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Die Mode von »Es«, »Stranger Things« und co.

Aussehen wie die Achtziger

Wer hat die liebevoll umgesetzten Retro-Visuals der Hitserie »Stranger Things« nicht genossen? Das mit Spannung erwartete Stephen-King-Remake »Es« bietet eine ähnliche Zeitreise, und was spricht dagegen, sich der Party einfach anzuschließen? Kira Schneider hat den unverwechselbaren Style der Achtziger-Kids unter die Lupe genommen und stellt die Key Pieces vor.
Geschrieben am
Folgende Faustregel ist erstaunlich treffsicher: Wenn auf der Leinwand eine Handvoll Kinder ihre Fahrräder ungeniert auf den Asphalt einer malerischen Straße in den amerikanischen Suburbs fallen lassen, um sich irgendetwas Suspektes näher anzusehen oder miteinander zu streiten, dann blicken wir mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die 1980er Jahren. Allerdings sind es mittlerweile nicht nur die alten Spielberg-Perlen und King-Verfilmungen der VHS-Zeit wie »E.T.« oder »Stand By Me«, die wir uns reinziehen können, während es draußen regnet. Jetzt, da die »Dungeons And Dragons«-Meister von damals Drehbuchautoren und Regisseure geworden sind, steht uns einiges an neuen, auf der Nostalgie-Welle surfenden Filme und Serien zur Auswahl. Seit vielen Jahren schnüffeln die Macher in Hollywood in den Archiven herum, um sich ihr nächstes Reboot- oder Remake-Opfer zu suchen, aber während Filme wie »Ghostbusters« oder »Blade Runner« sich lediglich thematisch an ihre in den Achtzigern erschienenen Vorgänger schmiegen, hüpfen etwa »Stranger Things« oder das Remake von »Es« frohen Mutes in die Zeitmaschine, um einen wahren Throwback zu zelebrieren.

Unsere Lieblingsformel geht dabei ungefähr so: zwei oder mehrere zwölfjährige Außenseiter entdecken, dass in ihrem sonst so verschlafenen Städtchen etwas passiert, das nicht ganz koscher ist. Während aber im echten Leben die Regel gilt, dass man Alien-Invasionen, Leichenfunde, Regierungsverschwörungen und paranormale Dämonenheimsuchungen lieber zuständigen Behörden überlassen sollte, ist es für jedes Kind in den Achtzigern Ehrensache, sich aufs Rad zu schwingen und im Wald selbst auf Spurensuche zu gehen. Keine Frage also, dass mancher von uns damals ebenso mit viel Enthusiasmus, die Kapuze ins Gesicht gezogen und sein Mountainbike zwischen Bäumen herum manövriert hat, dabei aber leider weder Aliens fand, noch Verschwörungen aufdecken konnte. Diese unerfüllte Kindheitsfantasie scheint dafür zu sorgen, dass wir unsere Nasen begeistert in jeden Achtziger-Mystery-Happen stecken, den die Filmindustrie uns anbietet.  

Das Nostalgie-Konzept der Filmemacher ist allerdings ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist die Interessentenquote wahnsinnig hoch, weil sich das wohlige Gefühl der Sehnsucht bei vielen weniger auf die Dekade selbst bezieht, als darauf, dass quasi jeder früher »Die Goonies« oder »E.T.« geschaut hat und auch die Kinder der 90er garantiert auf den Zug aufspringen werden. Andererseits will um Gottes Willen niemand daran erinnert werden, dass Dauerwellen mit hochgeföhnten und zu Tode gehaarsprayten Ponys mal der heißeste Scheiß waren, und dazu große, grelle Plastikohrringe. Und neonfarbene Stulpen, Hemden mit grafischen Dreiecksmustern und Schulterpolster. Erinnert ihr euch an die junge Sarah Jessica Parker in »Der Flug des Navigators«? Oder Josh Brolins kuriose Shorts-über-der-Jogginghose-Kombi in »Die Goonies«?
Dagegen sehen die Styles des »Stranger Things«-Traumpaars Nancy Wheeler und Steve Harrington reichlich blass aus, was hier nur als Kompliment gemeint sein kann. Die rosarote Brille, durch die man gern in vergangene Zeiten zurückblickt, kaschiert schließlich neben vielen Dingen auch das ein oder andere Fashion-Gräuel. Was könnte man denn trotzdem passendes zur Kinovorstellung des neuen Stephen-King-Streifens tragen und wo findet man die goldene Mitte zwischen damals und heute? Wir haben die Gruselpartie mit dem »Es«-Remake schon hinter uns und wagen davon inspiriert eine kinematografische Feldstudie. Hier kommen die modischen Highlights.  

