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Die Aura des Brandon Flowers

The Killers live in Köln

The Killers sind zurück und Sänger Brandon Flowers hat weder an Charme noch an Brillanz verloren. In der Live Music Hall in Köln feierten sie die Veröffentlichung ihres neuen Albums »Wonderful, Wonderful« und wir waren dabei.
Geschrieben am
15.09.2017, Köln, Live Music Hall  

Der Killers-Frontmann Brandon Flowers ist ein Dorn im Auge für jene Rockfans, die authentische, raue, jeglichem glattpolierten Charakter fernbleibende Musik verehren. Für andere ist der schöne Mann mit der perfekt sitzenden Frisur eine Offenbarung, ein Idol der Jugend oder auch eine guilty pleasure. In diese Kategorie fällt auch die Teenie-Serie »O.C. California«, in der The Killers passenderweise 2004 ihr Debüt »Hot Fuss« präsentiert haben. Damals traten sie im Bait Shop auf, dem angesagtesten Schuppen im Orange County. »So, The Killers, awesome, huh?« Seth Cohen hatte schon immer ein Gespür für coole Bands, doch spielt er eben in einer Serie, die man nicht stolz als seinen All-Time-Favourite deklarieren würde, und so verhält es sich auch mit den Killers.
Was erwartet man also von der Live-Version eines Jugendphänomens abgesehen von lautstarkem Mitsingen zu »Mr. Brightside«? Hoffentlich noch viele weitere alte Songs, denn was nach ihrem Hit »Humans« aus der Feder und den Verstärkern der Amerikaner kam, war reichlich ernüchternd. Als Ryan in der besagten »O.C.«-Episode gefragt wird, ob er Live-Musik mag, hätte er dennoch überzeugt ja sagen sollen, denn die Killers wissen wie eine gute Show gemacht wird: Flowers funkelnder Blazer erinnert an die Heimat der Band, Las Vegas, und sein graziöses Spiel mit dem Mikrofon zeugt von jahrzehntelanger Erfahrung als Showmaster. Schließlich dreht sich alles um ihn, der Reiz der Gruppe sowie der Charme des vor Euphorie strotzenden »Smile Like You Mean It« und des trotzigen »Somebody Told Me«, strahlen von ihm ab wie reflektierendes Licht von einer Discokugel. Das ist wahre Aura, nicht reproduzierbar, wie Walter Benjamin es formulieren würde.

Die Live Music Hall wurde dazu auserkoren, das neue Album »Wonderful, Wonderful« vorzustellen, doch auch wenn die Location recht klein ist, wurde die vorherige Vorfreude auf ein intimes Konzert schnell enttäuscht. Die Halle ist schlichtweg nicht geeignet für die Liga der Killers und vor allem nicht für deren endorphingeladene Fans. Die Performance leidet auch darunter, dass die Band live nicht in originaler Besetzung spielt, um noch mal auf den Punkt authentische Rockband zurückzukommen.
Dennoch feiert das Publikum sie ausschweifend. Letztendlich hantiert Brandon alte Hits und eine Setlist, die alle Alben durchquert, mit gewohnter und gleichzeitig gereifter Selbstverständlichkeit, was alte Fans zu neuen Bewunderern macht. So wird auch das Debüt des mittelmäßigen »Tyson Vs. Douglas« zelebriert wie ein Hit, was man den Zuschauern hoch anrechnen kann: Die Stimmung ist gut und vor Ort ist niemand, der die Show nicht genießt. Große Monologe entstehen zwischen den Songs zwar nicht, abgesehen von einem kurzen Kommentar zum Kölner Dom und des Fehlens jeglicher Tradition in Las Vegas, doch so pathetisch es klingt, viel mehr spricht er mit der Nostalgie, die hinter unseren Hymnen steht und all dem, was wir damit verbinden. Über seine perfektionierte Brillanz hinweg erkennt man die Authentizität, die ihm mancher entsagen würde. Das wird spätestens bei dem Joy Divison-Cover von »Shadowplay« klar, das die Gruppe wie ein Heiligtum behandelt. Danke für das Stück Sorglosigkeit, Brandon Flowers.

The Killers

Wonderful Wonderful (Deluxe)

Release: 22.09.2017

℗ 2017 Island Records, a division of UMG Recordings, Inc.

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