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Wenn Hektik beflügelt

The Hirsch Effekt live in Köln

The Hirsch Effekt beenden ihre »Eskapist«-Tour in Köln und strotzen auch nach über 30 Konzerten nur so vor Energie. Mit der Live-Darbietung ihres Artcore-Wahnsinns untermauern sie ihren Status als kuriosestes Klanglabor der Republik.
Geschrieben am
16.12.17, Köln, MTC

Köln City, Samstag, Primetime – und doch steckt das MTC voller Menschen, die auch im Herzen des hochheiligen Wochenendes auf keine bessere Idee kommen, als sich noch mal so richtig überfordern zu lassen. Ja, es ist eine komplizierte Beziehung jenseits der Szene-Bekenntnisse, die The Hirsch Effekt und ihre Fans verbindet. Aber wie die allermeisten komplizierten Beziehungen ist auch diese eine besonders leidenschaftliche. Darauf deutet bereits der Song »Bridge Over Troubled Water« hin, den die Band als Einlaufmusik abspielt, bevor sie ihre Gäste mit feierlicher Hektik und krachend-knirschenden Gitarren-Tics überrumpelt.

Seit nunmehr vier Alben kratzt das Trio aus Hannover alle Ecken des Spektrums aus, zerdrischt die dicksten Genre-Körner und mauert mit kryptischem Vokabular, als wolle es sich dem ewigen Spitz-pass-auf-Spiel der etikettierungsbesessenen Musikpresse um jeden Preis entziehen. »Die spinnen doch!«, denkt sich der genormte Konsument; Fans und Connaisseure aber wissen: Um Tuchfühlung ist hier niemand verlegen. Die Fast-Forward-Progressivität der Hirsche entspringt eher einem fundamentalen Desinteresse an Konvention und sonstigen ungeschrieben Regeln. Und ihre schöpferische Maßlosigkeit der unbändigen Lust an Musik. Klingt anstrengend, wie Achterbahnfahren im Dunkeln, ist aber in erster Linie: sagenhaft schön.
Und so entpuppt sich auch an diesem letzten Konzertabend der »Eskapist«-Tour die scheinbare Unzugänglichkeit als großes Freiheitsgeschenk: The Hirsch Effekt pumpen den Club mit stilistisch bedingungsloser Liebe voll und vollbringen das Verrenkungskunststück, seliges Mitschmettern, eierkuchiges Taktgeklatsche, rustikales Headbangen und übermütiges Stagediving in ein und derselben Show zu vereinen. Das soll ihnen erst mal jemand nachmachen. Schon recht nah dran war der Tour-Support PeroPero: zwei Berliner mit Neon-Kopfschmuck und einer ausgeprägten Vorliebe für Echsen aus dem All, die mit ihrem Gemisch aus Psych-Rock und Stoner Metal völlig zu Recht die ersten Zugaberufe des Abends einsacken dürfen.

Nichts jedoch geht über Hirsche in voller Bühnenbrunft: Sie kreischen, schmachten und wetzen über die Bühne; die Lichtanlage hechelt hinterher und lässt der manisch hakenschlagenden Musik wenig Raum für lange Augenblicke. Die akustische Fliehkraft zieht an den Bauch- und Rippenfellen; am Ende dieser virtuosen wie irrwitzigen Aneinanderreihung von Karambolagen, Faserrissen und Engtänzen herrscht Überwältigung und Verschwitztheit auf beiden Seiten. Nach angetanen Danksagungen und ein paar Fotos mit dem Publikum greift Nils Wittrock noch einmal zur Gitarre und singt, während seine Kollegen schon zusammenpacken, eine abgespeckte Version des sentimentalen »Datorie«, ihres wohl geduldigsten Stücks, und aus Wahnsinn wird Besinnlichkeit. Na, das hat am dritten Advent ja gerade noch gefehlt.

The Hirsch Effekt

Eskapist

Release: 18.08.2017

℗ 2017 Long Branch Records

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