×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

Intro Die Woche

Jetzt für den Newsletter anmelden

*
*
*
. .
×

Improvisation im Duett

Round Robin live in Berlin

Das Red Bull Music Academy Format Round Robin, das bereits in New York, Detroit, Zürich und Montreal erprobt wurde, fand am gestrigen Abend endlich auch in Berlin statt. Wir haben für euch die schönsten Momente des Abends zusammengefasst.
Geschrieben am
Welcher Künstler hat nicht schon mal von sich behauptet, ein ganzes Wochenende mit Freuden und Musikerkollegen einfach nur gejammt zu haben. Frei, ungezwungen, ohne Druck funktionieren zu müssen und oft mit der Hoffnung im Hinterkopf, so den ein oder anderen Hit zu kreieren. Aber mal ehrlich: Wer von uns war jemals live dabei, als sich eine dieser Bands kreativ und musikalisch hat gehen lassen – gut oder schlecht, das sei mal dahingestellt. Normalerweise passieren solche Momente hinter verschlossenen Studiotüren. Dort, wo niemand mitbekommt, wenn mal etwas schiefgeht.

Um das Unvorhersehbare vorhersehbar zu machen, hat sich die Red Bull Music Academy, die in den letzten 20 Jahren des Öfteren ein Händchen für geschmackvolle Konzert-Abende bewiesen hat, erneut der Kunst der musikalischen Improvisation gewidmet. Die Idee ist, Musikern mit unterschiedlichem Hintergrund und Genre die Chance zu geben, gemeinsam Musik zu machen und dadurch neue Kollaborationen entstehen zu lassen. Das selbstverständlich live, damit auch das Publikum Zeuge wird, wie großartig und gleichzeitig schwierig solche spontanen Zusammenkünfte auf der Bühne klingen können.

Das Konzept hingehen ist einfach: Jeder Musiker und jede Performerin hat genau zehn Minuten Zeit für ihre Show. Der erste Gast des Abends, die Griechin May Roosevelt, eröffnet die Nacht mit einer fünfminütigen Solo-Performance, die durch einen zweiten Gast musikalisch ergänzt wird. Nach weiteren fünf Minuten verlässt die erste Musikerin die Bühne und übergibt an Musiker Nummer Drei, Jazz-Legende John Kühne. So ergibt sich alle fünf bis zehn Minuten eine neue Konstellation, die genreübergreifend absolut unvorhersehbar ist und das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes mitriss in Melodien, die keine waren und Momente höchster Konzentration.

Dass dieser musikalische Rundlauf einiges an kreativem Potential bietet, ergab sich schon beim ersten Blick auf das Line-up des Abends: Mit dabei Gitarrist Aidan Baker (Nadja), die Berliner Sound- und Lärm-Ikone Mufti a.k.a FM Einheit (Einstürzende Neubauten), Lucrecia Dalt (Synthesizer), Saxophonist Christoph Clöser (Bohren & der Club of Gore), Drummer Pete York (Helge Schneider), Alleinunterhalter Erobique, DJ Alessandro Adriani, Pianist Aron Ottignon, Drumer Christian Prommer, Multiinstrumentalist Lutz Streun, Jazz-Legende Rolf Kühn, Drangsal, Trompeterin Emma-Jean Thackray, Violinstin Sarah Anderson (Jarvis Cocker, Lucky Dragons), Rapper Retrogott, Theremin Virtuosin May Roosevelt, Bassklarinettist Sebastian Borkowski und Synthesizer-Spezialist Mathew Jonson.

Trotz des interessierten Publikums des Abends wird schnell klar, dass Improvisationskunst nicht für jeden etwas ist. Neben staunenden und begeisterten Gesichtern sah man auch den ein oder anderen verwirrten Zuschauer, dem der Zufall und die stellenweise weniger hitverdächtigen Performances des Abends unverständlich war.

Es bleibt also auch nach Round Robin Berlin dabei: Improvisation ist nur etwas für neugierige Gemüter, die offen für Experimentelles sind. Oder wie Miles Davis sagen würde: »Don’t play what's there, play what's not there.« Vielleicht die ein oder andere Melodie? Struktur? Sinn? Aber wozu das alles, wenn es um den Spaß am musizieren, Instrument und Sound geht. Oder aber um das Zusammentreffen unterschiedlicher Musiker, die man so höchstwahrscheinlich nicht mehr auf einer Bühne sehen wird. Ob der ein oder andere Act des Abends dabei lieber auf das Publikum verzichtet hätte? Davon gehe ich aus. Nur einen dürfte diese Situation des Unkontrollierbaren wenig gestört haben. Schließlich haben FM Einheit und die Einstürzenden Neubauten diese Form der Kunst perfektioniert, lange bevor der Musik Flügel verliehen wurden.

Folgt uns auf

  • folgen
    mehr
  • Playlists
    mehr
  • Abos
    mehr
  • folgen
    mehr