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William Fitzsimmons

Wie Psycho ist eigentlich ...

Sein grotesk langer Bart ist ein Hingucker, der nicht nur die US-Luftsicherheit in Aufregung versetzt.
Geschrieben am

Seine Songs über die Tiefe der menschlichen Seele sind zugleich Balsam und Belastung für die Seele der Hörer. Und auch William Fitzsimmons selbst fühlt sich manchmal uneins im eigenen Körper. Man kann die Diskografie des hageren Songwriters aus Illinois als Selbsttherapie betrachten: Sein erstes Album handelte von seinen Kindheitsängsten, das zweite von der Scheidung der Eltern und das dritte, sein Durchbruchswerk »The Sparrow And The Crow«, hatte Fitzsimmons eigene Scheidung als einziges Thema. »Bei ‘The Sparrow’ wollte ich, dass jeder, der das Album hört, sich wie ein Stück Scheiße fühlt. Klingt verrückt, aber so war es.

Jetzt hatte ich das genaue Gegenteil vor: Mit »Gold In The Shadow« wollte ich etwas Trostspendendes erreichen. Es sollte wie ein Balsam sein.« Auf dem Albumcover präsentiert er sich mit geschorenem Kopf, der Markenzeichen-Bart durfte aber bleiben. Ein Look, der angeblich des Öfteren zu Startverzögerungen führt, wenn Fitzsimmons ein Flugzeug besteigt. War on terror halt. Auf mich wirkt der Mann, der zusätzlich noch eine altmodische Brille mit dickem schwarzen Rand trägt, eher wie ein Bilderbuchwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert.

Ein nervöses Zucken am linken Auge rundet dabei das Bild des leicht verschrobenen Gelehrten ab. Einziger Kontrast: eine große Tätowierung auf dem rechten Unterarm, die einen Song von Snow Patrol zitiert: »Your words in my memory are like music to me.« Fitzsimmons hat früher als Psychotherapeut gearbeitet. Was nichts anderes heißt, als dass man ihn in seiner Praxis besuchen und mit ihm über Probleme reden konnte. Bis der Mann merkte, dass er selbst zu viele davon hatte, um anderen noch helfen zu können.



Da er von Haus aus schon mit einer Vielzahl von Instrumenten vertraut war (sein blinder Vater baute in Heimarbeit sogar eine Kirchenorgel), entschied er sich für eine Karriere als Musiker. Glücklicherweise, denn sein elektronisch angetupfter Folk ist tatsächlich von wohltuender Anmut und Sanftheit und hat den Suchtfaktor eines Antidepressionsmittels. Da passt es, dass seine Musik schon in der Krankenhausserie »Grey’s Anatomy« lief. Bei den Texten für »Gold In The Shadow« ließ er sich diesmal von einem Buch mit dem geil unheimlichen Titel »Diagnostic And Statistic Manual Of Mental Disorder« inspirieren.

»Die Bibel der Psychologie«, erläutert der höfliche Mann, der sich bei mir sogar fürs Fluchen entschuldigt. »Es ist im Grunde genommen eine Liste aller bekannten Geisteskrankheiten. Man kann dort Symptome nachschlagen und dadurch besser feststellen, worunter jemand leidet. «So geht es im Song »Beautiful Girl« um Anorexie, einer Krankheit, mit der auch Fitzsimmons selbst zu kämpfen hatte. »Prinzipiell ist Anorexie eine der am leichtesten zu heilenden Krankheiten«, sagt er lächelnd - man muss nur etwas essen.

»Aber das zu erreichen ist natürlich das Schwerste überhaupt. In dem Song versichere ich der Person, dass sie wieder gesund wird. Das wirkt vielleicht etwas aufgesetzt, aber das ist die Intention dieses Albums.«

William Fitzsimmons »Gold In The Shadow«(Grönland / Rough Trade / Vö: 25.03.)

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