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Die »EARrings« von Nadja Buttendorf

Hört, hört: »Speculative Jewelry«

Ob man wohl mit vier Ohren besser hören würde? Wieso haben wir eigentlich nur zwei? Das fragte sich die Schmuck-Künstlerin Nadja Buttendorf und behob diese anatomische Nachlässigkeit kurzerhand auf ihre eigene Weise. Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihren Kreationen gestellt.
Geschrieben am

Interview:
Kira Schneider

Dass Statement-Schmuck fast jedes hinkende Outfit retten kann, ist ja allgemein bekannt: kaum ist die klotzige Tribal-Kette umgelegt, werden T-Shirt und Jeans wie durch Magie zum Blogger-Outfit. Was aber, wenn der Statement-Schmuck gar nicht wie Geschmeide aussieht, sondern wie das Körperteil, an dem man ihn trägt? Wenn anstelle des Attributs »Statement« eigentlich besser »Essay« stehen sollte? Die Berliner Schmuck-Künstlerin Nadja Buttendorf hat Ohrringe erschaffen, die genau das sind, woran sie hängen: Ohren. Echten Ohrmuscheln nachempfundene, aus hautähnlichem Silikon geformte und in sämtlichen Hautfarben erhältliche Ohren.
Was auf den ersten Blick nur skurril oder witzig erscheint, ist eigentlich ein Ausdruck des Posthumanismus. Buttendorfs Schmuckstücken liegt der Diskurs um die Grenzen und Normen des menschlichen Körpers zugrunde. Was wäre, wenn unsere Körper nicht so aussehen würden, wie sie es tun? Wenn wir mehr als nur die zwei Ohren hätten, oder woanders als am Kopf? Außer den »EARrings« hat sie auch den »FINGERring« kreiert: einen Ring mit einem naturgetreuen Silikonfinger dran. Auf ihrer Website schreibt sie dazu: »A ring wearing a finger. Aliens can wear a human-like accessoire. Robots can wear a human-like accessoire to feel a little bit human. And humans can have a 6th finger!«
Die Künstlerin gestaltet also nicht bloß merkwürdigen Designstücke, die Passanten auf der Straße verwirren und erschrecken können oder sollen, sondern sozusagen tragbare Hypothesen ganz im Geiste des berüchtigten »Cyborg Manifesto« der Akademikerin Donna Haraway, die darin ebenfalls Körpergrenzen infrage stellte.  

Wie reagieren die Leute auf der Straße auf dein zweites Paar Ohren?

Die Reaktionen, die ich direkt mitbekomme, sind positiv irritiert. Die negativen Reaktionen sind vielleicht nicht so offensiv.

Wie bist du dazu gekommen, dich mit der menschlichen Erscheinung und Cyborg-Konzepten zu beschäftigen, und schließlich die Ohren-Ohrringe und den Finger-Ring zu machen?

Als Schmuck-Künstlerin sehe ich Schmuck als eine Körpererweiterung. Wir tragen einen Ring, weil wir einen Finger haben; wir tragen eine Kette, weil wir einen Hals haben, und jetzt gibt es eine Ring der einen Finger trägt. Schmuck ist eine Beschreibung des Körpers, aber der Körper ist eine sich ständig verändernde Situation. Mit »Speculative Jewelry« untersuche ich die zeitgenössische Identität und Situation von Körpern, und deren Verhältnis zur Technik. Die Cyborg-Thematik greift alte Fragen, in Abhängigkeit von technologischem und biologischem Fortschritt, neu auf: Den menschlichen Körper nicht als etwas gott- oder naturgegebenes zu betrachten, sondern als etwas, zu dem man Zugriff hat, und das man selbst kreieren und beeinflussen kann. Wenn unsere Körper eine andere Physiognomie hätten, würden wir die Welt auch anders sehen. Wie wäre es wohl, wenn wir noch mehr hören würden?  

Inwieweit geht es bei den zweiten Ohren, aber auch deinen anderen Kreationen um Grenzüberschreitung?

Das Angebot im konventionellen Schmuckbereich ist meistens sehr konservativ, visionslos und langweilig. Das lässt sich auch auf die ganze Schönheitsindustrie erweitern. Aus den allgegenwärtigen Nagelstudios kommen alle mit langen, bunten Fingernägeln heraus. Dabei bietet der Fingernagel viel mehr Potential: Warum nicht kleine Magnete auf dem Nagel befestigen und elektromagnetische Wellen spüren? Oder Mini-SD Karten als Fingernägel, als ein perfektes Offline-Netzwerk. In meiner Arbeit schaffe ich ein Gegenangebot zu den stereotypen Schönheitsvorstellungen.  

Kommen demnächst noch andere K
örperteile hinzu?

Erstmal nicht. Es gibt keinen Grund, bei der Idee zu lange zu verharren.

Weitere Infos zu Nadja Buttendorfs Projekten gibt es auf ihrer Homepage.

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