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Angst, die blöde Sau

Von Brücken im Gespräch

Nicholas Müller singt wieder. Keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass er im Frühjahr 2014 seinen Dienst als Frontmann von Jupiter Jones quittierte, weil er unter akuten Angststörungen litt. Das neue Projekt von ihm und Tobi Schmitz heißt nun Von Brücken und fühlt sich an wie eine richtige Band. Annett Bonkowski fragte nach, wie es zu dem doch recht fixen Comeback gekommen sei.
Geschrieben am
Mit welchen Gefühlen blickt ihr auf diesen Neuanfang?
Nicholas Müller: Ich kann sagen, es ist das Natürlichste, was ich in den letzten zehn Jahren gemacht habe. Der Weg davor war aber extrem hart. Es war sehr schwer für mich, bei Jupiter Jones auszusteigen. Ich musste gesund werden, und das war kein Pappenstil. Ich habe bei alldem oft mit mir gehadert, aber seitdem Von Brücken draufsteht, ist es okay. Man muss nicht immer der leidende Künstler sein. In meinem Fall war es vermutlich jahrelang ein Teil des Problems. Ich dachte, wenn ich jetzt aufhöre, dann kommt vielleicht kein Output mehr. Es funktioniert aber trotzdem. 

Inwiefern hat die Krankheit nicht nur deine Wahrnehmung als Person, sondern auch als Künstler geprägt?

NM: Meine Krankheit hat mich natürlich sowohl auf persönlicher als auch auf künstlerischer Ebene beeinflusst. Als Texter bin ich einer aus der großen deutschen Schule der Empfindlichkeitstexter. Ich schreibe sehr viel über Zwischenmenschliches und über Introspektives. Dabei ist der Umgang mit der Krankheit ein ganz wichtiger. Ich muss aber darauf achten, dass ich nicht anfange, mich in eine Art Sumpf hineinzuschreiben. Womit wir wieder beim leidenden Künstler wären. Das ist ein schmaler Grat. 


Wie hast du es geschafft, diesen Sumpf mit Von Brücken zu umgehen? 
NM: Es gibt auf der Platte nur einen Song, in dem es konkret um die Krankheit geht, und der heißt auch »Lady Angst«. Ein Konzeptalbum sollte es ganz bewusst nicht werden. Ich habe zu lange dafür gekämpft, dass die Angst nicht mehr mein Chef ist, als dass ich ihr nun ein ganzes Album widmen wollte. Das hat sie nicht verdient, die blöde Sau. 

Es heißt, den Neuanfang konntest du dir nur mit Tobias vorstellen. Warum? 
NM: Tobi ist schon seit vielen Jahren ein guter Freund, der mich auch schon in Phasen erlebt hat, in denen eine Zusammenarbeit und ein Zusammenleben als Band gar nicht schön war. Es war für mich ein ungeheurer Vertrauensbeweis, dass er trotz dieses Wissens Ja zur Zusammenarbeit mit mir gesagt hat.  

Die Rollenverteilung bei diesem Projekt ist klar zwischen euch abgegrenzt. Ist das, kreativ gesehen, denn immer sinnvoll? 
NM: Ich bin kein Komponist, und Tobi ist kein Texter. Er hat auch schon den einen oder anderen tollen Text geschrieben, und ich habe auf der anderen Seite schon hier und da einen guten Song geschrieben, aber wir wissen trotzdem, wo unsere Grenzen sind. Tobias Schmitz: Die Rollenverteilung beruht auf unserer Wahrnehmung, was unsere jeweiligen Stärken angeht. Ich sage eindeutig: Beim Text ist Nicholas die Instanz von uns beiden, und da will ich ihm gar nicht reinreden. Ich glaube, die bewusst gewählte Rollenverteilung macht Von Brücken so stark, weil dadurch nichts verwässert.  

– Von Brücken »Weit weg von fertig« (Four / Sony / VÖ 30.10.15)

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