×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

»17«

XXXTentacion

Man könnte psychologische Abhandlungen über ihn mit Videos seiner spektakulärsten Live-Shows und Gewaltausbrüchen stützen. Nur würde man damit XXXTentacion nicht gerecht. Der 19-jährige Rapper und Sänger aus South Florida überschreitet nicht nur mit seinem Verhalten regelmäßig Grenzen. Allen Schlagzeilen zum Trotz ist sein Debüt schon jetzt eines der spannendsten HipHop-Alben des Jahres.
Geschrieben am
Freiheitsberaubung, Zeugenmanipulation, gefährliche Körperverletzung, Misshandlung einer vermeintlich schwangeren Frau: Normalerweise sind das verdammt gute Gründe, einen Künstler für immer und ewig zu boykottieren. Im Fall von XXXTentacion alias Jahseh Dwayne Onfroy fällt das nur extrem schwer. Schließlich wurde der 19-Jährige nicht nur von einigen seiner Vergehen freigesprochen oder hat sie vorbildlich abgesessen – er ist zudem auch eine extrem unwirkliche Erscheinung, dessen Talent weder ins Gefängnis noch in eine Schublade gehört. Denn die Songs des Underdogs haben das Potenzial, nicht nur im Netz gefeierte Hymnen zu werden, wie über 400 Millionen Soundcloud-Aufrufe zeigen. 

Sein erstes Lied »Vice City« unter seinem Künstlernamen XXXTentacion veröffentlichte Onfroy 2014 auf Soundcloud. Gemeinsam mit Ski Mask The Slump God folgten bald darauf zwei Alben ihrer »Members Only«-Kollaboration. Während XXXTentacion die Zeit von Juli 2016 bis zum März 2017 größtenteils im Gefängnis verbrachte, bekam sein Trap-Überhit »Look at me!« via Soundcloud weltweite Aufmerksamkeit und stieg kurzerhand auf Platz 34 in den US-Charts und in die Top 40 der Canadian Hot 100 ein – zum Missfallen von Drake, der mit X schon jetzt eine Rap-Fehde am laufen hat.

Wieso Onfroy lieber als Künstler statt als Rapper bezeichnet wird, zeigt jedoch keines seiner Alben so gut wie seine aktuelle LP: »17 – A collection of nightmares, thoughts and real life situations I lived. By listening to this album you’re literally entering my mind. And if you’re not willing to accept my emotion and hear my words fully, do not listen. Here is my pain and thoughts put into words«. Wer die Einladung, Teil von XXXTentacions Innenwelt zu werden, ablehnt, ist selbst schuld. Denn was sich auf diesem Album als Musik ausdehnt, ist das Zeugnis kranker, filterloser Gedanken, die manisch und zutiefst ehrlich niemanden unberührt lassen. Während sein größter Hit »Look At Me« eine aggressive, übersteuerte Dampfwalze und auf dem Album nicht enthalten ist, beglückt X mit minimalistischem Emo-Songwriting und Songs wie »Depression & Obsession«: Eine roh gezupfte Akustikgitarre, lyrisches Selbstmitleid und Selbstzerstörung lassen einen die 1990er mit echter Grunge- und Punk-Attitüde auferleben. 

Das interessante: Isolation und Einsamkeit sind auch Onfroys ständige Begleiter. Von seiner Kindheit an, in der er von einer Familie zur nächsten durchgereicht wird, fällt es ihm schwer, einen Bezug zu seinen Mitmenschen herzustellen, wie er in seinem Song »Save Me« deutlich macht: »Hello, from the dark side in. Does anybody here wanna be my friend? Want it all to end. Tell me when the fuck is it all gon’ end?« Sein sensibles Wesen, das er in den letzten Jahren durch Beleidigungs- und Zerstörungsaktionen in das Gewand einer coolen Künstlerpersönlichkeit steckte, findet den Ausdruck über die Musik. Vom gefühlvollen Songwriter bis zum selbstzerstörerischen Junkie – XXXTentacion kennt offensichtlich keine Filter, aber dafür die ganze emotionale Palette, was ihn in Zukunft nicht nur für Emos, Teenies oder die Boulevard-Presse interessant machen dürfte.

XXXTENTACION

17

Release: 25.08.2017

℗ 2017 Bad Vibes Forever / EMPIRE

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr