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»Ich heirate dich«

Romano im Interview

Zwischen Collegejacke und Metalkutte hat es Romano vor zwei Jahren aus dem Ostberliner Stadtteil Köpenick auf die großen Bühnen geschafft. Mit seinem zweiten Album »Copyshop« beweist er nun, dass er mehr als ein One-Trick-Pony ist und dass er dank seines einnehmenden Gemüts, seines Bühnencharismas und auch seiner Musik gekommen ist, um noch eine Weile zu bleiben. Mathis Raabe hat ihn für uns zum Interview samt Heiratsantrag getroffen.

Geschrieben am
Als wir uns standesgemäß in einem Konferenztisch im achten Stock des Universal-Komplexes treffen, hat der Mann mit der Vorliebe für Flechtfrisuren zwar schon einige Interviews gegeben, ist aber dank Zucker und Koffein noch bester Laune: Zwischen uns steht ein Kaffee-und-Kuchen-Büffet. So gelingt es dem ehemaligen Schlagersänger und Drum’n’Bass-DJ, Glas und Beton in sein Wohnzimmer zu verwandeln, so wie auch sein neues Album »Copyshop« den Höher ganz nah ranlässt. In der titelspendenden Einrichtung verdiente Romano acht Jahre lang seine Miete, bevor er von der Musik leben konnte.

Der Copyshop scheint für dich mehr zu sein als ein funktionaler Ort, an dem Studenten ihre Texte ausdrucken.
Im Copyshop bleibt man länger als beim Bäcker oder beim Fleischer. Manche Leute machen nur anstandshalber eine Kopie, quatschen dann aber drei Stunden. Es ist ein Nähe schaffender Ort. Das geht vom Studenten über den Russen im Pelzmantel zu dem Typen, der mal Millionär war und jetzt alles verloren hat und in der Bahnhofsmission wohnt. Um den Schein zu wahren, trägt er immer noch seinen einzigen Anzug. Mir war der Kundenkontakt wichtig. Den ganzen Tag an einer Maschine zu stehen, wäre nichts für mich.

Aus diesen Begegnungen ergeben sich dann Storyteller wie »Ufo Joe«?
Der Song ist eine Liebeserklärung an einen Freund und soll ausdrücken, dass er natürlich auf der einen Seite ein Freak ist, auf der anderen Seite aber das Herz am rechten Fleck hat. Der Copyshop ist auch ein Anziehungspunkt für solche Menschen. Er hat den Song abgenommen, genauso wie Mutti ihren Song abgenommen hat. Das ist wichtig. Ich will ja nicht mit dem Zeigefinger zeigen und mich lustig machen. Ufo Joe ist ein liebenswerter Mensch, man muss sich nur ein bisschen Zeit nehmen! Wer nimmt sich denn heutzutage noch Zeit? Jeder hat einen Stempel in der Hand und stempelt die ganze Zeit ab. Das zerstört die Magie des Menschen.

Wie schreibt man einen Song an die Mutter, ohne sich im Pathos zu verlieren?
Ich wollte einfach von ihr erzählen und habe aufgeschrieben, was mir eingefallen ist: Mutti fährt nicht besonders gut Auto. Mutti kann auch nicht besonders gut kochen. Mutti spielt laut Geige, obwohl sie nicht die beste Geigerin ist. Aber ich liebe Mutti. Das ist der Ansatz. Zwischen all diesen Dingen, die man vielleicht als Fehler empfinden könnte, ist eine große Liebe da.

Du besitzt eine schöne Narrenfreiheit dadurch, dass du dich nicht eindeutig einem Genre zuschreibst.
Das entscheidet jeder selbst. Jede Szene hat auf einem Berg einen alten Mann sitzen mit einem Buch, in dem er die Regeln aufschreibt. Ich muss mich aber auch selbst weiterhin spannend finden und freue mich sehr, elf Songs zu haben, die ich spannend finde.

Trotzdem hast du nach vielen musikalischen Stationen als Romano einen Sound gefunden, der funktioniert hat und den du auch auf dem zweiten Album weiterspinnst.
Jede Musik, die ich gemacht habe, ist ein Schiff. Diese Schiffe haben jetzt alle einen Hafen gefunden und da ist eine Mordsparty. Zwischendurch kann es aber sein, dass ein Schiff noch einmal rausfährt und wiederkommt. Ich glaube, dass all die verschiedenen Stationen meines Lebens zu Romano geführt haben, der sonst gar nicht möglich wäre.

Mir gefällt dein Song »Ja, ich will«. Willst du mich heiraten?
Ich möchte alle Menschen heiraten. In dem Song »Ja, ich will« geht es darum, einmal die Arme aufzumachen. Nicht den Mittelfinger zu zeigen, sondern den Ringfinger. Jemanden zu hassen, Musik scheiße zu finden, einen Film scheiße zu finden, das ist einfacher als zu sagen: »Ich nehme dich an, mit dem ganzen Rucksack, den du zu tragen hast, mit all den Dingen, die du vielleicht selbst für Fehler hältst.« Es ist eine umarmende Geste für die Menschheit. Kriege und Zerstörung tun uns nicht gut. Dass Menschen den Anwalt anrufen, anstatt mit einer Tafel Milka beim Nachbarn zu klingeln, ist nicht gut. Ich möchte Teil davon sein, Menschen wieder zusammenzubringen. Deshalb heirate ich dich.

Romano

Copyshop

Release: 08.09.2017

℗ 2017 Romano, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH

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