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Ich bin ein Leitartikel

Shaun Ross

Ich habe im letzten Jahr 35 Magazinstrecken gestanden, ich bin erst 18 und schon ein Editorial.
Geschrieben am

„Ich habe im letzten Jahr 35 Magazinstrecken gestanden, ich bin erst 18 und schon ein Editorial.“

Was sich liest wie der kometenhafte Aufstieg eines aktuellen New Yorker It-Models, ist im Fall des Afroamerikaners Shaun Ross eine Geschichte von Überwindung von Handicaps und Uniformierung im Modebiz: „Ich bin Model geworden, weil ich der erste Mann mit Albinismus auf dem Laufsteg sein wollte“, erzählt Ross, denn seine Haut ist pigmentlos hell. Entdeckt wurde er 2007 in einem YouTube-Video, in dem er sich als Vogue-Tänzer austobte, jener 80er-Jahre-Tanzrichtung, die wie Modeln auf Ecstasy aussieht. Ein Jahr später lief er bereits in New York bei den Modenschauen von Patrik Ervell, Tim Hamilton und Third Floor mit und wurde für eine GAP-Kampagne gebucht, in der Saison darauf posierte er für Another Magazine und die italienische Vogue.

Anfangs schien der genetische Pigmentmangel seine Modelkarriere als Alleinstellungsmerkmal zu pushen. Doch kaum war Ross auf diese Art aus der Masse von Jungmodels herausgestochen, kam es auch schon zum Backlash – bei den letzten Fashion Weeks traf man ihn nur noch als Gast an. Denn auch wenn sie es selbst nicht wahrhaben wollen: Entgegen der Fashion-Crowd, die sich anlässlich der Shows mit exzentrischem Individualismus gegenseitig die Schau zu stehlen versucht, setzen die Model-Booker zumeist (wieder) lieber auf Einheitslook. Ross’ Exotik-Bonus war verbraucht. Er selbst sagt dazu leicht melancholisch: „Ich weiß, dass ich nie auf einem Target-Plakat in der Skyline lächeln werde. Ich finde es absurd, dass ich wegen meiner Hautfarbe diskriminiert werde.“

Ross ist in der Bronx als weißer Schwarzer aufgewachsen – Hänseleien und Prügel standen auf der Tagesordnung. Insofern ist es nur konsequent, dass er mit aller Macht auf den Laufsteg strebt. Es ist Ross’ Versuch, das ständige Angestarrt-Werden ins Positive und in ein Geschäft zu verwandeln: „Die Leute fragen mich so viele dumme Sachen, ob ich Sehprobleme habe und so weiter. Ich habe nur keine Pigmente. Ich fühle mich normal.“



Doch während hübsche blasse Jungs auf dem Catwalk nie aus der Mode kommen, dienen Außenseiter lediglich als Attraktion der Saison, werden ein Mal dem Style untergemischt und dann ad acta gelegt. Letztes Jahr war es Beth Ditto plus, da es so gut passte, als Kontrast noch das großmütterliche Blogger-Kind Tavi. Wer jetzt aber denkt, aus Segregation erwachse Solidarität, der hat sich getäuscht. Da nimmt sich Ross nichts mit den „normalen“ Models. Auch er teilt seine (Außenseiter-) Bühne nicht gerne. Einer Strecke, in der das Albino-Model Diandra Forrest und er sich nackt umschlingen, kann er nichts abgewinnen – er sieht sich lieber allein in seiner Rolle als Anti-Held.

Und doch ist Ross ein untypisches Model. Ihn interessieren all die hippen Modelabels nicht, ihm geht es um Style und Identität. Letztere findet er in den Kleidern seiner Mutter, die er sich ausleiht, und in eigenen Kreationen wie einem Rock, der vorher ein Kissenbezug war. Solche Kreationen entstehen in Zeiten, in denen er sich einen Monat lang zu Hause verkriecht, nur noch via YouTube-Videos und Blog-Tagebuch Albinohommes sichtbar wird. Dort schimpft er über die amerikanische Modeszene, über Journalisten, die nichts zu sagen haben, stillose Stylisten und Models, die keine Ahnung von Mode haben. Und genau deswegen kehrt er dem New Yorker Modezirkus nun nach zwei Jahren auch erst einmal den Rücken und zieht nach Europa. Zwar hatte er das beschlossen, um u. a. endlich die Bekanntschaft von Alexander McQueen zu machen, der dann leider Selbstmord beging („Er war der Beste. Aber seiner letzten Kollektion sieht man an, dass es ihm nicht gut ging.“), aber auch sonst glaubt er an Berlin, Mailand und Paris als gelobtes Modeland. Denn dort, da ist sich Shaun Ross sicher, wird sein außergewöhnlicher Look noch als einzigartig, aufregend und anders wahrgenommen. Als Last Season sieht sich das Albinomodel noch lange nicht.

www.albinohommes.blogspot.com

Foto: Jonathan Forsythe




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