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Gitarre auf Wanderschaft

The $100 Guitar Project

Im Oktober 2010 erstanden zwei befreundete Gitarristen aus den USA eine unscheinbare E-Gitarre für 100 Dollar. Sie baten andere Musiker darum, einen Song auf ihr einzuspielen und sie anschließend weiterzuschicken.
Geschrieben am

Drei Jahre später hat die Gitarre über 40.000 Kilometer zurückgelegt und ist der Star eines eigenen CD-Samplers, dessen Erlös wohltätigen Zwecken gespendet werden soll. Darauf zu hören: Neben deutschen Songwritern auch Fred Frith oder Nels Cline von Wilco. Wir sprachen mit Nick Didkovsky, dem Besitzer des Instruments, über sein außergewöhnliches Projekt.

Nick, wie kam es zu der seltsamen Idee, die vielen Bands auf eurem Sampler „The $100 Guitar Project“ alle mit derselben Gitarre spielen zu lassen?
Mein Kumpel Chuck O’Meara und ich schicken uns regelmäßig Emails mit Links zu seltsamen und teuren Gitarren. Wir sammeln zwar im engeren Sinne keine Gitarren, aber wir gucken gerne, was so angeboten wird. Da heißt es dann schon mal, „Hier, schau mal, eine 1961er Gibson SG für 40.000 Dollar. Soll ich die kaufen? Haha“. Eines Tages schickte mir Chuck eine Email mit dem Betreff „Die Gitarre deiner Träume“. Ich dachte natürlich, es ginge um eine sauteure oder super-seltene Gitarre. Stattdessen war es diese wunderliche No-name-Gitarre für 100 Dollar. Wir kamen auf die Idee, sie zu kaufen und Freunde zu nötigen, darauf Stücke aufzunehmen.

Wie waren die Reaktionen eurer Musikerfreunde auf die Anfrage?
Super! Wir wurden geradezu überschwemmt von Zusagen. Viele Freunde hatten die Mail auch ihren Freunden weitergeleitet, so dass es zu dem seltsamen Umstand kam, dass es schon etliche Zusagen für das Projekt gab, bevor wir die Gitarre überhaupt in unserem Besitz hatten.  

Steckt denn eine tiefere, symbolische Aussage hinter eurer Idee? Also dass ihr etwa zeigen wolltet, dass man für gute Musik kein teures Equipment braucht?
Nein. Ich glaube, jeder der teilgenommen hat, hatte seinen ganz individuellen Blick auf das Projekt. Wir haben nur einen Stein ins Wasser geworfen und gestaunt, wie schnell die Wellen zum Ufer zurückgeworfen wurden. Es war gar keine Zeit, über einen Grund oder einen tieferen Sinn des Projektes nachzudenken. Das Wissen, dass man für gute Musik keine teuren Instrumente braucht, hatten wir ohnehin schon. Ich sehe die Gitarre persönlich mittlerweile eher wie das Tier, das man aus dem Tierheim holt, um ihm ein möglichst gutes neues Zuhause zu geben. Eine Gitarre ohne Namen, für die sich zunächst niemand interessierte, die aber dann plötzlich zum Star wurde, weil sich so viele tolle Musiker dem Instrument widmeten.

War es denn nicht schwer, den Gitarrenversand um die halbe Welt über Jahre zu koordinieren?
Das bedeutete tatsächlich sehr viel Arbeit für mich. Aber die Musiker waren alle sehr zuverlässig. Ich habe immer Kontakt gehalten und dem Gitarristen, der sie gerade hatte, gesagt, wann und an wen das Instrument als Nächstes geschickt werden müsste. Manchmal musste ich natürlich Erinnerungen schreiben, aber das Maß an Verantwortung und Kooperationsbereitschaft war sehr hoch.

Gab es denn nie einen Punkt, wo du Panik hattest, das Instrument sei verschollen?
Nein, zum Glück nicht.  

Wer hat denn das ganze Porto bezahlt?
Jeder hat immer den Versand zum nächsten übernommen, das wussten alle Mitwirkenden auch vorher schon. Ein paar Strecken waren aber so teuer, dass Chuck und ich uns am Porto beteiligt haben.

Und was passiert jetzt, wo alles vorbei ist, mit der Gitarre?
Die bleibt endlich mal zu Hause! Erst wird sie eine zeitlang bei mir leben, dann bei Chuck. Dann möchten wir ein paar Konzerte mit ihre organisieren. Ein paar Musiker und die 100-Dollar-Gitarre - das würde einen wundervollen Abend ergeben.

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