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Mit Carsten Schumacher

Ziegenblut & Mötöröl #251

Bist du gerade nackt? Manchmal hilft das, diese Kolumne zu lesen. Hemmung, wie der Name schon sagt, hemmt nur. Wir lassen lieber alles raus. Oder rein, je nachdem.
Geschrieben am
Ich tanze gerade um einen heiligen Baum und trage einen Büffelkopf. Das alles ist nur passiert, weil ich einer von mir gleichsam wie den Baum verehrten französischen Band auf die Spur kommen möchte. Aluk Todolo sind ein Trio zwischen Okkult, Psychedelic, Kraut und Noise und gehen mit »Archives Vol. 1« (Temple Of Torturous) zurück zu ihren Ursprüngen. Und wenn man weiß, dass Aluk-To-Dolo eigentlich die Religion des Toraja-Volkes im Süden Indonesiens ist, suche ich die Verbindung zu diesem archaischen Ritus. Und siehe da: Die Musik eignet sich hervorragend! Es sind rohe Mitschnitte, teilweise experimentell, manchmal auch alternativ zu existierenden Aufnahmen. Und selbstverständlich sollte man Fan und sich bei Bedarf auch für einen Büffelkopf nicht zu schade sein.

Aluk Todolo

Archives, Vol. 1

Release: 24.03.2017

℗ 2017 ToT Records

Legen wir das müffelnde Ding mal beiseite. Was sollen Pallbearer denken? Die haben mit »Heartless« (Nuclear Blast) nun den Nachfolger zum gefeierten »Foundations Of Burden« veröffentlicht und die doomigen Riffs dabei komplett analogisiert. Als hätte man sich bei der Betrachtung eines Monumentes auf eine Parkbank gesetzt, deren Killer-Feature es ist, die (bekanntlich elastische) Zeit extrem zu dehnen. Und dabei wäre man noch cozy in Decken gewickelt worden, wie man sie aus »Unsere kleine Farm« kennt. Es ist ja bekannt, dass die Band aus Arkansas betont analog aufnehmen wollte. Aber dass es am Ende wirkt, als hätte Grizzly Adams, der Mann aus den Bergen, höchstpersönlich ein Studio aufgemacht und seinen Bären Ben ans Mischpult gesetzt, haut selbst den stärksten Trapper vom Muli.

Pallbearer

Heartless

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Nuclear Blast Entertainment

Und wie auf Stichwort fällt mir ein, dass ja auch noch Steel Panther kommen, um mit »Lower The Bar« (Kobalt) ihr Niveau erneut zu senken – von der Innenseite des bandeigenen Wertesystems betrachtet! Natürlich handelt es sich bei dem längsten Hair-Metal-Witz der Welt um ein Retro-Phänomen, das die Reize des Subgenres besser auf den Punkt bringt als alle Originale. Trotzdem enttäuscht die Band diesmal, denn wo beim Vorgänger noch unbestreitbare Hits wie »Gangbang At The Old Folks Home« oder »Bukakke Tears« zu finden waren, für die Poison oder Mr. Big sich die Köpfe rasiert hätten, häuft sich diesmal die Enttäuschung. Bei »That’s When You Came In« cruist man noch durch goldene Zeiten, das war’s dann aber auch.

Steel Panther

Lower the Bar

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Steel Panther, Inc

Was für eine Überraschung ist dagegen die neue Body Count! »Bloodlust« (Century Media) ist das beste Album der Band seit »Born Dead«, und die ist 23 Jahre alt. Die aktuelle Lage und der Alltagsrassismus in den USA sind anscheinend Kerosin im Tank von Ice-T und Ernie C., das zeigen allein Titel wie »No Lives Matter« oder »Black Hoodie«. »Bloodlust« birst vor Energie, Dave Mustaine und Max Cavalera flankieren mit Gastauftritten. Ungefähr in der Mitte erklärt der Meister dann den musikalischen Stammbaum der Band, bevor Body Count tatsächlich Slayers »Raining Blood« covern, was absolut nicht verzweifelt, sondern als echte Verehrung rüberkommt.

Body Count

Bloodlust

Release: 31.03.2017

℗ 2017 The Century Family Inc.

Rüber nach England: Brutality Will Prevail pflegen auf »In Dark Places« (Holy Roar) wieder den ungehobelten, metallischen und dunklen Hardcore mit Sludge-Touch, für den sie bekannt sind. Drummer Mophead ist wieder zurück, was laut Band dieses Brecheisen von Album zur Güte hat reifen lassen.

Brutality Will Prevail

In Dark Places

Release: 24.03.2017

℗ 2016 Holy Roar Records

Nun aber fix nach Hamburg zu Mantar. »The Spell« (Nuclear Blast) ist eine EP mit drei Songs, von denen zwei vom Tisch gefallen sind, als die Songs für »Ode To The Flame« ausgesucht wurden und die beiden Musiker sich einig waren, dass zu lange Platten scheiße sind. Dazu gesellt sich der Titelsong, der zu den ersten Nummern gehörte, die das Duo überhaupt erjammt hatte. Instrumental existiert die Aufnahme schon seit den 2013er-Debüt-Sessions, nun wurde sie neben Hannos Gesang noch von Bölzer-Frontmann Okoi Jones als Gast ergänzt. Alles in allem sehr empfehlenswert, wenngleich man sich sitzen gelassen fühlt, wenn nach nur drei Nummern schon wieder alles verraucht ist.

Mantar

The Spell

Release: 31.03.2017

℗ 2017 Nuclear Blast

Mit weniger Furor und Räudigkeit, dafür mit fast verwirrender Komplexität und einer beachtlich feisten Verzerrung der Gitarren wartet die britische Instrumental-Metal-Band Telepathy auf. »Tempest« (Golden Antenna) klingt aufgeräumter als das Debüt, bietet jede Menge Post-Metal-Dynamik und ist ein Leckerbissen für alle, die auf ein fettes, raumgreifendes und mächtiges Klangbild stehen. Das Ding ist so breit, dass es beinahe nicht durch die Tür passt. Fast möchte man der Band raten, sie möge sich doch etwas mehr Zeit mit den Ideen lassen. Nur sieht man sich als Instrumental-Band immer unnötig unter Zwang gesetzt, wenn man sich nicht etwas runterdimmt. Aber das ist wahrscheinlich fortwährender Teil der Versuchsreihe. Eine erstaunliche Platte.

Telepathy

Tempest

Release: 31.03.2017

℗ 2017 Golden Antenna

Und wie aufs Stichwort schließt sich der Kreis mit Zu. »Jhator« (House Of Mythology) lädt wieder dazu ein, den Büffelkopf aufzusetzen, denn die Band suchte sich alte tibetanische Begräbnisriten als Ausgangspunkt für die Arbeiten am neuen Album und traf dabei die Philosophie des Labels, das Visionäre zu versammeln sucht. Das Album arbeitet sich instrumental voran, als hätte man eine Sonde ins Unbekannte geschickt. Es durchläuft verschiedene Stadien und macht sich gar nicht erst die Mühe, diesen Prozess auch noch in Songs zu unterteilen. Es gibt zwei Tracks, einen für jede Vinylseite, und das reicht. Das Avantgarde-Trio aus Rom beweist dabei Mut zur Geduld mit dem eigenen Sound und saugt seine Hörer ein – bis aufs letzte Büffelhaar.

House Of Mythology (Soulfood)

Jhator

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