Die Haarpracht

Fangen wir oben an. Da auf das Erwähnen von Frisuren und den Achtzigern in einem Satz meist kollektives Schaudern folgt, halten die heutigen Filmemacher es mit den Locken eher lowkey, zumindest bei den Mädchen. Nancy trägt ihr Schulmädchen-Haar bis auf ein paar hochgesteckte Schwurbel ganz natürlich, und auch die rothaarigen Bubiköpfe von Nancys Freundin Barb und Beverly aus »Es« würden heute niemandem als krasser Anachronismus auffallen. Die Jungs wurden da schon kräftiger an ihre filmischen Vorgänger angepasst: Sowohl die alten als auch die neuen Filme bieten eine wahre Parade an Variationen des klassischen Pottschnitts, wenn die Haarpracht des betreffenden Bubs denn glatt genug ist, wahlweise mit oder ohne Scheitel. Nur der fiese Bully Henry Bowers, der in »Es« schließlich Pennywise zum Opfer fällt, wird mit einem waschechten Vokuhila gestraft, und Steve Harrington braucht wenigstens eine halbherzige Tolle, um sich als Achtziger-Traumjunge zu erkennen zu geben. Vom Friseurbesuch zwecks Dauerwelle rät die Redaktion also ab, aber es lohnt sich, ein paar Lockenwickler parat zu halten.

Streifen über alles

Die unumstrittenen Gewinner in der Kategorie Oberbekleidung sind in Filmen aus den Achtzigern und ihren Remake-Geschwistern gestreifte Polo-Shirts mit weißem Kragen. Ob coole Kids oder die Loser, das Polo ist euer Go-To-Element für einen adäquaten Look. Querstreifen, je schmaler desto besser, sind bei allen Filmkids überhaupt das Ding schlechthin. Eine kleine Beobachtung am Rande: die immense Hässlichkeit etwaiger rot-braun-grün-orange-gestreifter Exemplare der alten Filme wurde für das neue Publikum von rücksichtsvollen Kostümbildnern durch weniger aggressive Farbgebung etwas kaschiert - an dieser Stelle ein großes Danke. Auch Richie Toziers Hawaii-Hemd kommt im neuen »Es«-Remake, im Gegensatz zu »Stand By Me«’s Teddy Duchamps 1986er Paradiesvogel-Exemplar, im lässigen Zweifarben-Schema. Wer keine Lust auf Muster hat, kann sich auch ein gutes altes Baseball-Shirt wie Lucas aus »Stranger Things« besorgen - die Dinger sind eh wieder total in. Bill Denbrough, der um seinen vom Clown gefressenen Bruder Georgie trauert, besitzt es gleich in mehreren Farbvarianten. Und wenn euch das zu viel Aufwand ist: Hose hochziehen, Gürtel rein und das T-Shirt in den Bund stecken, fertig ist euer 80s-Look.

True Blue Jeans

Was Jeans angeht, sind momentan weder die alten noch die neuen Achtziger-Filme sonderlich erschreckend, da ja helle Mom-Jeans und sogar Acid-Wash wieder ein Revival feiern. Wenn man aber ganz ehrlich ist, dann schummeln die heutigen vermeintlichen Retro-Jeans mit ihrem ständigen Slim-Fit ein bisschen: in den Achtzigern war nix mit Slim-Fit, da hatte dein Hosenbein gerade zu sein, oder karottenförmig. Hauptsache ein bisschen verbeult. So tragen es die Jungs aus »Stand By Me«, so tragen es Mike Wheeler und seine Freunde. Die einzigen Menschen mit Skinny Jeans scheinen im Reich der Remakes die »Es«-Schulhofbullys zu sein, insbesondere der fliegenmordende Patrick Hockstetter. Der Spielraum ist also da. Zieht einfach eure normale Jeans an und kümmert euch gewissenhaft um den Rest des Outfits, fällt schon keinem auf, dass sie nicht Vintage ist.

