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Intro Die Woche

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Sängerin knutschen inklusive

The Dresden Dolls live

29.05.2006, Zürich, Abart. "Sold out" stand an der Tür der Sardinenbüchse. Dicht gedrängt steht es sich trotzdem sehr entspannt, denn ein buntes Grüppchen Menschen hat sich erwartungsvoll versammelt, um ihre Unterschiedlichkeit im Geist der Musik zu zelebrieren. Etwas pompös, ich weiss, aber das tri
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29.05.2006, Zürich, Abart. "Sold out" stand an der Tür der Sardinenbüchse. Dicht gedrängt steht es sich trotzdem sehr entspannt, denn ein buntes Grüppchen Menschen hat sich erwartungsvoll versammelt, um ihre Unterschiedlichkeit im Geist der Musik zu zelebrieren. Etwas pompös, ich weiss, aber das trifft's nun mal. Es ist Sonntagabend im Abart Club in Zürich und alles wartet auf den Auftritt der Dresden Dolls. Mit alles meine ich das oben erwähnte bunte Grüppchen: Realschullehrer, Neo-Punks, Altrocker und Doll look-a-likes. Ein Grund für diese Mischung liegt wohl in der Natur der Sache: Die Dresden Dolls, also Sängerin/Pianistin Amanda Palmer und Schlagzeuger Brian Viglione, bedienen sich gern im Kulturfundus - Punk, Kabarett, Moshpit, um einige Elemente zu nennen.

Um kurz vor zehn verdunkelt sich die Bühne und "Ode to Isis" von Trail of Dead erklingt aus den Lautsprechern. Die Dresden Dolls betreten die Bühne und werfen erst mal Blumen ins Volk. Danach stimmen sie schwungvoll in die letzten Töne des Openers ein und folgen diesem gleich mit einem zweiten Trail of Dead Cover, "Will you smile again". Was wie "Worlds apart" beginnt, wird schnell zu etwas ganz anderem. Als einfaches covern kann man die eigenwilligen Interpretationen der Dolls nicht bezeichnen.
Eigenwilligkeit ist vielleicht sogar das Schlüsselwort des Abends, denn was über die nächsten anderthalb Stunden folgt ist wohltuend anders.

Besonders augenfällig ist gleich zu Anfang der intensive Blickkontakt zwischen beiden Künstlern, die sich gegenseitig regelrecht hochzuputschen scheinen. Ausdruck und Emotion der Vorstellung sind genauso wichtig wie die Musik selbst. Man hat manchmal den Eindruck, mehr bei einer Theatervorstellung als bei einem Rockkonzert zu sein. So bemerkt man auch deutlich den Unterschied zwischen Songperformance und Zwischenansage. In den Pausen muss wohl einfach mal Luft geholt oder auch eine kleine Anekdote erzählt werden. Der Rapport zwischen Publikum und Band stimmt ebenfalls von Anfang an, und Drummer Viglione motiviert die Menge auch noch, Polarwindgeräusche zu machen, bevor die Dresden Dolls ein Lied auf deutsch zum besten geben.

Und nein, es ist nicht Kurt Weil oder dergleichen, sondern "Eisbär" von Grauzone, NDW lässt grüssen.
Allerdings in ihrem eigenen dampfenden Stil: Was da an Doppelbassattacken über das Publikum rollt, würde so manche Metalband erblassen lassen, aber auch die stillen Songs gehen durch ihre Eindringlichkeit unter die Haut.

Beide Alben werden bedacht und Stücke vom neuen Album "Yes, Virginia" wie "Sex Changes" oder "Shores of California" können genauso überzeugen wie "Missed me" oder "Coin-operated Boy" vom ersten Album. Gerade dieser Titel bildet einen frühen Höhepunkt, als ein hochmotivierter Fan im Kosakenrock und bunt geschminkt auf die Bühne kommt und eben diesen Uhrwerkjungen mimt; Sängerin knutschen inklusive.

Leider lassen sich die Dresden Dolls nur zu einer Zugabe motivieren, die mit einem Song auch eher kurz ausfällt. Dafür hämmert's umso mehr. Mit der Ankündigung "We are going to play you a rock ´n roll classic", beginnt eine wuchtige Interpretationen von Black Sabbaths "War Pigs". Da kippt die Stimme dann zwischendurch auch mal um, aber egal, wahrscheinlich ist der guten Frau Palmer der Schweiss in den Mund gelaufen. Ein eindrücklicher Abschluss für ein tolles Konzert; oder mit den Worten von Trail of Dead: "Will you smile again?"

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