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salinger-pop

Throw That Beat!

Viele Worte über die Musik oder die oft zitierten Marotten von THROW THAT BEAT! zu verlieren, ist wohl nicht nötig. All diejenigen mit einem offenen Ohr für Sixties-angehauchte flotte Gitarrensongs, die auch mal ins Melanchonische abdriften, werden die Band sowieso kennen. Ob der Platten-Titel "Supe
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Autor: intro.de

Viele Worte über die Musik oder die oft zitierten Marotten von THROW THAT BEAT! zu verlieren, ist wohl nicht nötig. All diejenigen mit einem offenen Ohr für Sixties-angehauchte flotte Gitarrensongs, die auch mal ins Melanchonische abdriften, werden die Band sowieso kennen. Ob der Platten-Titel "Superstar" denn programmatisch zu verstehen ist, will ich von Klaus, dem Kopf der Nürnberger, wissen. "Ach, wir haben uns einfach nur gedacht, daß das ein Riesenspaß wird, wenn wir auf die neue Platte ganz dick "Superstar" draufdrucken und gucken, was passiert. Das ist nicht so ernst gemeint. Es gibt so viele geniale Bands direkt vor der eigenen Haustür zu entdecken. Ich verschließe mich Überlegungen wie: 'Jetzt klappt's aber endlich mit der neuen Platte'. Wir haben immer noch, trotz des Major-Vertrags, alle Freiheiten was z.B. die Covergestaltung angeht. Nur für die Comics, die wir früher manchmal dazugelegt haben, ist jetzt keine Zeit mehr. Unser Film zu "Cool"-Zeiten ist aber immer noch über den Fanclub erhältlich."
Angesprochen auf den Stil der neuen Platte (die sind ja gar nicht mehr so lustig, meinte Schwesterherz...), platzt Klaus gleich raus: "Wir sind ziemlich hhhaaart geworden, was!!?" Gelächter. "Unsere Lieder waren nie alle einfach nur lustig, es gab auch viele traurige. Ich finde nicht, daß sich der Stil der neuen Platte so sehr geändert hat. Wir haben's halt mal richtig krachen lassen. Das hätten wir aber in 'nem kleinen Studio wohl so ähnlich hinbekommen". Und wenn sie nach ihrem Auftritt im "CBGB" in New York geblieben wären, um die neue Platte dort einzuspielen? "Wir haben zwar mit dem Gedanken gespielt, aber das hätte letztendlich nichts gebracht, weil wir's sowieso mit jemandem selber produzieren wollten, den wir gut kennen. Irgendein amerikanischer Produzent hätte uns vielleicht in eine Ecke gedrückt, in die wir gar nicht wollen." Aber so ganz ohne Deutsch-Amerikanische-Freundschaft ging's dann doch nicht, holte man sich doch Gesangsverstärkung von den VULGAR BOATMAN. "Ach ja, du meinst deren Sängerin. Die war bei mir zu Besuch, als sie mit ihrer Band in Europa war. Ich lag zu der Zeit mit einem Schlüsselbein-Bruch im Bett und hab ihr wohl so leid getan, daß sie für mich gekocht und mir etwas auf der Gitarre vorgespielt hat. Das gefiel mir so gut, daß ich mich daran erinnerte, als wir noch eine Stimme brauchten." Die frühere Sängerin Lotsi wurde übrigens keineswegs aus der Band geschmissen, sie möchte sich einfach lieber ihrem Grafikstudium widmen. Allen Spekulationen sei hiermit ein Riegel vorgeschoben.
Nochmal auf die Image-Frage angesprochen, widerspicht Klaus mir zwar nicht, daß die Musik von THROW THAT BEAT! von einigen als "Sesamstraßenmusik" bezeichnet wird, bedauert aber gleichzeitig, daß ihre Musik immer nur auf die "Pipi Langstrumpf"-Cover-Songs reduziert wird: "Das ist halt eine Seite der Band, aber es geht nicht darum, ein Image zu kreieren." Jetzt meldet sich auch Trommler Alex zu Wort: "Klar, wir haben schon mal mit Spielzeugkreiseln in die Menge geschossen. Aber das war in dem Moment auch witzig." Also keine infantile Nachholphase. Basta.
Spielen eigentlich auch andere Themen als "Herz & Schmerz" in den Liedern von THROW THAT BEAT! eine Rolle? Momentan ist es ja geradezu hip, das Betroffenheitsfähnchen zu schwenken und ein Lied gegen Nazis zu ersinnen. Verkommt diese prinzipiell okaye Haltung nicht zur austauschbaren Platitüde? "Gerade in Amerika wurden wir oft auf dieses Thema angesprochen, die Amis haben völlig falsche Vorstellungen, was hier läuft. Die sollten erstmal bei sich um die Ecke schauen." In bezug auf ihre Musik erklärt Klaus weiter: "Bei unserem Verhalten und unserer Musik müßte aber doch jedem klar werden, daß wir gegen Rassismus etc. sind und daß wir's gut meinen. Ich finde es komisch, wenn Bands ihr Publikum missionieren wollen und jemand von der Bühne runter schreit: 'Nazis sind scheiße.'" Alex greift das auf: "Nazis sind vollkommen scheiße, aber jeder von denen im Publikum wird sich denken: 'Arschloch. Laß mich in Ruhe.' Das geht so nicht in die Köpfe rein."
Legt Klaus beim Schreiben der Texte mehr Wert auf "wahre Erlebnisse" oder bemüht er lieber seine Phantasie: "Kann ich nicht so sagen, beides ist interessant. Nimm die Geschichte von den BEACH BOYS, die immer so 'ne Heile-Welt-Musik gemacht haben, obwohl der Sänger von denen ja ziemlich am Ende war. Irgendwie ist das unehrlich, aber auf der anderen Seite hat man auch das Recht, ein harmonisches Bild zu malen, obwohl es einem im Moment nicht so gut geht. Die BEACH BOYS haben ja mit ihrer Musik Millionen von Menschen glücklich gemacht..." Legalize Musikantenstadl, oder was!?! Alex: "Es gibt immer wieder Musik, die mich mitreißt, da geht's ganz oberflächlich zu. Aber im Prinzip muß ich bei der Musik spüren, daß es um etwas Wichtiges geht. So'n paar Wörter, die man aufschnappt, reichen manchmal, ohne pathetisch zu sein".
Zu guter Letzt verrät Klaus mir noch, daß er demnächst eine Soloplatte veröffentlichen will, die konsequenterweise nur im Wohnzimmer mit ein paar Freunden eingespielt werden soll und daß für den Herbst wieder eine größere Tour ansteht, begleitet von den befreundeten SOCS, einer Art Sixties-Punk-Band.
Also Leute, wenn Ihr eine der nettesten und hoffnungsträchtigsten Bands der Republik sehen wollt, dann geht zu THROW THAT BEAT IN THE GARBAGECAN! und werdet glücklich.

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