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Spätfolgen einer Ehe

Mike Patton

Nach der von Klamauk geprägten musikalischen Jugend, der anschließenden Abkehr vom großen Geschäft und zeitweiligen Hinwendung zu experimentellem Avantgardismus ist Ex-Faith-No-More-Sänger Mike Patton nun also in der Philharmonie angekommen.
Geschrieben am
Nach der von Klamauk geprägten musikalischen Jugend, der anschließenden Abkehr vom großen Geschäft und zeitweiligen Hinwendung zu experimentellem Avantgardismus ist Ex-Faith-No-More-Sänger Mike Patton nun also in der Philharmonie angekommen. Mit Orchester – und schmalzigem italienischen Pop. Christian Steinbrink interviewte ihn.
 
Du hast mal gesagt, dass dein früheres Projekt Peeping Tom deine Version von Popmusik gewesen sei. Daran anknüpfend: Was ist „Mondo Cane“?
Es ist eine Forschungsarbeit von mir, ein Liebesbrief an ein Land, in dem ich eine Zeit lebte, und an eine Musik, deren Anspruch ich sehr schätze.

Wie bist du denn mit dem traditionellen italienischen Pop in Berührung gekommen?

Als ich in Italien lebte [er war mit der Künstlerin Titi Zuccatosta verheiratet], habe ich alles darangesetzt, die Sprache perfekt zu beherrschen. Im Zuge dessen habe ich viel über das Land gelernt. Irgendwann stieß ich auf die dortige Popmusik der 50er und 60er, auf ihre Sänger, Songwriter und Komponisten. Diese Musik hat mich fasziniert. Ich habe mir gedacht, dass ich irgendwann gerne mal versuchen würde, diese Lieder selbst zu singen. Da wusste ich aber noch nicht, dass das tatsächlich passieren würde.

Wie ist es denn passiert?
Eigentlich hatte ich überlegt, es mit einer kleinen Band zu machen, drei oder vier Musikern. So ein Kabarett-Ding. Das hat aber nicht richtig funktioniert. Bei einem Festival in Bologna, einem Avantgarde-Festival, bekam ich die Möglichkeit, mit einem Orchester zu arbeiten. Sie fragten mich, ob ich etwas dafür schreiben wolle. Diese Chance konnte ich nicht auslassen. Eigentlich wollte ich etwas Avantgardistisches mit dem Orchester machen. Aber dann erzählte ich den Organisatoren von meiner alten Idee, italienischen Pop neu zu interpretieren. Und sie liebten diesen Einfall.

Wie hast du die Songs für „Mondo Cane“ ausgewählt? Was waren die entscheidenden Kriterien?
Es gab keine festen Kriterien. Ich musste nur gesanglich in der Lage sein, dem Lied etwas geben zu können. Letztlich sind einige der Songs Hits gewesen, andere sind aus Filmen oder von Underground-Bands der Beat-Generation. Viele der Stücke haben angloamerikanische Bezüge, so, wie es etwa Adriano Celentano perfektioniert hat. Jetzt interpretiert ein Amerikaner italienische Lieder mit amerikanischem Hintergrund. Kurios, oder?

Kanntest du die Lieder alle vor der Arbeit an „Mondo Cane“?
Einige Lieder kannte ich aus dem Oldie-Radio. Einige hörte ich einfach, wenn ich durch die Gegend lief. Ich habe auch viele Platten gekauft und nach guten Stücken gesucht. Ein paar wurden mir auch von Freunden empfohlen.

Haben die Texte denn eine zusammenhängende Bedeutung, gibt es einen roten Faden?
Tja, sie handeln tatsächlich von Liebe und Verlust, Schmerz und gebrochenen Herzen. Fast ausschließlich. Das ist typisch für die Musik dieser Zeit.

Welcher Songwriter hat dich denn am meisten beeindruckt?

Es gibt viele gute. Sehr nah ging mir Luigi Tenco. Ein Lied von ihm ist auf dieser Platte, eines wird auf einer zweiten Platte sein. Er ist eine tragische Figur, und man kann diese Traurigkeit in seiner Musik hören. Er ist ein großartiger, sehr emotionaler Sänger.

In Deutschland kennen wir vor allem Adriano Celentano wegen seiner populären Filme. Was hältst du von seiner Musik?
Sie ist toll. Er ist die Figur dieser Szene, die überlebensgroß geworden ist. Er war einer derer, die gut darin waren, amerikanische Muster zu nehmen und sie zu italienischen zu machen. Er war nicht der große Musiker, hatte aber dieses cartoonartige Image, das die Leute mochten.

Es gab also schon zu dieser Zeit ausgeprägte Verbindungen zwischen amerikanischem und italienischem Pop?
Ja, viele Musiker und Komponisten haben sich an Amerika orientiert, und Celentano ist ein gutes Beispiel dafür. Viele waren von amerikanischem und britischem Rock’n’Roll und sogar Easy Listening dieser Zeit beeinflusst. Interessant daran ist, dass es für keine Kultur eine Herausforderung ist, ihren Elvis-Presley-Nachahmer zu haben – die wirkliche Kunst besteht darin, diesen Einfluss in die eigene Sprache, ins eigene Vokabular zu überführen.

Man kann „Mondo Cane“ also auch als Easy Listening bezeichnen?
Ein bisschen schon. Es existieren Elemente davon in dieser Musik. Popmusik, wie wir sie heute kennen, ist meistens eine sehr lineare und seichte Erfahrung, sie gibt nicht viele Informationen, hat keinen prägnanten Charakter, sie stimuliert mich nicht. Was mich an der Musik der Italiener interessierte, war, dass diese Musik wirklich intensiv und tief ist. Sie hat klassische Arrangements, Easy-Listening-Elemente und Avantgarde-Anleihen, sie hat sogar Weltmusik-Rhythmen. Es ist eine spannende Kreuzung von Stilen und Stimmungen.

Sie hat aber auch etwas Dramatisches. Sie erzeugt ein komisches Gefühl von Angespanntheit.
Es ist definitiv eine dramatische Dimension in dieser Musik – und ein funktionierendes Drama zeichnet ja ein gewisser Grad an Spannung aus, an Anspannung und an Erlösung. Da unterscheidet sich Musik nicht sonderlich von Film und Theater, und speziell die italienische Musik weiß dies beim Aufbau der Stücke zu

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