Beiger Cord

Die Show stehlen kann den Jeans in den 80ern nur die gute alte Cordhose: gerader Schnitt, bestimmt tausend Flusen und Altenheim-Beige als Trend-Farbe, in den neuen Filmen wahlweise auch schwarz. Wir gucken euch an, Nancy Wheeler und Joyce Byers! Gerade in den »Stranger Things«-Outfits wurde Cordstoff wie nostalgischer Raumduft großzügig versprenkelt: Nancy trägt neben der schwarzen Hose auch gerne eine weinrote Cordjacke mit Teddyfell, Joyce Byers – die vor Kummer völlig aufgelöste Figur der Winona Ryder – gar einen grob geschnittenen, beigen Cordmantel und ihr Sohn Jonathan kombiniert das Beste aus der Dekade in einem Kleidungsstück: eine Jeansjacke mit Teddyfell und Cordkragen. Macht ihm das erstmal nach.

Tennissocken und weiße Turnschuhe

Das passende Schuhwerk für euren 80s-Look zu finden, dürfe das Leichteste am ganzen Unterfangen sein: auf der Leinwand damals wie heute dominieren Chucks, Keds und weiße Sneaker jedweden Sportartikelherstellers. Da Retro-Silhouetten bei Marken wie Nike und Reebok derzeit ein Comeback feiern, ist die Auswahl gigantisch. Einen Haken gibt es aber: die akkuraten Sneakersöckchen müsst ihr im Schrank lassen. Ein wahres Achtziger-Kind trägt ausschließlich dicke, weiße Tennissocken mit Streifen. Keine Ausreden.

Die Oma-Brille

Diese Brille habt ihr auch ohne Beschreibung alle vor Augen: riesige Gläser, halbdurchsichtiges, braun-getöntes Gestell. Barb hat sie, Nancys Vater hat sie, Davids Bruder Jeff aus »Der Flug des Navigators« hat sie, Richie Tozier hatte sie 1986, und auch 2017 ist sie immer noch bei ihm. Da die sehschwachen Fashionistas dieser Welt beschlossen haben, sie wieder cool zu machen, gibt es in den Brillenshops aktuell viel Auswahl, greift also zu und zeigt Solidarität mit Barb. #barbdeservedbetter

Klötzchen-Technik

Für ein Achtziger-Outfit comme il faut gehören sämtliche Smartphones weggelegt, denn schlank und elegant hat die Technik nicht auszusehen - je klotziger, desto besser. Der Zeitpunkt ist da, in den Keller zu schleichen und etwaige Walkie-Talkies, und vielleicht sogar einen funktionierenden Sony Walkman zu orten. Damit könnt ihr dann auf dem Weg ins Kino gepflegt New Kids On The Block oder Toto auf Kassette hören. Wer ohne Beute aus dem Keller wieder hochkommt, muss nicht verzagen: da die Welt in den letzten Jahren einiges an Wiedersehensparties mit Trend-Items aus den 80ern gefeiert hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass an eurem Handgelenk eine digitale Casio-Uhr baumelt - die war zu den Zeiten »E.T.«-Elliots und der Goonies der letzte Schrei. Insbesondere die Taschenrechner-Version war bei den kleinen Jungs beliebt. Wieso? Damit kann man »80085« schreiben.

Laborkind-Chic

Ein kleiner Bonus für alle, die ein Kostüm für Halloween suchen oder zum Schlafen gern ihr inneres Versuchskaninchen rauslassen würden: Kinder, die in Achtziger-Filmen von fiesen Wissenschaftlern gebeutelt werden, tragen alle das gleiche Krankenhausleibchen. Ein paar Wattebäusche und Drähte auf den Kopf, und voilà.

Pias UK/invada Records (rough trade)

Stranger Things Season 1,Vol.1 (OST)

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