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»Other Bands play, Manowar kills«

Manowar live in Köln

Manowar zeigen sich bei ihrem Konzert in Köln pathetisch wie man sie kennt und durchaus mit ironischem Unterton.
Geschrieben am
05.12.2017, Köln, Palladium  

Es ist die vielleicht letzte Ehrenrunde die Manowar drehen, um den True Metal zu verteidigen. Eine letzte Tour, dann soll nach 35 Jahren Schluss sein. Um Manowar zu Grabe zu tragen, braucht es offenbar nicht nur blinde Gefolgschaft, sondern auch das nötige Kleingeld im Lederkostüm. Über 90 Euro lassen es sich die New Yorker kosten, sie ein letztes Mal live zu sehen.  

Wenn sich die Band zu pathetischen Klängen auf die Bühne begibt, dann zeigt sich schnell: Der Nostalgiefaktor ist hoch, Manowar sind ein Metal-Stilleben. Wie eine vergilbte Spielhalle aus den 1980ern oder der Musical-Kitsch von »Holiday On Ice«. Hier geht es nicht mehr um nächste Schritte, sondern um die Wahrung des Bekannten. Ob der Erkenntnisgewinn eines Konzertes der Band heute ein anderer ist als noch vor 20 Jahren, darf also bezweifelt werden. Letztlich besitzt aber auch ein in die Jahre gekommenes Showkonzept seinen Reiz, wenn es immer noch funktioniert.
 

Sänger Eric Adams mag etwas langsamer über die Bühne staksen als noch vor Jahren, aber gut bei Stimme ist er. Ihm zur Seite steht immer noch Joe DeMaio, der mittlerweile so aussieht wie der jüngere, geheime Bruder von Ron Wood von den Rolling Stones.
Eine Frage, die bereits im Vorfeld aufkam: Darf man als Pazifist eine Band gut finden, die mit schierem Eifer und ohne thematische Variation über Krieg, Blut und Ehre singt? Eine Gruppe die Schlachtszenarien glorifiziert und den Krieg als solchen als probates Betätigungsfeld des hartgesottenen Mannes interpretiert? Ja, das geht, zumindest, wenn man die inhaltliche Klammer als reines Stilmittel des Genres begreift. 

Zur weiteren Verteidigung der Amerikaner muss gesagt werden, dass sie bei der Wahl ihrer Feindbilder abstrakt bleiben. Sie geben an, dass alle gemeinsam gegen den Feind kämpfen sollen ohne ihn explizit zu benennen. Die logische Verwirrung dabei: Wenn ALLE kämpfen, bleibt kein Feind mehr übrig. Ein zumindest versöhnlicher Gedankengang. Schaut man in die Gesichter der Herren um die 60, dann ist hie und da ein verhuschtes Lächeln festzustellen und ein durchaus ironischer Umgang mit den offensiv harten Themen erkennbar. 

Wie es sich für eine letzte Tour gehört spielen Manowar ein 22 Songs starkes Set, bestehend aus nahezu allen Schaffensphasen der Band. Dabei wird sich eher auf die härteren Stücke konzentriert wie »Kill With Power«, »Blood Of My Enemies« oder »Call To Arms«. Das ist ein wenig schade, denn das kompositorische Geschick der Gruppe zeigt sich vor allem in Balladen wie »Courage« oder »Master Of The Wind«. Doch das Minimalequipment aus Schlagzeug, Gitarre und Bass verhindert offenbar die Live-Umsetzung der komplexeren Stücke. Das als Huldigung an die deutschen Fans gesungene »Herz aus Stahl« bleibt einer der wenigen ruhigen Momente des Abends. 

Zu einer berührenden Zwischensequenz kommt es, als Gitarrist Karl Logan kurzzeitig allein auf der Bühne steht und zum Solo ansetzt: Im Hintergrund laufen Bilder von  all den verstorbenen Menschen durch, die der Band nahe gestanden haben, wie unter anderem Lemmy Kilmister. Ansonsten gibt es wenig Pausen, auch typische Brandreden über das Wesen des True Metal werden am heutigen Abend ausgelassen. So bleibt es bei einem komprimierten, aber dennoch unterhaltsamen Abend. Die »Die Hard-Fans« dürften sich jetzt schon freuen. Bereits 2018 wird Joe DeMaio zurück nach Deutschland kommen, um auf Lesetour zu gehen. Diese soll mit Anekdoten aus der mittlerweile 35 Jahre währenden Karriere aufwarten. Sicher eine Möglichkeit, das Phänomen Manowar noch weiter zu entschlüsseln. 

Manowar

Warriors of the World (10th Anniversary Remastered Edition)

Release: 11.01.2013

℗ 2013 Circle Song Music LLC

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