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Es ist egal, aber

Layo & Bushwacka!

Spätestens, als die Tageszeitung The Sun kurz vor den Parlamentswahlen 1997 von den abbauenden Tories auf die aufstrebende Labour Party schwenkte, wurde klar: Britische Zeitungen setzen auf Gewinner. Das gilt selbstverständlich auch für die Musikpresse auf der Insel. Bei der Suche nach "neuen" Trend
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Spätestens, als die Tageszeitung The Sun kurz vor den Parlamentswahlen 1997 von den abbauenden Tories auf die aufstrebende Labour Party schwenkte, wurde klar: Britische Zeitungen setzen auf Gewinner. Das gilt selbstverständlich auch für die Musikpresse auf der Insel. Bei der Suche nach "neuen" Trends setzen die Blätter - und der wirtschaftliche Niedergang einiger bekannter Zeitschriften hat diese Praxis noch verstärkt - eher auf Künstler, die schon etabliert sind, die sich mit ihrem bisherigen Tun schon einen gewissen Achtungserfolg haben erspielen können und bei denen der kommerzielle Durchbruch offenbar kurz bevor zu stehen scheint. Ein aktuelles Beispiel: Layo & Bushwacka!. Schon lange vor der Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Night Works" waren sie Thema bei den Magazinen. Kein Wunder, schließlich erfüllen sie gleich zwei der notwendigen Kriterien.

Eine lange Geschichte

Layo & Bushwacka! haben sich sowohl alleine als auch gemeinsam eine solide Reputation aufbauen können. Matthew "Bushwacka!" Benjamin, 1988 von Acid House infiziert, arbeitete damals tagsüber bei Harrods, verteilte abends Flyer und ging nachts auf Warehouse Partys. Seit 1989 legt er selbst auf, parallel dazu machte er eine Ausbildung als Tontechniker. In einem Studio lernte er Mr. C kennen. Der hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits von The Shamen abgewandt, organisierte statt dessen Partys und plante gemeinsam mit einem gewissen Layo Paskin, den Club The End zu eröffnen. Paskins Vater, ein Architekt, entwarf The End, Paskin selbst wurde Geschäftsführer, und innerhalb kürzester Zeit war The End Londons renommiertester Club. Seit diesen Tagen haben Layo & Bushwacka! gemeinsam unter verschiedenen Namen zahlreiche Platten aufgenommen, 1999 das Debüt "Low Life" veröffentlicht, sich als DJs etablieren und auch einige bekannte Leute (u. a. Depeche Mode) remixen können.

Erfolg im Ausland

Die britische Musikpresse ist immer ausgesprochen dankbar, wenn sie von einem Act berichten kann, dass er auch im Ausland geschätzt wird. Am liebsten natürlich mit der Schlagzeile "XYZ break America". Aber auch wenn es sich um eine DJ-Residency in Übersee handelt, wird das wohlwollend zur Kenntnis genommen und in die Legendenbildung mit eingewoben. So wird die Tatsache, dass Layo & Bushwacka! monatlich nach Sao Paulo geflogen werden, um dort in einem Club aufzulegen, in der Berichterstattung gerne betont. Die Idee, für wenige Stunden in ein Land geflogen zu werden, in dem die Mehrheit der Bevölkerung in der Schattenwirtschaft tätig ist oder am Rande des Existenzminimums lebt, um dort Schallplatten abzuspielen, findet Benjamin dabei gar nicht so abwegig: "Die Stimmung und die Leute dort sind toll, die Abende sind unglaublich. Der Abend wird außerdem von verschiedenen Firmen gesponsert, da müssen wegen des Eintrittspreises auch nicht mehr Leute draußen stehen bleiben als zum Beispiel in London."

Können wir vielleicht auch mal über Musik reden?

Musikalisch sind Layo & Bushwacka! schwer zu greifen. Sicher, letztendlich machen sie Clubmusik im 4/4-Takt. Aber mit einer gehörigen Portion Understatement. Auf "Night Works" verzichten sie zum Beispiel auf Kollaborationen mit Sängern. "Sicher hätte das Aufsehen erregt, wenn wir mit einem bekannten Sänger zusammengearbeitet hätten, aber das ist nicht so unser Ding." Und wer auf das Devo-Bass-Sample in "Love Story" zeigt, um dann mit der 80er-Jahre-Keule zuzuschlagen, tut den beiden auch unrecht. "Ich wusste nicht mal, dass das Sample aus den 80ern stammt. Wir fanden nur, dass es klasse klingt. Hätte ich eine Menge Geld machen wollen", sagt Benjamin, ohne dabei im entferntesten resigniert zu klingen, "hätte ich es schon längst machen können."

Stimmt. Wie wenig geschäftstüchtig Layo & Bushwacka! sind, zeigt die Geschichte mit dem White Label von Michael Jacksons "Billie Jean". Von dem Track hatte Benjamin spaßeshalber einen Remix gebaut und drei White Labels an Freunde verteilt. Irgend jemand hat davon dann neue Platten pressen lassen und die Dinger verkauft - ohne dass bei Benjamin auch nur ein Penny angekommen wäre.

Es ist egal, aber

"Was uns für die Presse gerade interessant macht?" Benjamin macht eine lange Pause. "Ich habe keine Ahnung. Wir haben ja in den letzten Jahren viel aufgelegt, Remixe und auch eine Menge 12-Inches gemacht. Da war immer eine gewisse Aufmerksamkeit von Seiten der Medien. Vielleicht fokussiert sich das jetzt auf das Album? Letztendlich ist mir das aber egal - obwohl es einen tollen Effekt hat: Wir werden zu besseren Partys eingeladen und spielen da dann zu besseren Uhrzeiten als früher."

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