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»Wir wären lieber Daft Punk«

Royal Blood im Gespräch

Sie kamen aus dem Nichts und sollten den angestaubten Mucker-Rock wiederbeleben: das Bass- und Schlagzeug-Duo Royal Blood. Aida Baghernejad hat mit Mike Kerr und Ben Thatcher über deren neues Album »How Did We Get So Dark?« gesprochen und gelernt, dass der Rockstar von heute mit Exzessen nur noch wenig am Hut hat.
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Man hört ja allenthalben, dass wahrer Rock’n’Roll mittlerweile so was von tot ist. Dass EDM der neue Punk und Punk der neue Schlager ist – und dass die Foo Fighters das verwalten, was vom Mainstream-Rock noch übrig blieb. Der Rockstar-Nachwuchs ist viel zu busy für die ganz große Glamour-Nummer mit zerschlagenen Fernsehern und zerstörten Hotelzimmern, heißt es. Und wahrscheinlich stimmt das alles auch, zumindest klingen Mike Kerr und Ben Thatcher a.k.a. Royal Blood so: »Für Rockstar-Allüren haben wir doch gar keine Zeit, wir müssen auf Welttournee gehen.« Trifft man Royal Blood, sieht man nicht gerade den Wahnsinn in ihren Augen tanzen – im Gegensatz zu ihren Promobildern sitzen keine mysteriös-gefährlichen Herzensbrecher vor mir, sondern zwei leicht müde wirkende Jungs mit einer Vorliebe für trockenen Humor. Und ihre einzige Rockstar-Story war auch eher ein Witz: »Ich habe in Belgien meinen Koffer aus dem Fenster geschmissen, weil ich dachte, es wäre lustig. Eigentlich wollte ich nur Ben zum Lachen bringen«, erzählt Mike.

Für die angeblichen Heilsbringer der Gitarrenmusik (auch wenn sie selbst sich nicht so sehen wollen) geht es bald wieder auf Tour quer über den Erdball. Die Fans sind hungrig nach neuem Material und scheinen es – das zumindest legen die bandeigenen Twitter-, Facebook- und Instagram-Accounts nahe – kaum erwarten zu können. Ihre Fangemeinde ist den beiden Jungs aus Brighton treu geblieben, die ihr Duo gemäß der Legende nach mehreren nicht sonderlich erfolgreichen Bandprojekten eher als Zeitvertreib gegründet hatten. Dass ausgerechnet ein Bass, ein Schlagzeug und ein paar Effektgeräte reichen würden, um sich die Welt untertan zu machen, damit hat keiner gerechnet: weder die Band noch die Musikindustrie noch die Presse.

Ihr zweites Album »How Did We Get So Dark?« werden Royal Blood auf einer der größten Bühnen vorstellen, die es für eine Band geben kann: in Glastonbury. Dort, wo 2013 ihr unglaublicher Aufstieg begann: als T-Shirt-Print auf der Brust von Arctic-Monkeys-Drummer Matt Helders. In ihrer gerade mal vierjährigen Bandgeschichte haben sie schon die Foo Fighters auf einer Arena-Tour begleitet, diverse Preise abgeräumt und wurden öfter in den Himmel gelobt oder auch verrissen, als es anderen Bands in deren gesamtem Dasein passiert.

Ihre anderthalbjährige Abwesenheit hat die Band nicht ausschließlich mit der Arbeit am neuen Album verbracht. Nebenbei haben sie sich außerdem mit Nickelback und, noch schlimmer, Nickelback-Fans angelegt: »Da ist ein Traum wahr geworden«, meint Mike. »Sogar meine Mutter schickte mir eine Nachricht und fragte: ›Was hast du getan?‹« Ein kurzer Tweet, der den amerikanischen Vorwahlkampf mit Kanadas unbeliebtestem Export verglich, sorgte nicht nur für die leicht angesäuerte Antwort der Band, sondern auch für extrem aufgebrachte und enttäuschte Fans. Tja, die verhassteste Band der Welt vergleicht man eben besser nicht mit Hilary Clinton und Donald Trump, denn auch sie besitzt eine treue Fangemeinde.
Dabei sind Royal Blood alles andere als politisch: »How Did We Get So Dark?
«
handelt ziemlich offensichtlich von einer Trennung und gebrochenen Herzen. Soziale Themen finden nicht statt. Titel wie »I Only Lie When I Love You« und »Looks Like You Know« lassen wenig Spielraum für Fantasie – Mike schrieb die Texte, nachdem seine Beziehung zerbrochen war. Denn aus großem Schmerz erwächst große Kunst. Oder zumindest laute, wütende Musik. Während die Texte eher seine Sache sind, arbeitet das Duo gemeinsam an der Musik und inspiriert sich gegenseitig. »Das neue Album ist ein bisschen erwachsener. Natürlich, es wurde schließlich vier, fünf Jahre nach dem ersten geschrieben«, so Mike. Erwachsener, sauberer produziert, aber vielleicht gerade deshalb auch ein bisschen glatter und massentauglicher. Mike und Drummer Ben aber sind zufrieden: »Die Songs sind diesmal einfach besser: die Komposition, die Texte, die Sounds, das Gefühl, das Tempo, einfach alles ist besser.«

Was dabei herauskommt, ist zwar beim besten Willen nicht innovativ, funktioniert aber trotzdem. Die schiere Wucht und Energie der Songs wirkt in den besten Momenten wie ein Schlag in die Magengrube: »Ich mag Songs, die einen dazu anstiften, etwas kaputt zu machen«, so erklärt es Mike. Besonders »Where Are You Now?« ist aus dieser Lust, etwas Böses zu tun, entstanden. Was auf Platte nach einer Weile eintönig werden kann, funktioniert live ziemlich gut. »Wir nutzen zwar die Werkzeuge einer Rockband, wären aber lieber Daft Punk«, witzelt Ben. Und tatsächlich: Hinter dem Lärm verbirgt sich eingängige Popmusik. Machen die Vorbilder von QOTSA bis Foo Fighters auch nicht anders. Vielleicht ist es ja wahr, dass die Gitarrenmusik im Sterben liegt, Royal Blood geben ihr aber eine letzte Adrenalinspritze direkt ins Herz.

Royal Blood

How Did We Get So Dark?

Release: 16.06.2017

℗ 2017 Imperial Galactic Limited t/a Black Mammoth under exclusive licence to Warner Music UK Limited

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