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Legenden und Lautstärke

So war das Le Guess Who 2017

Im Herbst reisen Freunde gehobener Musikunterhaltung nach Holland. Beim Le Guess Who in Utrecht erlebt man auch 2017 eines der spannendsten Line-Ups der Saison!
Geschrieben am
Es dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass das Le Guess Who in Utrecht eines der spannendsten Festivals Europas ist, noch dazu im unterkühlten Spätherbst. Auch 2017 bot das Line-Up mal wieder einige Gründe sich verwundert die Augen zu reiben oder gleich in Jubelschreie auszubrechen. Derartig viele exklusive oder nur höchst sporadisch auftretende Acts findet man selten in der gegenwärtig doch arg übersättigten Event-Landschaft. Zudem lässt die Stilvielfalt keine Wünsche offen. Hier könnten sich auch Freundeskreise bestens vergnügen, die zur Hälfte aus Jazz-Enthusiasten und zur anderen aus Noise-Neugierigen bestehen. In der Mitte zwischen all der Avantgarde siedelt zudem spannender Indie-Rock sowie die ein oder andere elektronische Darbietung.
Thurston Moore
In den letzten Jahren wurde es zur Tradition, dass das Festival für viele am Donnerstag mit einer ausführlichen Zuhör-Show im beeindruckenden Grote Zaal beginnt, dem größten der verschiedenen Festivalspielorte. Waren es im Vorjahr Wilco, so sorgt 2017 niemand Geringeres als Mark Kozelek mit Sun Kil Moon für 90 Minuten Storytelling-Wahnsinn. Auch eine andere Ikone des US-Underground zeigt sich in guter Form: Thurston Moore spielt am Freitag mit seiner Begleitband höchst leichtfüßig einen gradlinigen, krautigen Garagen-Sound. Nicht völlig unähnlich geht am Folgetag Kevin Morby zu Werke, der die Stücke seines tollen neuen Albums »City Music« live deutlich wuchtiger auswalzt und so an Kurt Vile erinnert.
Kevin Morby
Das Logo des Le Guess Who ist ein Fragezeichen, das man auch im Zeitplan mehrfach entdecken kann. Am Donnerstag verbirgt sich hinter dem Surprise-Slot das Duo Amadou & Mariam aus Mali, deren radiotauglicher, eingängiger Global Pop im Grote Zaal bestens ankommt. Am Freitag dagegen spielt der Überraschungs-Act den großen Live-Club Rhonda leider bereits innerhalb weniger Minuten zur Hälfte leer. Dabei stehen mit The Residents immerhin fast 50 Jahre gelebte Weirdness auf der Bühne! Wann sieht man so einen Act schon mal auf einem Festival, sozusagen als Bonus? 

The Residents mögen 2017 etwas von ihrer Faszination eingebüßt haben, ihr Art-Rock etwas behäbig geworden sein, dennoch hat sich das Kollektiv den Legendenstatus und damit die volle Aufmerksamkeit verdient. In Utrecht unterstreicht dies besonders eine bedrohlich-beklemmende Coverversion von James Browns »It’s A Man’s Man’s Man’s World«. Weitere Shows jenseits der gängigen Pop-Standards liefern Jenny Hval, deren arty Electro-Pop-Show etwas affektiert wirkt, aber bestens ankommt, sowie Ben Frost mit einer brachialen Performance zwischen Noise, Techno und Ambient. 
The Residents
Ein absoluter Abräumer des Festivals ist John Maus. Wer hätte gedacht, dass so viel Punkrock in den Synthieflächen des amerikanischen Songwriters steckt. Im engen, würfelförmigen Pandora wird bereits nach wenigen Songs der Mosh Pit eröffnet, während Maus am Mirko dem Irrsinn zu verfallen scheint und sich immer wieder mit der Faust vor den Kopf schlägt. Nicht erst bei »Cop Killer« vom 2011er Album »We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves« wird im Publikum aus vollem Herzen mitgesungen. 

Ebenfalls bestens angenommen werden Shabazz Palaces, die nach ihrem Auftritt 2015 bereits zum zweiten Mal dabei sind und dieses Mal sogar zu den Künstler-Kuratoren gehören, die einen Teil des Programms mit auswählen. Ihnen ist es offenbar auch zu verdanken, dass mit Pharoah Sanders eine Jazz-Legende universalen Ausmaßes eingeladen wurde. Der 77jährige und sein Trio haben für den Auftritt einen eingängigen Groove gewählt, der Neulinge nicht überfordert ohne die Puristen zu enttäuschen. Seinen Künstlernamen hatte Sanders in den Sechzigern von Sun Ra verliehen bekommen, dessen Orchester am Folgetag zu sehen sein wird. Zudem arbeitete er mit John Coltrane und dessen Frau Alice zusammen.
Pharoah Sanders
Der 2007 verstorbenen Künstlerin wiederum huldigt das Le Guess Who am Sonntag. Im Mai war bei Luaka Bop die wundervolle Compilation »The Ecstatic Music Of Alice Coltrane Turiyasangitananda« erschienen, eine Sammlung von Stücken, die Coltrane in den Achtziger und Neunziger Jahren in einem von ihr gegründeten Ashram aufgenommen hatte. In Utrecht führen die Sai Anantam Ashram Singers diese zum ersten Mal in Europa live auf und machen den Konzertsaal am Sonntagabend zu einem spirituellen Ort.
Sai Anantam Ashram Singers

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