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Spalter: »Who Built The Moon?«

Noel Gallagher’s High Flying Birds

Stilistische Entwicklung war die Sache der Geschwister Gallagher bisher ja nie. Jetzt hat sich der smartere der Oasis-Brüder aber genau das zum Ziel gemacht. Gelingt ihm das? Oder geht er baden? 
Geschrieben am


Es war klar, dass Noel Gallagher sich etwas Neues einfallen lassen muss, jetzt, da sein Bruder endlich den guten, alten Liam-Swag wiedergefunden hat, der ihm bei Beady Eye abhandengekommen war. Nur schade, dass Noel mit dieser Intention so eine halbgare Suppe angerührt hat. Das geht schon beim Opener los, dem überwiegend instrumentalen »Fort Knox«, das anfangs klingt, als hätte Noel zu lange auf Doppelherz-Tabletten mit den Happy Mondays abgehangen und am Ende gar die Stereo MC’s abgerippt. Leider wird es danach kaum besser: Meinetwegen mag im Brei von »Holy Mountain« irgendwo zwischen Bläsern, Who-Hoo-Chören, Keyboardpfeifen und Gastmusiker Paul Weller die schnippende Schere zu hören sein, die in der TV-Show von Jools Holland live »gespielt« wurde – im Kern bleibt der Song aber ein tumber Stampfer, über den Noel seine Stimme auch noch mit blöden Effekten verhallen lässt. Erst auf halber Strecke geht was auch immer er vorhatte mal auf: Trotz erneuter Produktionsspielchen lässt »It’s A Beautiful World« an eine selbige glauben – zumindest so lange, bis er den Refrain erneut mit einem Stimmeffekt versemmelt. Aber hey, man wird ja genügsam. Die einzige Versöhnung gegen Ende bleibt »If Love Is The Law«, das wie eine vergessene The-Verve-B-Seite klingt – das ist gut, aber auch nicht die Art von Kompliment, die Noel sonst gewohnt ist. So hart es also auch klingen mag: Wer den alten Oasis-Glanz noch mal schimmern sehen will, der ist bei Liam besser bedient, und das, obwohl Noel die alten Mitstreiter Chris Sharrock und Gem Archer an Bord geholt hat. Aber wer weiß, vielleicht waren die ja auch der Grund, warum Beady Eye nie so richtig vom Hocker reißen konnten. Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh. So ist es eben. Vielleicht doch mal den verhassten Bruder anrufen? 

Daniel Koch 

+

Im Jahr 2017 geschehen noch Zeichen und Wunder: Einer der Gebrüder Gallagher rückt doch tatsächlich nach Jahrzehnten endlich mal von seinem gewohnten Stil ab, und er reüssiert damit auch noch? Wow. Anders als Kollege Koch denke ich nicht, dass sich Noel G. etwas Neues einfallen lassen musste – er hätte leicht weiter die immer gleiche Leier spielen und damit auf der sichereren Seite bleiben können. Schließlich wissen wir alle, wie konservativ der gemeine Oasis-Fan ist. Aber Noel ließ sich von dem zuletzt zumeist als Filmkomponist tätigen David Holmes zu einem kraftvollen Breitwand-Sound prügeln, der jede Menge Platz für Tests und Sperenzchen ließ. Folgerichtig ist »Who Built The Moon?« keine formvollendete Genre-LP geworden, sondern Dokument eines fortwährenden Entwicklungsprozesses. Spaß macht das Album trotzdem. Etwa dann, wenn Gallagher den Manchester Rave mit einem Füllhorn an Sounds übergießt, oder wenn er seine Version eines Psych-Rock-Songs einfach mal halbfertig stehen lässt. Die wenigen typischen Oasis-Harmonien wie in »Black & White Sunshine« oder dem versöhnend-schönen »If Love Is The Law« hätte es angesichts dessen gar nicht gebraucht. Mit dieser LP beweist Noel endlich, dass er die Beatles doch richtig verstanden hat. Denn die waren eben nicht nur »Meet The Beatles!«, sondern auch »Sgt. Pepper«.

Christian Steinbrink

Noel Gallagher's High Flying Birds

Who Built the Moon?

Release: 24.11.2017

℗ 2017 Sour Mash Records Ltd

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