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Mein kleiner Krieg

Mutter

Das Album mündet in der Schizophrenie – und die Band führt dabei die absolute Ausweglosigkeit vor: Einmal Nihilist – immer Nihilist! Harmlos ist hier nichts.
Geschrieben am

Die Berliner Band Mutter gilt als notorisch missverstanden. Weil sie zu eigenwillig ist für das Rendezvous mit dem Zeitgeist. 1994 veröffentlichten die Noise-Doomer das Album »Hauptsache Musik« mit lauter Schnullibulli-Songs, das natürlich durchfiel; vier Jahre später feierte Indierocker Jochen Distelmeyer mit diesem Ansatz einen überragenden Erfolg. 2001 dann »Europa gegen Amerika«, mitten in jenem September der Terrorhysterie veröffentlicht – kaum einer hatte ein Ohr für dieses prophetische Album. Zwei Jahre später entzweite der Irak-Krieg tatsächlich »Europa« und »Amerika«.

Seit einiger Zeit haben Mutter offensichtlich Frieden mit ihrer Unzeitgemäßheit geschlossen: Sänger Max Müller und seine Jungs (von der Urformation ist sonst nur noch Schlagzeuger Florian Koerner von Gustorf dabei) produzieren und touren regelmäßig, die Arbeitsteilung funktioniert: Die Alben sind geordneter und gestraffter denn je – klassisches Indie-Songwriting, das Müllers nöligen, leicht zerquälten und irgendwie todtraurigen Gesang herausstellt; live kann man aber immer noch vor die betonharte Lärm-Breitwand laufen. Obwohl »Mein kleiner Krieg« von Zerfall und Auflösung handelt, übersetzen Mutter defätistischen Texte (zunächst!) nicht in ebensolche Musik. Müller singt vom Ekel und vom Selbsthass, die Musik selbst scheint davon kaum geprägt. Oder doch? Die Dynamik der Songs erschlafft, nichts spendet mehr Kraft, nichts wird überwunden und zu positiver Energie – also Wut, Angriff, Attacke – transzendiert. Das Album mündet im zerfahrenen Schizo-Spiel, und die Band führt dabei die absolute Ausweglosigkeit vor: Einmal Nihilist – immer Nihilist! Harmlos ist hier nichts.

In drei Worten: EKEL / SELBSTHASS / DYNAMIK

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