×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Arcade Fire & Final Fantasy live

Rundlauf auf der Bühne

17.05.05, Köln, Gebäude 9. Schon phänomenal, was da für ein Ballyhoo um die kanadische Band Arcade Fire veranstaltet wird. Nicht nur, dass die Tour wohl mittlerweile restlos ausverkauft ist. Nein, auch die Anzahl an verzweifelten Mails und Postings von Leuten, die noch irgendwie Einlass erhaschen
Geschrieben am
17.05.05, Köln, Gebäude 9.

Schon phänomenal, was da für ein Ballyhoo um die kanadische Band Arcade Fire veranstaltet wird. Nicht nur, dass die Tour wohl mittlerweile restlos ausverkauft ist. Nein, auch die Anzahl an verzweifelten Mails und Postings von Leuten, die noch irgendwie Einlass erhaschen wollten, was so immens wie selten vorher. Und das, obwohl die Band schon noch da zu verorten ist, was von uns Systemtheoretikern gemeinhin "Unten" genannt wird - immerhin dürften weder Plattenfirma noch Bookingagentur in der Lage sein, mit großen Scheinen wedelnd Anzeigenpakete zu schalten. Wie dem auch sei - glücklich war, wer an diesem Abend seinen Platz im knackevollen Gebäude 9 reserviert hatte; und ich fand später niemanden, der diesen Besuch bereut hätte.

Den Support brachten sich Arcade Fire gleich selbst mit - in Person von Owen Pallet, solo unter dem Namen Final Fantasy unterwegs und gleichzeitig auch Gastgeiger des Hauptacts. Als dieser schmale, jungenhafte Typ nur mit seiner Geige in der Hand auf die Bühne kam, stöhnten schon wieder einige ob zu avantgardistischer Ambition auf. Wieso kann nicht mal eine ordentliche Rockband so eine Band supporten?, hieß es. Unkereien dieser Art wusste Final Fantasy aber gewitzt zu widerlegen, denn sein halbstündiges Set war voll von tollen Geigen-Popsongs, für die er sich selbst sampelte, daraus Schleifen bastelte und so seine Songs sehr behutsam und anschaulich aufbaute, um dann durch derben Witz oder lautstarken Gesang wieder aus dem Schema auszubrechen. Das war enorm kurzweilig und hätte nach der Ansicht der meisten ruhig auch noch etwas länger gehen können. Auch die mittelalte Gruppe Niederländer vor mir, der man soviel musikalische Offenheit gar nicht zugetraut hätte, fand's cool. Ein Album wird es demnächst via Tomlab geben, und darauf kann man sich jetzt schon freuen.

Als Arcade Fire dann die Bühne traten, wurde es gleich richtig voll. Die Band bestreitet ihre Tour zu acht, mit einer großen Anzahl an Instrumenten und Percussion-Elementen im Gepäck, bei deren Bedienung sich die Musiker dann im Laufe des Gigs auch fleißig abwechselten. So ein Aufwand ließ auf der Gebäude-9-Bühne nicht mehr so viel Platz, um sich zu bewegen. Und doch startete die Band gleich ausgelassen und wild in ihren ersten Song, 'Neighbourhood #2: Laika' vom aktuellen Album 'Funeral'. Und sofort übertrug sich die Euphorie von der Bühne auf das Publikum, so unmittelbar, dass man es förmlich greifen konnte. Erst im Laufe des Konzertes bemerkte man so richtig, wie vielschichtig die Songs Arcade Fires geworden sind und was für außergewöhnliche Arrangements da gestrickt wurden. Schon die Platte war eine Klasse für sich, aber live entpuppte sich die Band als noch viel brillanter. Nahezu jeder ihrer Songs, zu gleichen Teilen dem Debütalbum und der ersten, selbstbetitelten EP entnommen, schien wie für's Livekonzert gemacht. Jedes einzelne Stück entwickelte dank seiner außergewöhnlichen Dramaturgie und Catchyness außergewöhnliche Hitqualitäten. Arcade Fire stellten sich in einer Klasse dar, in der Vergleiche müßig sind. Mit wem will man so eine Band denn vergleichen? Selbst die Rhythmusgerüste sind, obschon meistens sehr gerade und schnell, viel zu variantenreich, um sie einer bestimmten Stilart zuzuordnen. Und die Arrangements sind mit denen einer Band wie Broken Social Scene nur in dem Punkt vergleichbar, dass sie völlig outstanding wirken, so wie vorher noch nie gehört. Nur Sänger Win Butler muss sich einen optischen Vergleich mit Blixa Bargeld ohne Hut gefallen lassen. Aber das wird schon gehen.

Auch die Performance Arcade Fires gebar im Laufe des Gigs wahre Champions-League-Qualitäten. Vom ausgeflippten Percussionisten bis zum introvertierten Gitarristen, von der sehr konzentrierten Régine Chassagne bis zum alles zusammenhaltenden Frontman Butler und seinem kleinen Bruder, der wie frisch dem Matheclub entsprungen aussieht - die Komposition all dieser in Abendgarderobe gewandten Charaktere wirkte so harmonisch inszeniert, dass Arcade Fire aufgrund eines Abends in die Liga der Bands aufstiegen, in denen man auch gerne selbst spielen würde. Arcade Fire sind eine Band von der Sorte, deren Chemie man magisch nennen möchte.

Als das bisher noch etwas spärliche Songmaterial ausgespielt war, war der Gig vorbei - und es brauchte erst wieder etwas Zeit, um sich wieder an die Realität zu gewöhnen, eine Realität ohne diese so packend unterhaltende Band auf der Bühne. Erst dann fragte man sich, was jetzt eigentlich der ungenutzte Kontrabass auf der Bühne zu suchen hatte. Doch schon kurz danach gewann die Erkenntnis überhand, gerade etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Im Sommer spielen Arcade Fire auf dem einen oder anderen Festival (z.B. dem Monsters of Spex im August). Sollte man sich nicht noch mal entgehen lassen.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr