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»Niente«

Wanda

Zwei Alben lang war bei Wanda alles tutti, es wurde in vollen Zügen geliebt und gelebt. Mit »Niente« folgt nun der Backlash. Doch geben die Wiener dadurch ihren Zauber für fade Nüchternheit auf, oder werden sie erst so zu einer vollwertigen Rock’n’Roll-Größe, die mehr als nur ein Lied zu singen hat?
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Man wusste es von Beginn an: Ewig geht das nicht gut. Seit ihrem Debüt 2014, mit dem die Österreicher Wanda die deutschsprachige Popwelt im Handstreich eroberten, war klar: Dieser Stern glüht so hell und gleißend, der wird auch in absehbarer Zeit verglühen. »Columbo« fällt halt nicht immer etwas ein. »Niente« ist das dritte Album der fünf Jungs, und es ist mindestens der Anfang vom Ende. »Immer leichter wird es schwer«, singt Marco Michael Wanda und hat recht. Ich würde Wanda immer noch gegenüber sämtlichen Deutsch-Poppunk-irgendwas-Bands mit sloganhaft-beliebigen Konsenstexten und tausendfach durchexerzierter korrekter Attitüde bis aufs Wiener Taschenmesser verteidigen: Rock’n’Roll ging eine gar nicht mal so kurze Weile lang genau so, wie Wanda das machten. Aber der selbstreferenzielle Drahtseilakt zwischen augenzwinkerndem Sexismus und dem Mut zur Peinlichkeit sowie drogeninduziert akzeptablem Hedonismus mit naiv-cleverer Poetik war und ist eben genau das: ein Drahtseilakt. Und 2017 stürzen sie ab. Klar, die Gitarre beim Opener »Weiter, weiter« ist waschecht Wanda. Aber das allermeiste klingt schlicht wie eine gewollte, aber nicht gekonnte Kopie ihres Schaffens. Überhits wie das im besten Sinne nicht tot zu hörende »Amore«, tolle Textzeilen wie »Weil du weiße Zähne hast, obwohl du ständig rauchst, ist der Thomas in dich verliebt und ich auch« und die mit ekstatisch nur unzureichend beschriebenen Live-Auftritte werden die Popzeiten überdauern. »Niente« aber nicht. 

Christian Steigels

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Dass der Kollege Steigels hier einen Abgesang auf Wanda anstimmt und die Wiener nach ihrem dritten Album ad acta legen will, ist überhaupt nicht notwendig. Denn »Niente« ist eben nicht das monotone Runterrocken eines zu Tode erzählten Witzes, sondern seine konsequente, notwendige musikalische und perspektivische Weiterentwicklung. Während der Vorgänger »Bussi« noch von der Stahlkraft des Klassikerdebüts zehrte und wenig Neues einbrachte, agiert die Gruppe nun anders: Wanda zeigen sich das erste Mal deutlich angeschlagen, auch bei ihnen wird alles schwerer. »Columbo« kann auch nicht weiterhelfen, und Marco Michael Wanda gibt nicht mehr den Gockel, sondern sehnt sich nach dem heimeligen Schutz der Kindheit zurück. Vormals war alles »Easy Baby«, jetzt wird am Ende der LP sogar gestorben. Die dunkle Seite der Dekadenz hat Besitz von Wanda ergriffen. Musikalisch geht es bisweilen fragmentarischer und offener zu. Die Gitarren klingen melodiöser, erinnern ein ums andere Mal an The Cure statt an Pub-Rock-Seligkeit. Im vorletzten Stück »Ein letztes Wienerlied« kippt Sänger Marco vor lauter Verzweiflung fast vom Stuhl, geht flehend in einem Meer aus Streichern unter. In der Summe ist »Niente« eine zutiefst hingebungsvolle und romantische Platte, die verletzlicher, direkter und abwechslungsreicher als ihre beiden Vorgänger geworden ist, ohne dass die Band dabei in Wehleidigkeit verfallen würde. Oasis hatten am selben Ausgangspunkt »Be Here Now« und wurden zur Karikatur ihrer selbst, Wanda hingegen haben sich durch diese mutige Platte von jeglichen Zwängen befreit.

Kai Wichelmann

Wanda

Niente

Release: 06.10.2017

℗ 2017 WANDAMUSIK OG, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH

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