleibt, ebenso wie die Verantwortung für das Unternehmen Veronique Branquinho. Deshalb könne sie sich theoretisch auch vorstellen, für ein fremdes Label zu designen. Es müsste jedoch ein Haus mit Tradition sein, ein Name, mit dem sie sich voll und ganz identifizieren kann. "Coco Chanel zum Beispiel", gibt sie nach langem Zögern charmant verlegen lächelnd zu. Ein nostalgisches Mädchen eben.

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