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Alte Motzköpfe

Love A im Interview

Nach vier Alben fällt Love A nichts mehr ein. Zumindest lässt der Titel der neuen Platte darauf schließen: »Nichts ist neu«. Dass der eigentlich nicht so recht passt, hat Julia Brummert im Gespräch mit Sänger Jörkk Mechenbier und Bassist Dominik Mercier herausgefunden.
Geschrieben am
Wolltet ihr mit dem Titel »Nichts ist neu« die Erwartungen an euer viertes Album möglichst niedrig halten? 
Jörkk: Eigentlich war die Idee, dass so vieles wiederkommt. In der Musik, in der Mode und überall.
Dominik: Das Album sollte ursprünglich »Bonbonhagel« heißen. 
J: Oder »Kartoffel-Ich«.
D: Ja, oder »Kartoffel-Ich«. Aber das wurde beides abgelehnt.
 
»Bonbonhagel« ist ehrlich gesagt hübscher als »Nichts ist neu«.
D: Das ist deutlich schöner. 
J: Es liest sich aber schöner, als es sich ausspricht. Man sieht es und muss lachen, aber dann tut man sich gerade als Dialekt-angeschlagener Mensch mit »Bonbonhagel« schwer mit der Aussprache. Also unser Schlagzeuger Karl beispielsweise.

Ihr bleibt auf »Nichts ist neu« weiterhin kryptisch. Wenn ihr morgens in die Zeitung guckt, ist euch dann nicht eher danach, Parolen gegen den ganzen Scheiß zu brüllen? 
J: Man könnte ja auch glauben, dass vieles nach einer rechteren Gesinnung in der Politik schreit, und da machen wir ja auch nicht mit. Von daher finde ich das nicht. Wir sind und bleiben im sonstigen Gestus und unserem Handeln politisch und beschäftigen uns nicht weniger als vorher mit diesen Themen. Mal nicht ausbrechen zu müssen, wie man es im Alltag heutzutage öfter muss, ist vielleicht so etwas wie ein kleiner Urlaub. 
D: In »Löwenzahn« geht es doch konkret um die Lage in unserem Land.
J: Da werden wir fast schon plakativ. Aber es ist der eine Song, um es klarzumachen. Deshalb muss ich nicht gleich für das ganze Album plakative Slogans schreiben. Das bedeutet bei uns schon was, wenn aus einem Song ganz klar rauszulesen ist, worüber oder wogegen es geht.
Schon auf »Jagd und Hund« war es spürbar, aber jetzt finde ich es noch krasser: Ihr werdet musikalisch ganz schön wavig. Bei »Sonderling« zum Beispiel erkennt man dich, Jörkk, kaum. Woher kommt das?
D: Bei den ersten beiden Alben gab es die Überlegung, dass sich das Ganze live umsetzen lassen soll. Das hat sich bis heute nicht geändert, wir haben es jedoch ein wenig gelockert. Robert Whiteley, mit dem wir unsere Platten machen, spielt sehr gerne mit Effektgeräten und hat Hall auf ein paar Sachen gelegt. Wir hören alle gerne 80s und Wave. Vielleicht haben wir diese Affinität diesmal einfach mehr zugelassen.
J: Genau! Diese Geschichte gefällt uns soundtechnisch ganz gut. Das ist dieses kleine Quäntchen mehr Studiotechnik, das es beim letzten Mal auch schon gab. Ganz einfach, weil wir es konnten. Ich hatte ein wenig die Angst verloren, dass durch die Effekte die Songs live nicht mehr so klingen, wie man sie kennt. 
D: Wir hatten diesmal ganz einfach mehr Studiobudget. Sollte Geld übrig bleiben, kaufen wir noch ein Reverb.

Beim nächsten Mal dann Auto-Tune?
D: Das war eigentlich schon für diese Platte geplant, hat aber nicht so hingehauen. Auf dem einen oder anderen Track ist aber tatsächlich ein bisschen Auto-Tune drauf. Das hört man, wenn man die Ohren spitzt. 
J: Das stimmt überhaupt nicht!

Mehr Geld, mehr Effekte – hat sich sonst noch was geändert?
J: Ich habe mir diesmal keine Sorgen gemacht. Ich wusste, wir kriegen es hin, es lief einfach schon zum dritten Mal chaotisch, aber ich hatte ein Grundvertrauen zu der Platte. Ein bisschen hadert man ja immer. Wir sind nicht in der Lage, uns so zu verändern und weiterzuentwickeln, dass die Leute uns auf einmal hassen oder den Weg nicht mehr mitgehen. Wir erwarten höchstens einen Wiederholungsvorwurf, aber den bekommen Bands wie Bad Religion oder die Ramones ja auch. 
D: Ich mache mir einfach gar keine Gedanken. Es ist tatsächlich so, dass wir in einem bestimmten Maße Musik machen können und Musik machen wollen, und entsprechend klingt das Ergebnis so, wie es eben klingt.

»Nichts ist neu« ist wieder arg wütend und melancholisch. Können Love A überhaupt fröhliche Musik machen?
D: Das funktioniert nicht so gut für uns. Wir haben auch schon fröhlichere Songs im Repertoire. Zu viel davon fühlt sich aber nicht richtig an und klingt schnell sehr albern. Tendenziell versuchen wir auch, albern zu sein. Außer beim Musikmachen selbst.
J: Ich habe so ein, zwei »Comedy-Momente« mit Lasse bei Schreng Schreng Und Lala, und ich merke, dass mir das gar nicht gefällt. Zwischen den Songs darf es gern so albern wie möglich werden, aber in einem Song ... Das nutzt sich einfach auch so schnell ab. Wenn ich einen Song gehört habe, der witzig ist, lache ich auch mal. Das wird aber dann wie ein Witz, den man immer wieder erzählt bekommt. Bei ernsthaften Themen gibt es diesen Effekt nicht.
J: Ich hab die Frage nach der Fröhlichkeit in meinem ersten Interview auch Turbostaat gestellt. Ich weiß noch, dass Marten geantwortet hat: »Das Leben ist eben kein Schneckenschubsen.« Man verleiht seiner Freude vielleicht generell weniger Ausdruck als seinem Unmut.
D: Motzen macht ja auch Spaß. Vielleicht ist die Musik unser Motz-Ventil, und abseits können wir nett und gut gelaunt sein, weil wir das Schimpfen auf der Bühne oder im Studio ausleben und ansonsten versuchen, möglichst positiv oder freudvoll mit allem umzugehen. Eigentlich aber nicht. Wir sind einfach Motzköpfe.

Love A

Nichts ist neu

Release: 12.05.2017

℗ 2017 Rookie Records

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