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»Ich mach das für mich, nicht für dich«

Noel Gallagher im Interview

Noel Gallagher galt bisher als Kontrollfreak. Nun hat er seine Arbeitsweise radikal verändert: Ohne Songs und mit nur losen Ideen tat sich der Musiker mit dem Produzenten David Holmes zusammen. Entstanden ist das nicht nur in seiner Erstwirkung ungewöhnliche Album »Who Built The Moon?«. Kai Wichelmann sprach mit dem einstigen Oasis-Kopf über neue Herangehensweisen, Donald Trump und das Solodebüt von Bruder Liam.
Geschrieben am
Interview:
Kai Wichelmann
Illustration:
Alexandra Ruppert
Noel, du giltst als jemand, der üblicherweise vorbereitet und mit bereits fertigen Demo-Songs ins Studio geht. Durch den Produzenten David Holmes hast du die vertraute Kontrolle zum Teil abgegeben und dir von ihm gar Anweisungen geben lassen. Wie schwer war das für dich? 
Um ehrlich zu sein: Es war nicht schwer. Ohne fertige Songs ins Studio zu gehen ist natürlich mutig, aber ich bin fuckin’ brilliant im Improvisieren. Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich eigentlich alles machen kann. Ich kann es mir definitiv erlauben. Allerdings hatte ich kurzzeitig die Befürchtung, dass die Aufnahmen ins Nirgendwo führen. Letztlich hat es aber funktioniert, und ich habe diese Art des Arbeitens sehr genossen. David Holmes war recht streng zu mir. Immer, wenn ich mit Ideen kam, in denen er Oasis raushörte, sagte er: »Stop playing that!« Er gab mir Ratschläge wie: »Spiel es so, wie Blondie es spielen würden.« Ich war es auch einfach satt, immer mit meiner Akustikgitarre Songs über das Wetter zu spielen. So schien es an der Zeit, mal etwas anderes auszuprobieren.

Auf der Bonus-Version des Albums befindet sich mit »Dead In The Water« ein sehr berührender Song. Nur du mit der Akustikgitarre und einer sonst sehr spartanischen Instrumentierung. Meine Freundin hatte dabei Tränen der Rührung in den Augen. Weshalb ist dieses Stück nicht auf der neuen Platte? 
Ich werde dir eine Geschichte dazu erzählen: Während der Tour zu »Chasing Yesterday« hatte ich einen längeren Zeitraum frei, ich saß in einem Hotelzimmer und schrieb den Song innerhalb einer Stunde. It just fell out of the sky. Einige Zeit später war ich mit meiner Band bei einer irischen Radiostation, wir spielten dort »The Dying Of The Light«. Im Anschluss hatten wir noch ein wenig Zeit, und ich begann »Dead In The Water« zu spielen. Nur für mich. Dann stieg die Band ein – es war einer dieser magischen Augenblicke, die man nicht kaufen kann. Ich bin stolz auf das Stück, weil es die Essenz meines Schaffens aufzeigt, den anderen Noel GallagherStripped down. Als wir die Zusammenstellung der Songs von »Who Built The Moon?« besprachen, kam die Frage auf, ob es Bonus-Content geben würde, und ich sagte: »Nein, da muss ich euch enttäuschen.« Doch glücklicherweise wurde diese Live-Version mitgeschnitten – was ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht wusste. Ich bin froh, dass das Stück nicht verloren gegangen ist. Ich kann verstehen, dass deine Freundin weinen musste, denn als ich es mir noch mal anhörte, dachte ich sofort: Mädchen werden zu diesem Stück weinen. Warum das Stück nicht auf dem regulären Album gelandet ist? Nun, es ist too fuckin’ good. Ich war einfach im Moment, begann zu singen, and that’s it. Ich mach das alles für mich, nicht für dich, nicht für deine Freundin. Ich versuche einfach den puren Moment auszukosten.

Wir leben in unruhigen Zeiten, die Welt muss zum Beispiel Donald Trump aushalten. Wie kannst du dich als Künstler dazu verhalten?
Zwei Dinge: Warum muss die Welt Donald Trump aushalten? Warum interessiert es die Leute überhaupt? Jeder hat eine Meinung zu Trump, die Menschen gehen auf Anti-Trump-Demonstrationen. Aber ganz ehrlich: Er ist nicht mein Präsident. Natürlich ist er ein Arschloch, weil er ein Narzisst ist. Würde ich in Amerika leben, hätte ich eine Meinung zu ihm, aber das ist nicht der Fall. I couldn’t fucking care less. Er hat überhaupt keinen Einfluss auf mein Leben, in keiner Art und Weise.  

Du hast U2 auf ihrer letzten Tournee supportet. Bono ist mittlerweile ein guter Freund von dir. Er verbindet seine Rolle als Sänger mit politischem Engagement. Was magst du besonders an ihm, wo ihr doch gerade in dem Punkt anscheinend gegenläufige Ansichten habt?

Er ist ein sehr leidenschaftlicher Mensch, voller Hingabe. Er versucht alles, um eine gute Zeit zu haben. Und das überträgt sich auf die Menschen in seinem Umfeld. Er ist einfach zu einem guten Freund geworden. Was kann ich zu dem Typen sagen, der auf der Bühne steht? Die Texte sind toll, und er hat eine großartige Band im Rücken. Er findet einfach die richtigen Worte. Das beeindruckt mich vielleicht am meisten.  

Ich möchte dich nicht verärgern und dich zum x-ten Mal nach einer potenziellen Oasis-Reunion fragen. Dennoch würde ich dir gerne eine letzte Frage zu deinem Bruder stellen. Liam hat sein Solodebüt veröffentlicht. Hast du die Platte gehört, und wenn ja, gefällt sie dir?

Mhmm. Ich höre mir eigentlich keine Sachen von Menschen an, von denen ich kein Fan bin. Ich habe mir ein paar Stücke angehört. Und ja, ich kann verstehen, weshalb das Album funktioniert. Sagen wir es so: Leute, die auf diese Art von Musik stehen, werden sich das zufrieden anhören können. Es interessiert mich in jedem Fall nicht, was Liam dazu sagt. Neulich traf ich zwei Menschen auf offener Straße, sie sagten, es sei besser als alles von Oasis. Really?

Noel Gallagher's High Flying Birds

Who Built the Moon?

Release: 24.11.2017

℗ 2017 Sour Mash Records Ltd

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