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Jonnie Schulz

Wer zum Teufel ist eigentlich...

Vor 13 Jahren gründete Jonnie Schulz in Hamburg St. Pauli mit drei Freunden aus der links-alternativen Szene die Butch Meier Band. Sie spielten Country & Western, die seinerzeit uncoolste Musik der Welt. Nun hat Schulz einen sehr lustigen Roman über die Misserfolgskarriere jener Band geschrieben. Die Story von vier Freunden und der Frage, wie weit man eine Schnapsidee treiben kann, wenn man nur ganz fest an sie glaubt.
Geschrieben am

Ihre Bühnenshows waren zerstörerisch, das Outfit peinlich, die Klappe groß und die Musik meist Coverversionen bekannter Punk- und Poplieder im Countrygewand. Das klingt eigentlich wie die idealen Voraussetzungen, um sich in den spaßverliebten Nullerjahren schnell zur ironischen Kultband hochzuspielen. Dennoch dümpelte die Butch Meier Band acht Jahre lang lediglich als Geheimtipp im Hamburger Underground rum. Stets deplatziert, in Westernkneipen genauso wie in besetzen Häusern. Schulz erinnert sich: »Wir waren total unprofessionell und hatten darüber hinaus auch keinen Bock, uns mit Marketingstrategien zu beschäftigen. Wir machten alles selbst, hatten keine Plattenfirma oder Booking-Agentur. Wir pressten Singles und verkauften sie auf Konzerten. Dazu gab es Merchandise wie Bohnen in der Dose, Schnaps und Haargel.«

 


Zwischen rührender Naivität und nicht unsympathischem Größenwahn werkelten die Typen um Türsteher und Ex-Metzger Butch Meier Kapitel für Kapitel an ihrer liebevoll kaputten Version einer Countryband, welche verstören, das Publikum aber dennoch mitreißen sollte. Auch das eigene Scheitern wurde schnell Teil des Bandkonzepts: »Wir haben uns bei jedem Konzert hemmungslos selbst beweihräuchert und die ganz große Show gerissen. Big City Nights. Wenn dann nur zehn Gäste vor der Bühne stehen, hat das einen viel geileren Effekt, als wenn du im ausverkauften Stadion spielst. Du machst dein Scheitern nämlich nicht nur sichtbar, du schleuderst es den Leuten ins Gesicht.«

Größter Fan der Band bleibt Jonnies Oma Hilde, die sich freut, dass ihr musikalischer Enkel mal etwas anderes als »Hartchor« macht. Schulz beschreibt die holprige Geschichte der Band in seinem Buch anhand vieler Auftritte vom kompletten Flop bis hin zur ganz großen Bühnengala mit Grill und der legendären »Senfkanone« in einem fast kindlichen, staunenden Tonfall. Der steht dem Buch gut, denn es ist kein arroganter Witz auf Kosten seiner Figuren und ihrer idiotischen Ideen. Viel eher die halbauthentische Dokumentation einer Lebensphase Anfang bis Mitte 20 im Mikrokosmos Bandfreundschaft. Mit so intensiven Erfahrungen, wie man sie eben nur einmal im Leben macht.
 

 

– Jonnie Schulz »Kein Zutritt für Hinterwäldler – Die Geschichte der Butch Meier Band« (Ventil / Audiolith / VÖ 10/13)

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