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So war's in Köln: Klos im Hals

Scott Matthew live

Scott Matthew in der Kölner Kulturkirche ist super sweet und macht die Welt ein wenig besser und so viel schöner.
Geschrieben am
23.11.2011, Köln, Kulturkirche
 
Wer Scott Matthew schon mal live gesehen hat, zum Beispiel beim Haldern Festival oder bei der Pop-up Messe in Leipzig, der weiß: Spiegelzelt gut und Volkspalast mit Kuppelhalle schön, aber dieser Stimme gehört eine Kirche gebaut. Deswegen spielt Scott Matthew in Köln auch in der Kulturkirche. Selten haben sich Künstler und Ort so multipliziert. Der Abend ist erhaben und Ehrfurcht gebietend, aber nicht einschüchternd, ob der Größe, sondern freundlich.

Das Publikum kommt zusammen. Leute sprechen über Schwangerschaftsbäuche und den Brunch vom vergangenen Wochenende. Als Scott Matthew vom Organisator der Gemeinde angekündigt wird, verstummen die Gespräche und die, die einen Platz bekommen, setzen sich. Der Rest steht im hinteren Teil des Kirchenschiffes.Gleich das erste Lied gibt die Richtung des Abends vor: Von »The Wonder Of Falling In Love« bleibt vor allem die Zeile »The wonder of falling in love, it’s happening to me«. Für »God I've been lonely,A heart washed out to sea« ist heute kein Platz.Und dann schiebt Scott Matthew gleich noch so eine vertonte Schönheit hinterher: »Black Bird«. Man stelle sich vor, Darth Vader hätte je gehört, wie diese zarte Stimme den 100 Quadratmeter großen Raum bis in die Spitze der Kuppel einnimmt und ausfüllt. Er wäre auf der Stelle wieder auf die gute Seite der Macht gewechselt und den zweiten Todesstern hätte es nie gegeben.
Glücklicherweise kommt danach mit »Felicity« ein schnelleres Stück, sonst würde der Klos im Hals die Luft zum Atmen nehmen. So aber meint man, das Publikum stehend Schunkeln und Klatschen zu sehen, wie man es sonst nur aus afroamerikanischen Baptistengemeinden in Filmen kennt. »When friendship becomes family« eben. Aber der Applaus ist echt und er ist frenetisch. Genau genommen ist er das einzige, was an diesem Abend in der Kirche nicht sakral ist, sondern daran erinnert, dass das hier Popmusik ist. Diese Tatsache könnte man fast vergessen, wenn man sieht, wie zart bei »Duet« Scott Matthew und Sam Taylor aufeinander achtgeben, um den Einsatz nicht zu verpassen und wie rührend Scott Matthew beim Refrain immer wieder den Gesang übernimmt, als wolle er Sam Taylors Stimme entlasten, die ein ganz klein wenig heiser ist. Das ist alles so zerbrechlich - angefangen beim Gesang bis hin zur Ukulele, neben der sich das Cello und Piano ausnehmen wie Kolosse.
 
Um aber einem Death by Beauty vorzubeugen, macht Scott Matthew immer wieder mal einen Witz und gluckst dann vor Lachen in seiner koketten schüchternen Jungen-Art. So kündigt er zum Beispiel als vorletztes Lied »No Place Called Hell« an und schaut dann erschrocken gen Kirchenkuppel. Als aber kein Einwand von oben kommt, gluckst er und stimmt die ersten Akkorde auf seiner Ukulele an. Das hilft alles natürlich genauso wenig, den Klos im Hals schmelzen zu lassen, wie das verlegene Zupfen am Bart und die Ansagen nach besonders langem Applaus: »You are super sweet«. Da ist es dann auch schon fast egal, dass er das letzte Lied »White Horse« einer 94-jährigen Frau widmet, die ihm beim letzten Köln-Konzert einen Blumenstrauß überreicht hat. Der Klos ist ohnehin nicht mehr zu schlucken.

Von den drei Zugaben bleibt vor allem das »I love you« aus »Little Bird« stehen, dass die Kirche ausfüllt. Denn heute, an diesem zauberhaften Abend müssen sich mindestens zwei Menschen gefunden haben, die für immer zusammen bleiben. Wetten? Sonst soll mich Darth Vader holen.

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