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So wars in Köln: Schweiß trotz Coolness

Mutter live

Mutter verlangen Konzentration und Hingabe: von sich, vom Publikum. Und alles für die Lieder und einen guten Abend im Kölner Gebäude 9.
Geschrieben am
18.11.2011, Köln, Gebäude 9
 
Mutter
sind keine Band für die Vergangenheit. Seit den 1980ern machen sie Noise-Rock-Punk mit doppelt- und dreifach-bödigen Texten, die heute funktionieren wie damals. Ihr aktuelles Album »Mein kleiner Krieg« verfolgt exakt dieselben Ansprüche. Folglich spielen Mutter heute Abend in Köln ein gemischtes Set: Zur Hälfte aus »Mein kleiner Krieg«, zur Hälfte aus den vergangenen 10 Jahren. Das Gebäude 9 ist locker gefüllt mit Frauen und Männern jeden Alters. Für einige ist es das erste Konzert von Mutter, für andere eine Erinnerung aus den 1980ern revisited. Über allem schwebt der Respekt vor der Band. Eines ist klar: Gehüpft und gefeiert wird heute woanders. Hier ist der Ernst Herr auf der Bühne, völlig ironiefrei.

Mutter geben den Liedern die Achtsamkeit, die sie brauchen, bis zuletzt: Bei der Zugabe »Zwischen den Zeilen lesen« sieht man Schlagzeuger Florian Koerner mit vor Anstrengung zusammengekniffenen Gesicht zählen: 1-2-3-VIER. Ich weiß, wir haben Klimawandel in der Welt, den NSU in Zwickau, aber jetzt und hier ist die VIER das Wichtigste. Und sie sitzt. Florian Koerners Körper spannt sich zu einem einzigen Muskel, der auf die Snares schlägt. Durch den nackten Oberkörper wird die Kraft seiner Schläge nicht nur hör- sondern auch sichtbar. Zu dem Zeitpunkt hat Florian Koerner aber schon gut 90 Minuten durchgeackert bei höchster Konzentration. So hoch, dass man im Publikum respektvoll zuhört, auch aus Angst, die Band und das Spiel zu stören.
 
Offene Münder, große, glänzende Augen und vor allem anfangs eher wenige Zwischenrufe - so kann man eher an den Gesichtern im Publikum die Begeisterung ablesen. Man könnte es den Deal der Coolness nennen: Wenn Euch gefällt, was wir hier machen, dann seid gerne dabei und hört zu. Ok, geht klar. Scheiß auf lange Umarmungen. Das hier ist eher ein abgeklärtes Abklatschen. Erst Max Müller selbst wagt, den Deal zu brechen und versucht eine persönliche oder ironische Ansage, in der er einen Blick in sein Gefühlsleben offenbart. Das Schild am Kragen seines Shirts kratze unangenehm, weil er das Shirt falsch herum angezogen habe. Es funktioniert. Das Publikum fühlt mit, ruft dazwischen und überwindet langsam die Statistenrolle. Max Müller verschwindet hinter der Bühne und kommt zwei Minuten später mit umgedrehtem Shirt zurück. Aber so richtig gebrochen wird der Deal der Coolness erst kurz vor Schluss, als mit »Wir waren niemals hier« und »Zwischen den Zeilen lesen« noch zwei ältere Hits als Zugabe kommen. Da bricht die Begeisterung mit Klatschen und Rufen noch einmal richtig über die Bühne herein.

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