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»The Saga Continues«

Wu-Tang Clan

Würde der Clan heute erst erfunden, wäre dies sein würdiges Basismanifest. Ein Traum aus der klassischen Eastcoast-Meisterschule.
Geschrieben am
Wer angesichts des comichaften Covers spöttisch ausruft, dies sei ja wohl »voll Neunziger«, dem sei entgegnet: »Genau, und wie!« Es ist alles da. Die lässigen, trockenen, abgehangenen Basslinien. Die dezenten, warmen Bläser. Die Samples aus zig Jahrzehnten HipHop, Funk und Soul. Die meist schlichten, effektiven und knusprigen Beats, die so gar nichts mit den Trends der Neuzeit zu tun haben. Die Shaolin-Sprachschnipsel und alten Einspieler aus der Filmgeschichte. Das reine, unverfälschte, zutiefst atmosphärische Eastcoast-Gefühl, das einen besonders in den erzählerisch angelegten Stücken noch mal nachschauen lässt, ob man nicht doch aus Versehen ein Album von Nas aufgelegt hat.

Vor allem aber: der traumwandlerische Staffellauf, bei dem sich RZA, Method Man, Raekwon, Ghostface Killah, Inspektah Deck, Masta Killa, Redman und weitere Genossen gegenseitig das Mic in die Hand geben, häufig verknüpft durch eine Hookline, die an das Group-Shout-Gefühl von Bands aus dem New York Hardcore erinnert – auch so ein Relikt der 1990er. Wenn die Clan-Mitglieder nicht gerade Short Stories von der Straße erzählen, reihen sie Halbreime und Wortspiele so spielfreudig aneinander, als sei das Rap-Game gerade erst erfunden worden. Fans des Genres legen sie Ostereier ins Nest, die auf Westcoast-Klassiker von Dr. Dre oder die Lebensleistung von Public Enemy anspielen. Im Skit »Family« lassen sie eine Afroamerikanerin darüber lästern, wie perfide der Feminismus die Frauen hinters Licht geführt habe, indem er ihnen einredete, sie seien ohne ihre Männer als alleinerziehende Mütter besser dran. Stattdessen brauche man »the coalition of a man and a woman«, um vor allem die verlorenen Söhne gut großzuziehen. Die feindliche Haltung gegenüber den Vätern sei in Wahrheit bloß subtiler Rassismus, der unterstelle, dass der schwarze Mann grundsätzlich schlecht sei. Danach folgt mit »Why Why Why« ein starkes »Black Lives Matter«-Manifest über die Schussfreudigkeit des weißen Staates, an der sich auch 2017 nichts geändert habe. Eine Platte im Heute, die zeigt, welche Qualität das Gestern im HipHop zu bieten hatte.

Wu-Tang

The Saga Continues

Release: 13.10.2017

℗ 2017 36 Chambers, LLC & Entertainment One U.S., LP

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