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Zwischen Stimmexperimenten und Orgelsounds

Mile Me Deaf + Mariam The Believer live in Hamburg

Willkommen im Aalhaus, wo die Girls »Gurlz« und die Boys »Boiz« sind – zumindest laut des Schildes an der Toilettentür. Mile Me Deaf aus Wien und Mariam The Believer aus Schweden sind zu heute zu Gast und ziehen das Publikum auf ihre ganz eigenen Arten und Weisen in den Bann.
Geschrieben am
6.12.17, Hamburg, Aalhaus

Ganz entspannt beginnt Wolfgang Möstl von Mile Me Deaf mit etwas Verspätung eine One-Man-Show, begleitet von farbenfrohen Visuals, die seinen Sound passend visualisieren. Sein Auftritt wirkt wirr und organisiert zugleich, experimentell und doch auf den Punkt. Optisch eine Mischung aus dem Thalia-Theater-Schauspieler Jens Harzer und Phoenix-Sänger Thomas Mars nur mit geeky Brille, die er sich alle paar Minuten mit zwei Fingern wieder die Nase hochschiebt, ist er hochkonzentriert auf sein Equipment. Nicht so einfach bei dem Balance-Akt gleichzeitig Loops zu bauen, abwechselnd in zwei Mikrofone zu singen (während er das eine gerne auch beim Singen einfach im Mund behält) wie beim Lied »Brando«, Gitarre zu spielen und Beats mit Einspielern aus dem britischen Rundfunk wie bei Public Service Broadcasting rauszuhauen. Der kreative Output reicht von Funk über Indie bis Elektronik, so genau lässt sich das nicht kategorisieren und das macht auch den Reiz aus bei ihm.

Ein technischer Fehler, der kurz sein Set unterbricht, bringt Mile Me Deafs konzentrierte Verwirrung sympathisch in österreichischer Mundart auf den Punkt: »Sorry, dass ich verkackt habe. Ich habe keine Ahnung wie lange ich gespielt habe... zwei Stunden? Gibt es Fragen oder Wünsche?« Nein, das Publikum ist gut unterhalten. Aber der Abend ist ja noch nicht vorbei.
Mariam The Believer hat sprichwörtlich ihre Gläubiger dabei. Die schwedische Sängerin Mariam Wallentin, die sonst mit ihrem Ehemann als Duo auftritt, hat heute eine reine Frauenband um sich geschert, die wie Jünger um ihren Guru stehen: Sie in der Mitte, mit langen, dunklen Haaren und Armen in weiten Ärmeln, die sie immer wieder über sich ausbreitet, die Frauen mit kurz geschorenen Haaren an Schlagzeug, Bass und Perkussionsinstrumenten. Es wird Stücke aus dem neuem Album »Love Everything« aber auch alte bei diesem Konzert geben, kündigt Wallentin anfangs an. Mit ihrer expressiven Stimme vermag die Sängerin den ganzen Raum auszufüllen. Sie bräuchte vermutlich nicht mal das Mikrofon.

Den Song »To conquer pain with love« beginnt sie mit Stimmexperimenten, bei denen sie trocken kreischt, bis sie in ihren warmen Gesang verfällt. Eine leicht mystische Aura legt sich über die Musiker, die sich zwischen Experimental Folk, Jazz und Pop bewegen. Orgelsounds, Geige und harmonischer Backgroundgesang erfüllen den bis zur Bar gut gefüllten Raum. Die steigende Wärme unterstützt den hypnotisch-angenehm einschläfernden Zustand. Eine Yogasession könnte nicht entspannender sein. Die melancholische und doch kraftvolle Musik von Mariam wie beim Stück »Darkening«, das Ausdruck ihres Strebens zum Licht am Ende des Tunnels ist, zieht das Publikum ganz in seinen Bann. Unaufgeregt, mystisch, experimentell bleibt der Abend unter Gleichgesinnten in zufriedener Erinnerung.

Mile Me Deaf

Alien Age

Release: 03.02.2017

℗ 2017 Siluh Records

Mariam The Believer

Love Everything

Release: 20.10.2017

℗ 2017 Repeat Until Death

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